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25.02.2004

14:51 Uhr

Wie effektiv sind die Kontrollgremien?

Dresche von den Aktionären

VonLars Reppesgaard

Wie deutsche Aufsichtsräte effizienter arbeiten könnten: Weniger Köpfe und Klüngel, dafür mehr Rückgrat und Profis.

Tumultartige Szenen begleiteten die Hauptversammlung der Bankgesellschaft Berlin AG im Juli 2002. Papier und T-Shirts wurden geworfen, und als die Rolle des zeitweiligen Finanzvorstands Norbert Pawlowski zur Sprache kam, brüllte ein Aktionär: „Weg mit der Pfeife!“ Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Rupf hatte der Geschmähte in seiner Amtszeit das große Geld mit Immobilienfonds machen wollen. Am Ende der riskanten Geschäfte war die Berliner Landesbank pleite. Die Zeche hoben die Bankmanager für die Anleger und Steuerzahler auf.

Korrekterweise hätte der empörte Zwischenrufer auch den damals zuständigen Aufsichtsratschef Dieter Feddersen in seine Beleidigung mit einschließen müssen. Feddersen hatte nicht nur jahrelang dem Treiben zugesehen, sondern sich bis zuletzt für eine zweite Amtszeit seines Freundes Rupf eingesetzt.

Der Aufsichtsrat als Abnickverein

Es sind Fälle wie dieser, an denen sich die Diskussion entzündet, wie effektiv die Kontrollgremien der deutschen Aktiengesellschaften arbeiten. Der Aufsichtsrat als Abnickverein, als Klüngelbude, wo man sich selbst bedient und Kontakte pflegt? In der Privatwirtschaft sah es lange nicht anders aus als beim halbstaatlichen Hauptstadtinstitut: Große Namen, persönliche Vorlieben, gute Verbindungen – nach diesen Kriterien suchten sich Deutschlands Vorstandsriegen ihre Aufsichtsräte zusammen. Und die erfuhren von Unternehmenskrisen häufig erst aus der Zeitung.

Nur Kritik kam in dieser geschlossenen Gesellschaft lange zu kurz, wie auch die eigentliche Aufgabe, die Kontrolle des operativen Managements. „Die Aufsichtsräte sind durchsetzt mit Ex-Vorständen des gleichen Unternehmens“, kritisiert Etienne Jaugey, Partner der Managementberatung Diamond-Cluster International in München. „Eine scharfe Kritik an dem, was man selbst verabschiedet hat, ist nicht zu erwarten.“

Einmal im Club, hielten Manager zudem so viele Mandate, dass man im Nachhinein einem Josef Ackermann fast glauben will, er habe als Mitglied des Mannesmann-Aufsichtsrats tatsächlich nur ein „Flüchtigkeitsversehen“ begangen, als er in der Hektik übersah, dass der damalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk in einer Sitzung des Vergütungsausschusses am 4. Februar 2000 über seine eigene Prämie abstimmte.

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