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15.01.2013

19:28 Uhr

Willi Verhuven

Alltours-Chef soll 25.000 Euro Strafe zahlen

Der Chef des Reiseveranstalters Alltours soll einen Polizisten angefahren haben. Der Ansicht ist offenbar auch das Gericht, das ihn nun zu einer saftigen Strafe verurteilte. Verhuven selbst sprach von einem „Fehlurteil“.

Alltours-Gesellschafter Willi Verhuven während des Strafverfahrens. dpa

Alltours-Gesellschafter Willi Verhuven während des Strafverfahrens.

DuisburgNiederlage für Alltours-Chef Willi Verhuven: Das Duisburger Amtsgericht hat den Reise-Unternehmer zu 25 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Außerdem verhängte es am Dienstag ein zweimonatiges Fahrverbot. Die Richterin ist überzeugt, dass Verhuven im März 2012 einen Polizisten angefahren hat, um sich die Zufahrt zu seiner Duisburger Firmenzentrale zu erzwingen. Der 62-Jährige hatte die Vorwürfe bis zuletzt bestritten. Nach Prozessende bezichtigte er den Polizeibeamten der Lüge und sagte wörtlich: „Ich habe ihn nicht angefahren - definitiv nicht.“

Der Polizist hatte am 21. März 2012 einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi gesichert und von seinem Vorgesetzten den Befehl erhalten, keine Fahrzeuge durchzulassen. Genau darüber habe sich Verhuven laut Urteil hinweggesetzt und den Beamten mit langsamem Vorfahren auf die Motorhaube seines Mercedes aufgeladen.

Willi Verhuven: Alltours-Chef fährt Polizisten über den Haufen

Willi Verhuven

Alltours-Chef fährt Polizisten um

Der Unternehmenschef sagt, der Beamte sei ihm aufs Auto gesprungen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat es sich dabei sogar um einen „tätlichen Angriff auf einen Polizisten“ gehandelt. Der 46-jährige Oberkommissar zog sich bei der Aktion nach eigenen Angaben einen schmerzhaften Bluterguss im Knie zu. Er war zwölf Tage dienstunfähig.

Verhuven hatte im Prozess erklärt, dass ihm der Polizist mit aggressivem Verhalten Angst gemacht habe. Deshalb sei er vor Schreck von der Bremse gegangen. „Der hat mit beiden Händen auf die Motorhaube geschlagen“, sagte er dem Gericht. Dann habe ihm der Beamte sogar noch den Scheibenwischer abgerissen. “Ich dachte nur noch: Ich muss hier weg.“

Die größten Reisekonzerne Europas

Die Ausgangslage

Die Tourismusbranche scheint krisenresistent zu sein und glänzt dieses Jahr mit Buchungssteigerungen - von Folgen der Schuldenkrise keine Spur. Dieses Jahr kann das vergangene Jahr 2011 sogar toppen, sofern keine Naturkatastrophen oder andere Krisen eintreten.

Platz 8

Schauinsland Reisen

Der Flugveranstalter Schauinsland-Reisen, deutscher Pauschalreisenveranstalter, zieht für das Ende Oktober zu Ende gehende Geschäftsjahr 2010/11 eine äußerst positive Gesamtbilanz und vermeldet wieder deutliches Wachstum. So stiegen der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 556 Millionen Euro und die Zahl der gebuchten Teilnehmer auf 778.000 (plus 4,4 Prozent).

Platz 7

FTI Touristik

FTI kam im Jahr 2010 in Deutschland auf einen Umsatz von 1,07 Milliarden Euro – das bedeutete einen Marktanteil von 5,0 Prozent. FTI betreibt unter anderem den Reiseshopping-Sender „Sonnenklar.TV“. Über ihn hat FTI 2010 165 Millionen Euro Umsatz erzielt und knapp 600.000 Reisende gewonnen – das ist beinahe jeder Dritte, der mit FTI reiste.

Platz 6

Club Mediterranee

Platz sechs nimmt in Europa Club Mediterranee ein. Der französische Reiseveranstalter war im Jahr 2011 wieder in der Gewinnzone. Das Unternehmen erzielte nach eigenen Angaben im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn von zwei Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Verlust von 14 Millionen ausgewiesen werden musste.

Platz 5

Alltours

Deutschlands fünftgrößter Reiseveranstalter Alltours wächst stärker als geplant, die Buchungen liegen deutlich über Plan. Schon im vergangenen Jahr hatte Alltours am stärksten in Deutschland zugelegt. Das Vorsteuerergebnis stieg im Geschäftsjahr 2010/11 (31.10.) um 144 Prozent auf 32 Millionen Euro.

Platz 4

Rewe

In Europa die Nummer drei: Die Touristiksparte der Rewe-Gruppe hat im vergangenen Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 4,2 Prozent zugelegt. Der Umsatz stieg demnach auf 4,5 Milliarden Euro. Zum Gewinn machte das Unternehmen keine Angaben. Auch das neue Tourismusjahr 2011/2012, das am 1. November begonnen hat, sei erfreulich gestartet. Der Umsatz liege „deutlich einstellig im Plus“. Während die Kunden bei Buchungen für Griechenland und Ägypten noch zurückhaltend seien, sei Tunesien als Reiseziel auf dem Weg zurück zu alten Spitzenwerten.

Platz 3

Kuoni

Der Schweizer Reisekonzern Kuoni übernimmt im zweiten Quartal das Online-Reiseportal Gullivers Travel. Das schnell wachsende Online-Reiseportal Gullivers Travel wechselt den Besitzer damit für 515 Millionen Euro. Kuoni will seine Internet-Aktivitäten ausbauen. Der Umsatz bei Kuoni stieg im ersten Halbjahr 2011 um fast 19% auf 2,084 Mrd. Franken.

Platz 2

Thomas Cook

Thomas Cook, Europas Nummer zwei der Reiseveranstalter, kämpfte stark mit Verlusten. Der arabische Frühling hat dem britischen Reiseveranstalter das Geschäft so verdorben, dass eine Finanzspritze im November letzten Jahres notwendig war. Der Deutschland-Chef des angeschlagenen Reisekonzerns Thomas Cook hat sich allerdings zufrieden mit dem derzeitigen Geschäftsverlauf gezeigt. „Bis heute liegen wir bei den Sommerbuchungen nur knapp ein Prozent unter Vorjahr“, sagte Thomas-Cook-Manager Peter Fankhauser der „WirtschaftsWoche“. Der Umsatz sei dank gestiegener Preise sogar stabil, ebenso die Marge. „Das ist ein gutes Resultat für uns.“

Platz 1

Tui Travel

Europas größter Reiseveranstalter Tui musste wegen der Auseinandersetzungen in Ägypten und Tunesien einen Verlust von 80 Millionen Euro einbüßen. Trotzdem hat Tui im abgelaufenen Jahr in seiner Touristiksparte profitiert. Insgesamt stieg der Umsatz im September beendeten Geschäftsjahr 2010/11 um 7 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro.

Sein Verteidiger äußerte Zweifel, ob die Absperrung wirklich verhältnismäßig war und sagte in seinem Plädoyer: „Vielleicht wollte da ein Motorradpolizist einem Unternehmer im Mercedes auch nur mal zeigen, wer das Sagen hat.“

Verhuven hat bereits angekündigt, dass er gegen das Urteil des Duisburger Amtsgerichts Berufung einlegen werde. „Ich bin kein Mensch, dem man so etwas antut und der dann seinen Mund hält“, sagte er nach Prozessende. Nach dem Vorfall hatte er den Polzisten nicht nur wegen Sachbeschädigung angezeigt, sondern auch eine Schadensersatzklage über rund 400 Euro für die Beschädigung seines Scheibenwischers eingereicht. Außerdem legte er bei der Polizei eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein.

Von

dpa

Kommentare (5)

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B.Giertz

16.01.2013, 08:36 Uhr

Auf der einen Seite halten sich meine Sympathien für diesen Herren in Grenzen, vor allem wenn er dann auch noch solche dummen Ausreden auftischt.

Aber der verhalten des Polizisten finde ich auch etwas merkwürdig.
Wenn jetzt irgendwo eine Demo ist, darf ich dann demnächst auch nicht mehr zu meiner eigenen Wohnung ?
Wo soll denn das enden ??

Frank.Engelen

19.01.2013, 20:34 Uhr

Der Sachvortrag des Polizisten scheint mehr als fragwürdig.
Selbst wenn es so gewesen sein sollte, wie vom POK vorgetragen, dann versetze man sich einmal in dessen geschilderte Situation:
Ein Auto fährt langsam auf mich zu.
Wie würde ich mich verhalten?
Deseskalativ und meine eigene Gesundheit schützend, würde ich sicherlich instinktiv zur Seite gehen.
Nun behauptet der Staatsdiener - also jemand, der von Verhufens nicht unwesentlichen Steuergeldern bezahlter Mann - dass er auf der Motorhaube landete und den Scheibenwischer zu packen bekam.
Eine durchschnittliche Statur unterstellt, kann en Mann m.E. nur durch enen beabsichtigten Hechtsprung auf der Motorhaube landen.
Dieses wiederum würde Zweifel an der deskalativen Absicht des Motorradpolizisten aufkommen lassen.
Was wäre passiert, wenn der Polizist gar nichts getan hätte und einfach stehen geblieben wäre?
Er wäre nach hinten umgekippt, wenn Verhufen, den Schilderungen des Polizisten folgend, "langsam vorgefahren" wäre.
Also hätte bei dieser Variante der Polizist ja in irgendeiner Art und Weise reagiert haben müssen.
Und wenn er bei seiner Reaktion auf der Motorhaube das Autos gelandet sein soll, muss er offensichtlich falsch reagiert haben.
Denn bei der Richtung für den Hechtsprung hätter er sich sicher für die ungefährlichere Richtung zu einer der beiden möglichen Seiten entscheiden können, oder?
Umso glaubwürdiger erscheint der Sachvortrag des Geschäftsführers des namhaften Unternehmens.
Wie würde ein Otto-Normal-Bürger wohl reagieren, wenn ihm ein Mensch sein Eigentum beschädigt und urplötzlich und ohne vorherige Anzeichen mit beiden Fäusten auf die Motorhaube seines teuren Autos trommelt?

Wer würde sich da nicht erschrecken?

Es scheint also wesentlich wahrscheinlicher, dass ein Fehlverhalten des Polizisten ein weiteres Fehlverhalten des erschreckten Bürgers nach sich zog.

Account gelöscht!

19.01.2013, 21:08 Uhr


Leider scheint in Deutschland oftmals nicht das Recht zu siegen, sondern der, der die bessere Lobby hat.
Es geht auch anders, wie sich im nachfolgenden Bsp von polizeilicher Gewalt zeigt.

Diese Beispiele machen leider zusehends Schule!

http://www.sueddeutsche.de/bayern/prozess-um-polizeigewalt-bewaehrungsstrafe-fuer-pfefferspray-polizist-1.1283465

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