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11.09.2012

22:42 Uhr

Whistleblower der UBS

Tippgeber erhält 100 Millionen Dollar von US-Steuerbehörde

Die US-Steuerbehörde bedankt sich bei einem Informanten mit einer sagenhaften Summe. Der Vermögensverwalter hatte Hinweise geliefert, dass die Schweizer Großbank UBS Amerikanern beim Steuerhinterziehen behilflich war.

Kein Schneesturm, sondern ein warmer Geldregen erwartet den Ex-UBS-Vermögensverwalter Bradley Birkenfeld (Foto: Archiv). Reuters

Kein Schneesturm, sondern ein warmer Geldregen erwartet den Ex-UBS-Vermögensverwalter Bradley Birkenfeld (Foto: Archiv).

WashingtonDie US-Steuerbehörde IRS hat Ex-UBS-Banker Bradley Birkenfeld für Aussagen gegen die Großbank mit 104 Millionen Dollar belohnt. Das teilten seine Anwälte am Dienstag mit. „Die IRS hat heute 104 Millionen Botschaften an Whistleblower auf der ganzen Welt gesendet, dass es jetzt einen zuverlässigen und sicheren Weg gibt, Steuerbetrug zu melden, und dass die IRS nun Belohnungen zahlt“, hieß es in der Erklärung von Birkenfelds Anwälten, Stephen Kohn und Dean Zerbe. „Die IRS hat ebenso 104 Millionen Botschaften an Banken auf der ganzen Welt geschickt - hört auf, Steuerbetrug zu ermöglichen, oder ihr werdet gefasst.“

Mit seinen Tipps hatte Birkenfeld die Steueraffäre der UBS in den USA ins Rollen gebracht. Schlussendlich zahlte die UBS 2009 im Rahmen eines Vergleichs 780 Millionen Dollar an die USA. Die Bank gab zudem die Namen Tausender US-Kunden preis, die mutmaßlich Steuern hinterzogen hatten. Die Schweiz weichte in der Folge in einem Staatsvertrag mit den USA ihr Bankgeheimnis auf.

Birkenfeld war wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung für einen kalifornischen Milliardär und ehemaligen UBS-Kunden verurteilt worden und saß zweieinhalb Jahre in Haft.

Die IRS, die für gewöhnlich einzelne Belohnungen nicht bestätigt, erklärte, Birkenfeld habe sich mit der Bekanntmachung schriftlich einverstanden erklärt, wodurch die Behörde die Belohnung bestätigen könne.

„Die umfassenden Informationen des Hinweisgebers waren außergewöhnlich, was Umfang und Tiefe angeht“, hieß es in dem Resümee der IRS, das von Birkenfelds Anwälten zur Verfügung gestellt wurde. Der republikanische Senator Chuck Grassley, der 2006 maßgeblich an einem Gesetz beteiligt war, das qualifizierten Informanten eine Belohnung zusichert, erklärte: „Eine Belohnung von 104 Millionen Dollar ist offensichtlich viel Geld, doch dank der Informationen eines Tippgebers werden Milliarden Dollar an geschuldeten Steuern eingetrieben, die andernfalls nicht bezahlt würden.“

Kommentare (18)

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bobi

11.09.2012, 19:25 Uhr

Der Whistleblower Bradley Birkenfeld wird mit 100 Mio belohnt.
Der Whistleblower Bradley Manning wird mit lebenslanger Haft bestrafft.

Oh, die Ironie!!!

Account gelöscht!

11.09.2012, 19:44 Uhr

Jetzt wird erst mal wegen Steuerhinterziehung gegen Schweizer Banken ermittelt. Richtig so. weil man sonst all die ehrlichen Steuerzahler zu Deppen degradiert.
Da kann man ja noch Hoffnung schöpfen, dass auch gegen das Verstecken von Geldern ermittelt wird, die aus Drogenhandel und Waffengeschäften herrühren. Ebenso die illegal gelagerten Milliarden der unzähligen Mafiaorganisationen.
Da kann man ja noch a bissl Hoffnung schöpfen, dass auch die illegale Parteienfinanzierung und die Schwarzgeldkonten unserer etablierten Parteien das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Den Deutschen sollen die Augen aufgehen
manager magazin sprach mit Alfred Heer, Nationalrat der rechtskonservativen SVP, über seine Initiative, die fragwürdige Geldgeschäfte deutscher Amtsträger anprangern soll. Offensichtlich gilt in Deutschland zweierlei Recht. Eines für das Volk und eines für die Regierung, der Beamten und der Bankster.
Heer: Es gibt hinreichend in der Presse dokumentierte Fälle, wo deutsche Amtsträger Schmiergelder und Parteispenden in Empfang genommen haben, welche über liechtensteinische und Schweizer Konten liefen. Interessanterweise wurde in diesen betrügerischen Fällen oftmals auf eine Rechtshilfe von deutscher Seite verzichtet, da es nicht den Bürger, sondern die Politiker getroffen hätte.

Die Mafia in der globalen Welt
Roberto Scarpinato, geboren 1952 in Caltanissetta, Sizilien, ist leitender Oberstaatsanwalt der Anti-Mafia-Direktion Palermo. Am Freitag hielt er unter massivem Polizeischutz in Karlsruhe einen Vortrag: "Organisiertes Verbrechen - die Kriminalität im 3. Jahrtausend".

Jedes Land hat sein Geschäftsmodell. Auch wenn Blut daran klebt, adäquat zu unseren Rüstungsexporten.

Die_Augen_der_Kraehen

11.09.2012, 20:17 Uhr

Warum wohl, wurde Klaus Zumwinkel nicht inhaftiert?

Weil er der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post (einem Staatsunternehmen) war und der Staat beschäftigt bekanntlich keine Kriminellen (jedenfalls nicht offiziell) lol

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