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05.01.2016

12:12 Uhr

Windreich-Chef Willi Balz

„Ich bin nicht gescheitert, ich wurde gescheitert“

Seit gut zwei Jahren steckt Windkraft-Pionier Windreich in der Insolvenz fest. Doch der angeschlagene Firmengründer Willi Balz gibt sich kämpferisch, in diesem Jahr soll endlich die Wende zum Besseren kommen.

Die Privatinsolvenz kostete ihn seine Motorräder, seine beiden Flugzeuge und zahlreiche Immobilien. dpa

Willi Balz

Die Privatinsolvenz kostete ihn seine Motorräder, seine beiden Flugzeuge und zahlreiche Immobilien.

WolfschlugenNein, aufgeben wird Willi Balz nicht. Andere hätten vielleicht längst das Handtuch geworfen. Balz nicht: „So schlecht wie meine Feinde denken geht's mir gar nicht“, sagt er und lächelt - so gut es eben geht. Tatsächlich sieht der 55-Jährige etwas müde aus. Doch Balz' Optimismus und Kampfgeist scheint ungebrochen. „Mein Ziel ist weiterhin, ein Offshore-Projekt pro Jahr ans Netz zu bringen.“ Danach sah es zuletzt nicht aus. Fast drei Jahre ist es her, dass alles um ihn herum zusammenbrach: Erst klopfte die Staatsanwaltschaft an, dann kam die Insolvenz.

Balz' 1999 gegründete Firma Windreich plant zusammen mit Partnern Windparks auf hoher See. Das Unternehmen aus dem 800 Kilometer von der Küste entfernten schwäbischen Dorf Wolfschlugen beschafft Genehmigungen und beauftragt den Bau - kurz vor Baubeginn oder wenn die Parks am Netz sind, wird an Investoren verkauft. Eine Wette, für die Balz einstand. Mit Hunderten Millionen Euro, die er von Geldgebern eingesammelt hatte, und knapp 200 Millionen Euro aus dem eigenen Vermögen.

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Der Gründer der Pleitefirma Windreich, Willi Balz, teilt aus – gegen seinen ehemaligen Berater und den neuen Geschäftsführer. Er wittert Untreue und Parteiverrat. Der Insolvenzverwalter prüft die dubiosen Vorgänge.

Das Geschäft ist nicht ohne Risiko. In einer Genehmigung stecken, so rechnet Balz vor, sechs bis acht Jahre Arbeit und 20 bis 40 Millionen Euro. Windreich häufte über Jahre mehr und mehr Schulden an. Die Gläubiger wurden nervös. Im März 2013 klopfte die Staatsanwaltschaft an. Sie ermittelt wegen Bilanzmanipulation und Insolvenzverschleppung - bislang ist es zu keiner Anklage gekommen. Wenige Monate später wurde das Insolvenzverfahren gegen Windreich eröffnet. Ein Jahr darauf war Balz auch privat pleite. Die Bank Safra Sarasin hatte den Antrag auf Privatinsolvenz gestellt. Das Institut hatte Windreich Kredite über rund 75 Millionen Euro gewährt, für die Balz persönlich bürgte.

„Die Privatinsolvenz ist das überflüssigste, da verlieren alle“, sagt Balz. Seine Motorräder wurden abgeholt, seine beiden Flugzeuge, von seinen 100 Immobilien, mit denen er sein Vermögen gemacht hat, sind nach Balz' Angaben gut 20 versteigert. „Und zwar zu den miserablen Preisen, die man bei Versteigerungen eben erhält.“ Im Moment lebt er von der Unterstützung von Familie und Freunden - eine harte Landung. Balz glaubt nach wie vor, dass Gegner der Energiewende ihm übel mitgespielt haben: „Ich bin nicht gescheitert, ich wurde gescheitert.“

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