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01.12.2015

09:57 Uhr

Wiedeking-Verfahren

Piëch muss im Porsche-Prozess nicht aussagen

VonMartin-W. Buchenau

Im Prozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wird es keinen Auftritt des gestürzten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch geben. Ob sein Cousin Wolfgang Porsche aussagen muss, ist noch offen.

Der frühere VW-Patriarch muss nicht im Porsche-Prozess aussagen. dpa

Ferdinand Piëch

Der frühere VW-Patriarch muss nicht im Porsche-Prozess aussagen.

StuttgartIm Strafprozess wegen Marktmanipulation gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche als einziger Vertreter des Kontrollgremiums als Zeuge geladen. Alle anderen geladenen Aufsichtsratsmitglieder der Porsche SE sind ausgeladen worden. Das teilte das Landgericht Stuttgart mit. Richter Frank Maurer hatte bereits bei der letzten Sitzung angekündigt, dass er niemanden zum Gerichtstermin vorladen wird, „der kommt und dann sagt, dass er nicht aussagt.“

Wolfgang Porsches Aussage ist laut Gericht für den 14. Januar geplant. Ob er als einziger Aufsichtsrat tatsächlich aussagen wird, ist offen. Die Porsche SE geht davon aus, dass entsprechende Gründe auch für eine Abladung von Wolfgang Porsche bestehen, teilte ein Sprecher nach Rücksprache mit den Rechtsbeiständen von Wolfgang Porsche mit.

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Die Familie Porsche/Piëch hat sich bisher in der VW-Affäre zurückgehalten. Nun tastet sich der Clan zögerlich an die komplizierte Gemengelage heran: Die traditionelle Isny-Runde im Allgäu wird zum inoffiziellen Krisen-Gipfel.

Die anderen Aufseher, darunter VW-Firmenpatriarch Ferdinand Piëch neben weiteren Mitgliedern der Familien Porsche und Piëch, hätten die Aussage verweigern können, denn gegen sie war ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zu Marktmanipulation in der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen eingestellt worden. Die Zeugen könnten sich durch ihre Aussagen vor Gericht selbst belasten und das Verfahren könnte dadurch wieder eröffnet werden, argumentierten Anwälte.

Vor allem eine Aussage von Ferdinand Piëch wäre interessant gewesen, da er als damaliger VW-Aufsichtsratschef sowie gleichzeitig Miteigentümer und Aufsichtsrat der Porsche SE eine Schlüsselrolle in der Übernahmeschlacht gespielt hatte.

Wiedeking und der frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter sind vor dem Landgericht wegen Marktmanipulation angeklagt. Sie sollen von März bis Ende Oktober 2008 die Absicht einer vollständigen Übernahme von Volkswagen durch die von den Familien Porsche und Piëch beherrschte Holding Porsche SE gezielt verschleiert haben. Institutionelle und private Anleger verloren durch die Kurskapriolen der VW-Aktie im Übernahmepoker Milliarden. Viele verklagten die Porsche SE deshalb auf Schadensersatz von insgesamt gut fünf Milliarden Euro.

Wichtige Zitate Ferdinand Piëchs

„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“

Dieser kurze, aber eindeutige Satz von VW-Aufsichtsratschef und Firmenpatriarch Ferdinand Piëch vom 10. April 2015, löste die Debatte um VW-Chef Martin Winterkorn aus. Winterkorn galt kurz zuvor noch als unumstrittener Herrscher im VW-Reich sowie als sicherer Nachfolger von Piëch. Den Machtkampf entschied am 17. April 2015 zunächst Winterkorn für sich. Das Präsidium des Aufsichtsrat erklärte die Bereitschaft, den Vertrag des Managers über das Jahr 2016 hinaus zu verlängern.

„Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“

Dass Ferdinand Piëch mit der Entwicklung von Volkswagen nicht zufrieden war, verdeutlichte er im März 2014 mit einer kurzen, aber deutlichen Aussage. Auf die Frage, ob er den VW-Konzern auf einem guten Weg sehe, antwortete er schlicht: „Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“ Damit spielte er darauf an, dass es beim Autohersteller nach Jahren des Erfolgs nicht mehr rund lief. So brachen unter anderem verschiedene Auslandsgeschäfte ein und die Rendite näherte sich der Nulllinie. Besonders ärgerte sich Piëch damals darüber, dass Volkswagen in den USA trotz hoher Investitionen im Vergleich zur Konkurrenz weiter an Boden verlor.

„Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

Im September des Jahres 2013 tauchten Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Abschied Ferdinand Piëchs aus gesundheitlichen Gründen auf. Zudem hieß es, dass der bisherige Konzernchef Martin Winterkorn als Piëchs Nachfolger feststehen würde. Sowohl der VW-Patriarch, als auch Konzern und Betriebsrat dementierten die aufkommenden Gerüchte. Piëch sagte dazu: „Totgesagte leben länger.“ . Außerdem fügte er hinzu, dass er klären wolle, wer der Urheber der Gerüchte war : „Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

„Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“

Um die Übernahme von Porsche zu finanzieren, stimmten die VW-Aktionäre im Dezember 2009 nach langer Debatte einer milliardenschweren Kapitalerhöhung zu. Trotz großer Kritik vieler Kleinaktionäre beschloss die Mehrheit der Stammaktionäre damit einen Vorratsbeschluss zur Ausgabe von bis zu 135 Millionen neuer, stimmrechtsloser VW-Vorzugsaktien. Dem Vorwurf, er habe Interessenkonflikte sowie der Kritik, dass die Kapitalerhöhung über Vorzugsaktien erfolgen solle und damit die Stammaktionäre schütze, entgegnete Piëch mit den Worten: „Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“ Zuvor hatte Porsche Millionenschulden angesammelt, als sie versucht hatten, VW zu übernehmen.

„Zwölf ist eine gute Zahl.“

Mit dem simplen Satz „Zwölf ist eine gute Zahl" sorgte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kurz vor der IAA des Jahres 2009 für Aufsehen. Das Produktportfolio des Volkswagen Konzerns bestand damals noch aus neun Marken, inzwischen hat sich Piëchs Zitat bewahrheitet: Mit der Komplettübernahme der schwedischen Lkw-Tochter Scania im Jahr 2014 hat Volkwagen das Marken-Dutzend voll gemacht. Zum Konzern gehören die Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Ducati, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Scania und Man.

„Zur Zeit noch. Streichen Sie das 'noch'!"

Mit diesen Worten antwortete Ferdinand Piëch im Übernahmekampf zwischen Porsche und VW im Jahr 2009 auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch sein Vertrauen genieße. Für Wiedeking gab es nach dieser Aussage des VW-Patriarchen und nach monatelangen Verhandlungen über eine mögliche Kooperation der beiden Konzerne keine Zukunft mehr bei Porsche. Im Juli 2009 trat Wiedeking von seinem Posten im Aufsichtsrat zurück und machte den Weg für eine gemeinsame Zukunft der Autobauer frei.

„Zwei Kranke in einem Doppelbett oder gar drei ergeben noch keinen Gesunden."

Mit diesen Worten entgegnete der VW-Patriarch am 11. Mai 2009 gelassen einer möglichen Kooperation von Fiat, Opel und Chrysler. Die drei Autohersteller hätten zu unterschiedliche Unternehmenskulturen, die eine erfolgreiche Kooperation verhinderten. Zudem war sich Piëch damals sicher, dass eine funktionierende Allianz etwa 15 Jahre Zeit brauche, genau wie beim Zusammenschluss von Volkswagen und Audi im Jahr 1969. Im Juni 2009 übernahm Fiat dann 20 Prozent der Anteile von Chrysler.

„Ich kenne kein Unternehmen in Deutschland, wo jemand mit zehn Arbeitnehmer-Gegenstimmen überleben konnte.“

Als es im März 2006 um die Zukunft des damaligen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder ging, äußerte sich Ferdinand Piëch im Wall Street Journal Europe deutlich über Mehrheiten für die Vertragsverlängerung Pischetsrieders. Bedeutend war auch Piëchs Zusatz: „Es ist wirklich eine offene Frage." Ein halbes Jahr später war die Frage dann geklärt: Bernd Pischetsrieder verließ den Wolfsburger Autokonzern zum 31. Dezember 2006 und wurde von Martin Winterkorn abgelöst.

Vom Strafprozess versprechen sich vor allem Hedgefonds Munition für ihre Schadenersatzklagen. Aber bislang zeigten sich die Verteidiger von Wiedeking und Härter sehr zufrieden mit dem Prozessverlauf. Auch die Nichtladung der Aufsichtsräte kommt der Verteidigung entgegen. Außer dass Wiedeking sicher seinen Kontrahenten Piëch gerne vor Gericht als Zeuge gesehen hätte.

Die Verhandlung geht kommenden Donnerstag mit der Vernehmung weiterer Porsche-Führungskräfte weiter. Zudem hat das Gericht noch Mitarbeiter der Maple-Bank, über die Porsche seine Optionsgeschäfte abwickelte, als zusätzliche Zeugen an anderen Verhandlungstagen geladen.

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