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09.12.2014

17:52 Uhr

WestLB-Nachfolger

Dreesbach verlässt Portigon-Vorstand

Bis 2016 muss Portigon, Nachfolger der zerschlagenen WestLB, Dienstleistungstochter PFS an den Mann bringen – sonst droht die Abwicklung. Doch der Verkauf stagniert. Und nun geht auch noch Vorstand Stefan Dreesbach.

WestLB-Nachfolgher Portigon steht beim Verkauf der Dienstleistungstochter PFS mächtig unter Druck. Nun geht auch noch ein Vorstandsmitglied. dpa

WestLB-Nachfolgher Portigon steht beim Verkauf der Dienstleistungstochter PFS mächtig unter Druck. Nun geht auch noch ein Vorstandsmitglied.

DüsseldorfDer WestLB-Nachfolger Portigon muss künftig mit zwei Vorständen auskommen. Vorstandsmitglied Stefan Dreesbach scheide auf „eigenen Wunsch und im besten gegenseitigen Einvernehmen“ zum Jahresende aus, teilte Portigon am Dienstag mit. Die beiden verbliebenen Vorstandsmitglieder Kai Wilhelm Franzmeyer und Peter Stemper sollen Dreesbachs Aufgaben übernehmen.

Portigon liegt im Besitz des Landes NRW und muss Teile der Erbmasse der einst größten deutschen Landesbank WestLB abwickeln. Dreesbach hatte sich dabei um den Rückbau der Bilanz gekümmert. Zuletzt hatte es für Portigon aber einen Rückschlag gegeben: Der Verkauf der Dienstleistungstochter PFS liegt auf Eis. Dabei stehen Land und Portigon unter Zeitdruck.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Die EU-Kommission, auf deren Drängen hin auch die WestLB zerschlagen wurde, fordert einen Verkauf des Dienstleisters bis 2016. Gelingt dies nicht, droht der PFS im Jahr 2017 die Abwicklung.

Von

rtr

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