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18.01.2010

18:27 Uhr

Kandidat für den AR-Vorsitz bei Infineon: Willi Berchtold. dpa

Kandidat für den AR-Vorsitz bei Infineon: Willi Berchtold.

MÜNCHEN/STUTTGART. Der Mann gilt als zupackend, durchsetzungsfähig und kommunikativ. Zudem kennt der 59-jährige Finanzchef von ZF Friedrichshafen die Autowelt genauso gut wie die IT-Branche. Kein Wunder, dass Investoren auf Willi Berchtold gestoßen sind, als sie einen Kandidaten für den Vorsitz im Aufsichtsrat des Chipherstellers Infineon gesucht haben. Autozulieferer gehören zu den wichtigsten Kunden des Konzerns.

Die Sache hat nur einen Haken: Der Nominierungsausschuss des Aufsichtsgremiums hat mit dem ehemaligen Siemens-Vorstand Klaus Wucherer im Herbst bereits einen Mann aus den eigenen Reihen ausgesucht, der den Job übernehmen soll. Auf der Hauptversammlung am 11. Februar soll die Personalie von den Aktionären beschlossen werden. So steht es in der Einladung zu dem Aktionärstreffen, die Infineon Ende Dezember verschickt hat.

Der 65-Jährige Wucherer passt einigen Großaktionären allerdings nicht - und deshalb droht jetzt Zoff auf der Versammlung. Zu sehr verstrickt sei er in das für die angelsächsischen Anleger nicht zu durchschauende Beziehungsgeflecht von Siemens und Infineon.

Bis vor zehn Jahren war auch Infineon Teil des Münchener Konzerns; seither ist Europas zweitgrößter Halbleiterproduzent berüchtigt für seine internen Grabenkämpfe, die einst sogar in einer Revolte von Vorständen gegen ihren Vorsitzenden ihren Höhepunkt fanden.

Geht es nach dem Willen großer Aktionäre aus dem angelsächsischen Raum, soll mit Berchtold jetzt ein Außenstehender die Geschäfte des verlustreichen Konzerns überwachen. Der gebürtige Badener - er stammt aus Singen, aufgewachsen in Konstanz - studierte Wirtschaftswissenschaften in Pforzheim und Duisburg und kam 1978 zum IT-Konzern IBM. Hier machte er schnell Karriere, übernahm auch internationale Führungsaufgaben und stieg schließlich 1995 zum Deutschland-Geschäftsführer auf.

Im Oktober 1998 wechselte er dann als Vorsitzender der Geschäftsführung zu Giesecke & Devrient nach München. Den Geldnotenhersteller trimmte der IT-Manager in seinen sieben Jahren an der Isar auf High Tech, indem er zum Beispiel das Chipkartengeschäft ausbaute. Die Halbleiter dafür kommen unter anderem von Infineon.

Ende 2004 kündigte Berchtold völlig überraschend seinen Abschied von G&D an. Der passionierte Hobby-Segler unterschrieb als Finanzvorstand bei ZF Friedrichshafen, einem der größten Autozulieferer der Welt. Am Bodensee musste der ehemalige Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom allerdings mit mächtigem Gegenwind fertig werden. 2006 verpasste er den Sprung an die Konzernspitze, der ZF-Aufsichtsrat zog mit Hans-Georg Härter ein Eigengewächs vor. So ganz von der IT-Welt hat sich Berchtold trotzdem nie getrennt, vergangenes Jahr zog er in den Aufsichtsrat der Software AG ein.

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