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12.01.2010

20:02 Uhr

Wirtschaftskriminalität

Der Feind im eigenen Unternehmen

VonSonia Shinde

Viele Unternehmen fürchten, von eigenen Mitarbeitern betrogen oder ausspioniert zu werden, so eine aktuelle Studie von KPMG. Mittelständer sehen sich dagegen meist nicht gefährdet, dabei sehen Experten bei ihnen die höchsten Risiken. In den meisten Fällen bleiben die Unternehmen auf den Schäden sitzen.

Betrug, Datendiebstahl oder Korruption: Deutsche Unternehmen fürchten sich vor Wirtschaftskriminalität. dpa

Betrug, Datendiebstahl oder Korruption: Deutsche Unternehmen fürchten sich vor Wirtschaftskriminalität.

FRANKFURT. Die Gefahr kommt aus den eigenen Reihen: Da ist der Vertriebsmitarbeiter, der Rabatte für Kunden in die eigene Tasche steckt, der Entwicklungsingenieur, der Geld braucht und Geheimnisse an die Konkurrenz verkauft oder der Chefeinkäufer, der Lieferanten überhöhte Preise zahlt - gegen Bares versteht sich. Viele Unternehmen fürchten sich vor Betrug, Datendiebstahl oder Korruption. Das ist das Ergebnis der jüngsten Studie zum Thema Wirtschaftskriminalität der KPMG.

Dafür haben die Wirtschaftsprüfer 300 Unternehmen quer durch alle Branchen befragt. Rund 80 Prozent der Betriebe sehen hier "ein ernstes Problem". Jeder dritte gab an, selbst Opfer gewesen zu sein. Die größten Schäden demnach entstanden in den vergangenen drei Jahren durch Kartellverstöße (275 Mio. Euro), Geldwäsche (222 Mio. Euro) und Korruption (216 Mio. Euro). Das Bundeskriminalamt bezifferte 2008 den Schaden durch Wirtschaftskriminelle insgesamt auf rund 3,4 Mrd. Euro - viel zu wenig, glaubt KPMG-Chefermittler Frank Hülsberg.

Das Gros der Täter stellen mit 61 Prozent die Betrüger, gefolgt von Dieben mit 57 Prozent und Mitarbeitern, die Gelder veruntreuten (45 Prozent). Mehr als jedes zweite Unternehmen hat zudem Probleme mit der Internetkriminalität. Vor drei Jahren waren es noch halb so viele. Da würden Bankdaten abgefischt, fingierte Konten angelegt oder Waren verkauft, die gar nicht existierten, beschreibt Hülsberg.

Auch die Finanzkrise treibt die Kriminalität. Derzeit wachse die Neigung, Bilanzen zu fälschen, um die Lage des Unternehmens zu schönen, so der KPMG-Mann. Auf diese Weise entstand in den vergangenen drei Jahren ein Schaden von rund 200 Mio. Euro.

Vertrauensseligkeit im Mittelstand

Knapp die Hälfte der von KPMG befragten Unternehmen waren Mittelständler mit einem Umsatz von mindestens 50 Mio. Euro. "Gerade Mittelständler glauben, dass sie gut aufgestellt sind, aber das stimmt nicht", moniert Hülsberg. Das Problem: zu viel Vertrauen, zu wenig Kontrolle. Es fehlen häufig das Vier-Augen-Prinzip und die Rotation in sensiblen Positionen. Auch der Schutz von Betriebsgeheimnissen wurde vernachlässigt: In den letzten drei Jahren kostete Industriespionage die Unternehmen geschätzte 190 Mio. Euro.

Kommentare (1)

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Karin Schneider

11.02.2011, 12:19 Uhr

Unternehmen fürchten den Rufmord mehr als die Wirtschaftskriminalität. Fakt ist,dass Straftaten in den seltensten Fällen von den Unternehmensführungen angezeigt wird zumal ein öffentlicher Skandal weitaus größere Schäden anrichten. Daher sollte auch der Umgang mit Sicherheits-und Ermittlungsmaßnahmen im Zuge des Krisenmanagement neu überdacht werden. Diskrete Problemlösungen bevor Skandale und Affären entstehen
ohne das viel staub aufgewirbelt wird. Die Kosten sind wesentlich geringer als die Folgeschäden.

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