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09.09.2015

09:26 Uhr

Winterkorn ehrt Kommunikationschef

„Damals stand PR noch für Partys und Reisen“

VonGrischa Brower-Rabinowitsch

Das „PR-Magazin“ hat Stephan Grühsem zum PR-Mann des Jahres ausgerufen. Jener arbeitet seit beinahe 20 Jahren mit VW-Vorstandschef Martin Winterkorn zusammen – der ihm eine selbstironische Laudation beschert.

Preisträger Grühsem (Mitte) mit VW-Chef Winterkorn (l.) und Rommerskirchen. Jörg Sänger/prmagazin

Preisverleihung

Preisträger Grühsem (Mitte) mit VW-Chef Winterkorn (l.) und Rommerskirchen.

Remagen„Passen Sie auf, Herr Winterkorn“, scherzte Veranstalter Thomas Rommerskirchen noch, als er dem VW-Konzernchef das Redepult überließ, „alles was Sie jetzt sagen, ist Boni-relevant“. Doch den „Herrn Professor“, wie er an diesem Abend mehrfach korrekt genannt wurde, scherte das wenig.

Ein sichtlich entspannter Martin Winterkorn holte zu einer Laudatio aus, die gespickt mit Selbstironie, Witz, Charme und Lob nur einen Schluss zu ließ: Sein Kommunikationschef Stephan Grühsem ist jeden Euro Bonus wert, den Winterkorn ihm bei VW zahlt. Der 53-jährige Grühsem hat am Dienstagabend in Remagen-Rolandseck vom Verlag Rommerskirchen („PR Magazin“) den so genannten „Seismographen“ bekommen, der seit 1992 an den „PR-Manager des Jahres“ verliehen wird.

„Seismographen“, begann Winterkorn seine Rede, „kenne ich.“ Aber auf den ersten Blick habe er sich gefragt, wofür man einen Seismographen für Kommunikation brauche, schließlich messe das Gerät seismische Wellen, die etwa durch Erdbeben ausgelöst werden. Doch auf den zweiten Blick sei es ihm klar geworden: „Es gibt auch bei uns in Wolfsburg - vorsichtig gesagt - ein paar Erschütterungen.“

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Martin Winterkorn soll bis 2018 Chef von Volkswagen bleiben. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Zukunft des Konzerns. Doch Winterkorn muss sein starkes Mandat nun nutzen, um nötige Veränderungen einzuleiten.

Nun ist nicht Grühsem für die Erschütterungen verantwortlich, sondern ein gewisser Ferdinand Piëch, der im April den 68-jährigen Winterkorn nicht mehr für den Richtigen bei VW hielt. Das wiederum machte Veranstalter Rommerskirchen mächtig nervös, denn er hatte ja schon im Januar Grühsem als PR-Manager des Jahres ausgerufen. Doch der Preisträger beruhigte ihn am Telefon: „Wir kommen, Thomas, in welcher Funktion auch immer!“

Sie kamen in der altbewährten Form, als das Tandem, das es nun schon seit fast zwanzig Jahre gibt. So lange ist Grühsem an der Seite von Winterkorn. Und er bleibt es voraussichtlich bis 2018, der Vertrag seines Chefs ist gerade bis dahin verlängert worden. Winterkorn strahlte bei seinem Auftritt zur Preisverleihung denn auch die Gelassenheit und Souveränität eines Gewinners aus.

„Damals“, sagte der Konzernchef zu den Anfängen mit Grühsem, „stand die Abkürzung PR noch für Partys und Reisen.“ Das sorgte für ein wohliges Gelächter unter den geladenen Gästen - darunter fast alle wichtigen Kommunikationschefs dieses Landes und etliche PR-Berater. „Ein gutes Produkt“, fuhr Winterkorn fort, „brauche keine Kommunikation, ist damals die Einstellung vieler gewesen.“

Grühsem habe ihn, den Schwaben und Ingenieur, aber schnell den Wert von Kommunikation gelehrt. Und heute gehe es nicht mehr nur um das Produkt, sondern um die Menschen dahinter. „Kommunikation ist ein hartes Geschäft“, sagte er in der lieblichen Atmosphäre eines Pfälzer Weinkellers, dem Keller des Verlagshauses, eingeklemmt zwischen Rhein und B9 auf der einen und einer Bahntrasse auf der anderen Seite.

Kommunikation sagte Winterkorn, sei ein Treiber des Wandels. Keiner außer den Kommunikationsfachleuten könne besser vermitteln, „was der Wandel der Gesellschaft für uns bedeutet“. Dazu gehöre „nicht nur Sachverstand, sondern auch der Mut, mal gegen den Strich zu bürsten“, fuhr Winterkorn fort. „Und eines können Sie mir glauben: Stephan Grühsem tut das gerne.“

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