Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.10.2015

13:27 Uhr

Wirtschaftsprüfer PwC & Co.

Die Ruhe vor dem Sturm

VonBert Fröndhoff

Der Markt der Wirtschaftsprüfer wird in den nächsten Jahren kräftig durchgeschüttelt. Anbieter wie Deloitte und PwC rüsten schon jetzt mit hohen Investitionen. PwC baut dazu sein Geschäft in Deutschland tiefgreifend um.

Hier macht der Wirtschaftsprüfer PwC künftig Platz. Imago

Tower 185 in Frankfurt

Hier macht der Wirtschaftsprüfer PwC künftig Platz.

FrankfurtDie großen deutschen Wirtschaftsprüfer rüsten sich für die Revolution der Branche. In den nächsten acht Jahren werden alle deutschen börsennotierten Firmen ihren Abschlussprüfer wechseln müssen – so sieht es eine EU-Regelung vor. Die Fristen dafür sind unterschiedlich: Wer seit mehr als 20 Jahren denselben Prüfer hat, muss spätestens 2020 den Dienstleister wechseln. Doch der Kampf um die Mandate ist in der Branche bereits jetzt in vollem Gange. Viele Firmen wollen schon früher wechseln und führen Gespräche mit den Prüfern.

Vom kleinsten Anbieter der Big Four, der Prüfungsgesellschaft Deloitte, kommt eine Kampfansage: „Wir wollen drei bis fünf Abschlussmandate im Dax-30 gewinnen“, sagte Deloitte-Deutschlandchef Martin Plendl in Frankfurt. Bislang prüft die Firma in Deutschlands erster Börsenliga nur K+S . Im Kreis der Dax-160-Firmen soll der Anteil von derzeit elf auf 20 Prozent steigen.

McKinsey-Manager Cornelius Baur: „Digitalisierung ist eine Revolution in Lichtgeschwindigkeit“

McKinsey-Manager Cornelius Baur

Premium „Digitalisierung ist eine Revolution in Lichtgeschwindigkeit“

Noch immer gilt McKinsey als geheimnisumwitterte Beratertruppe. Deutschland-Chef Cornelius Baur spricht im Interview über digitale Herausforderungen, die Flüchtlingsfrage und den Wandel von Deutschlands größter Beratung.

Die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz will Deloitte in Deutschland spätestens im Jahr 2020 deutlich überschritten haben. Der größte Anbieter PwC prüft derzeit neun Dax-Konzerne und will diese Position ausbauen, wie Deutschlandchef Norbert Winkeljohann am Donnerstagabend sagte.

Seit Jahrzehnten ist der Markt für Abschlussprüfung bei den großen deutschen Konzernen unter den vier großen Anbietern KPMG, PwC, EY und Deloitte aufgeteilt und nahezu zementiert. Die EU will den Markt nun aufbrechen. Sie will die Qualität der Finanzinformationen stärken und der Abschlussprüfung durch diese Rotation stärken – so zumindest ist der gute Wille.

Angesichts der kommenden Rotationsplicht herrsche auf dem Prüfungsmarkt derzeit noch „Ruhe vor dem Sturm“, sagte Plendl. Deloitte investiere bereits kräftig in neue Kapazitäten in der Prüfung. Im vergangenen Jahr konnte die Firma einige neue Abschlussmandate hinzugewinnen – nicht bei den Dax-Firmen, sondern bei Stiftungen und Familienunternehmen. Hinzu kamen Sonderaufträge von Finanzdienstleistern.

Beides führte dazu, das Deloitte in seinem Geschäftsbereich Wirtschaftsprüfung den Umsatz um 15 Prozent auf 284 Millionen Euro steigern konnte. Bei PwC legte der Umsatz im klassischen Prüfungs-Geschäft im Geschäftsjahr 2014/15 (bis Ende Juni) nur leicht um 1,3 Prozent auf 684 Millionen Euro zu.

Die größten Wirtschaftskanzleien Deutschlands

Platz 10

Taylor Wessing

Umsatz 2014/15: 121,5 Millionen Euro (+ 2,0 Prozent)

Quelle: Juve Rechtsmarkt, Ausgabe 10/15

Platz 9

Allen & Overy

Umsatz 2014/15: 135,2 Millionen Euro (+9,0 Prozent)

Platz 8

Hogan Lovells

Umsatz 2014/15: 141,0 Millionen Euro (-7,1 Prozent)

Platz 7

Gleiss Lutz

Umsatz 2014/15: 172,0 Millionen Euro (+3,6 Prozent)

Platz 6

Noerr

Umsatz 2014/15: 177,9 Millionen Euro (+9,0 Prozent)

Platz 5

Linklaters

Umsatz 2014/15: 184,6 Millionen Euro (+3,7 Prozent)

Platz 4

Clifford Chance

Umsatz 2014/15: 188,0 Millionen Euro (-4,1 Prozent)

Platz 3

Hengeler Müller

Umsatz 2014/15: 205,1 Millionen Euro (-3,3 Prozent)

Platz 2

CMS Hasch Sigle

Umsatz 2014/15: 265,0 Millionen Euro (+5,6 Prozent)

Platz 1

Freshfields Bruckhaus Deringer

Umsatz 2014/15: 355,0 Millionen Euro (keine Veränderung)

Insgesamt stieg der Umsatz von Deloitte im Geschäftsjahr 2014/15 (bis Ende Mai) um 8,3 Prozent auf 790 Millionen Euro. PwC kam auf 1,65 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 6,3 Prozent. Die im vergangenen Jahr erworbene Strategieberatung Booz ist darin noch nicht eingerechnet. Beide Prüfungsgesellschaften setzen stark auf den Ausbau des Geschäfts mit Managementberatung. Denn dort ist noch wesentlich mehr Geschäft zu holen als in der Prüfung. Zudem sind die Margen größer.

Die Consultingsparte von Deloitte machte 2014/15 einen Umsatz von 229 Millionen Euro, rund 4,3 Prozent mehr. Für das laufende Geschäftsjahr plant Plendl in der Beratung mit einem Wachstum von 20 Prozent. PWC machte in der Managementberatung einen Umsatz von 464 Millionen Euro, zwölf Prozent mehr. 2015/16 wird es wesentlich mehr sein, weil dann erstmals die Strategieberatung Strategy& konsolidiert wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×