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14.01.2007

07:00 Uhr

Werner Baldessarini

Boxen ist Leben

VonTanja Kewes

Werner Baldessarini ist seit 40 Jahren Boxfan. Der Sport hat ihn vieles gelehrt. Zum Beispiel vom Auftreten auf den Erfolg zu schließen.

Der Einzug ist martialisch. Die Hymne „Relight my fire" reißt am Abend des 25. November im ostwestfälischen Halle 12 000 Boxfans aus ihren Sitzen. Bei seiner Rückkehr in den Ring trägt Axel Schulz einen grünsilbernen Mantel aus Seide. Eine schwarze Schirmmütze verdeckt seine Augen. Das Schwergewicht misst 1,91 Meter, 105,5 Kilo.

In der ersten Reihe verzieht Werner Baldessarini seine Stirn in ein Gitternetz aus vertikalen und horizontalen Falten und setzt sich wieder. Er hat genug gesehen.

Als Axel Schulz durch die Ringseile schlüpft, weiß Baldessarini, dass er verlieren wird, dass dem 38-Jährigen sein Comeback nicht gelingen wird. „Die Atmung“, erklärt Baldessarini Wochen später in seinem Büro in München, und pustet sehr schnell und sehr tief Luft ein und aus und ein und aus, ein, aus, „seine schwere Atmung beim Einlaufen hat mir gesagt, er ist nicht bereit für den Ring.“

23 Minuten und 38 Sekunden später ist das Handtuch geworfen. Technischer K.o. Axel Schulz verlässt blau und blutig geschlagen die Halle. Pfeifkonzert statt Relight my Fire.

Ein Kampf so gar nicht nach dem Geschmack von Werner Baldessarini – auch wenn er Recht behalten hat. Zu viel Blut, zu wenig Bewegung, kein Köpfchen. Der frühere Kreativ- und spätere Vorstandschef des Modekonzerns Hugo Boss ist von der Eröffnungsformel „Let's get ready to rumble“ bis zum Knock-out Boxfan. Er betrachtet den Sport aus einer höheren Warte. Boxen heißt für den 61-Jährigen leben. „Um sich durchzusetzen, müssen Sie im Leben wie im Ring auf den Punkt fit sein“, sagt Baldessarini, „und im entscheidenden Moment müssen Sie als Boxer wie als Manager Ihre Deckung aufgeben, also ein Risiko eingehen, um punkten zu können.“

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