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16.01.2008

12:46 Uhr

WestLB-Prozess

Sengera weist alle Vorwürfe zurück

Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera hat der 64-Jährige am Mittwoch alle Vorwürfe der Anklage "in vollem Umfang" zurückgewiesen. Zu Einzelheiten will er allerdings nicht aussagen.

dpa DÜSSELDORF. "Es tut mir aufrichtig leid, dass in einem meiner Verantwortungsbereiche, die über Jahre hinweg überdurchschnittlich hohe Gewinne erzielt haben, ein solcher Schaden entstanden ist", sagte Sengera dem Düsseldorfer Landgericht. Der ehemalige Bank-Chef steht wegen schwerer Untreue vor Gericht und soll einen Schaden von 427 Mill. Euro verursacht haben.

Er empfinde die Verlusthöhe als schockierend, sagte Sengera in seiner kurzen Erklärung. "Dennoch: Ein strafrechtlich relevantes Falschverhalten kann ich nicht erkennen." Er habe der Bank, für die er 25 Jahre gearbeitet habe, auf keinen Fall schaden wollen. Sengera soll 1999 als zuständiges Vorstandsmitglied einen Kredit über 1,35 Mrd. Euro ohne ausreichende Risikoprüfung an den britischen TV-Geräteverleiher Boxclever vergeben haben. Als Boxclever Insolvenz anmelden musste, platzte der Kredit. "Ich war und bin über diesen Vorgang tief betroffen", sagte Sengera, der im Zuge weiterer hoher Verluste der WestLB 2003 seinen Hut nehmen musste.

Sengeras Verteidiger Eberhard Kempf wies den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zurück, Tatmotiv sei "übersteigertes berufliches Erfolgsstreben" gewesen, auch um dank glänzender Zahlen zwei Jahre später Vorstandschef zu werden. Der Boxclever-Deal habe nur mit fünf Prozent zum Gesamtgewinn der Bank beigetragen - als diese noch Gewinn erwirtschaftete. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Dann sollen die ersten Zeugen vernommen werden.

Trotz der Bedenken des zentralen Kreditmanagements, schrumpfender Marktzahlen und geplanter Filialschließungen seien die vom Kreditnehmer vorgelegten Zahlen 1999 nicht ausreichend überprüft worden, sagen die Ankläger. Der Kredit sei ungewöhnlich hoch gewesen, die Vergabe ungewöhnlich schnell. Eine echte Marktanalyse habe es nicht gegeben, Einschätzungen seien ungeprüft übernommen, der Aufsichtsrat falsch unterrichtet worden. Sengera habe seine Pflicht, das ihm anvertraute Vermögen zu schützen, damit sträflich und vorsätzlich verletzt.

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