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19.07.2000

12:01 Uhr

Wissensmanagement sichert das Überleben

Wissen ist Macht – Vorsprung durch Wissensmanagement

VonUte Latzke

DÜSSELDORF. In der von Technologie und Information dominierten Gesellschaft ist Wissen zum alles entscheidenden Wettbewerbsfaktor avanciert. Das Rennen gewinnt nur derjenige, der die Flut von Informationen in für ihn entscheidendes Wissen umwandeln kann.

Die Zeiten haben sich geändert - eine Erkenntnis, gleichzeitig banal und bedeutsam: “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß” – sorglos geäußerte Maxime der Gleichgültigen und Ignoranten avanciert zum Credo „Was ich nicht weiß, macht mich nicht reich“ der Wissensgesellschaft. Schon der griechische Philosoph Platon wusste, dass er nichts weiß. Für Sir Isaac Newton verhielt sich die Menge unseres Wissen zum Nichtwissen so, wie ein Tropfen zum Ozean. Folgerichtig resümiert der englische Schriftsteller und Literaturkritiker Samuel Johnson: „Nach dem Wissen ist das nächstbeste zu wissen, wo man etwas findet.“ Und Benjamin Franklin bringt es auf den Punkt: „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“

Das Wissen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist, gilt einerseits für Unternehmen, die den verborgenen Schatz – das Wissen ihrer Mitarbeiter – bergen müssen. Aber auch für den Einzelnen, der täglich mit dem „Information-Overflow“ konfrontiert wird und diese zahlreichen Daten nur sinnvoll nutzen kann, wenn sich diese nach seinen Bedürfnissen und Kriterien filtern und in wertvolles Wissen umwandeln lassen. Die Welt schreit also nach Wissens- oder Knowledgemanagement – einer Möglichkeit, das Wissen in den Griff zu bekommen.

Was ist Wissen(-smanagement)?

Information ist nicht gleich Wissen. Die Aussage „Draußen beträgt die Temperatur 10 Grad unter Null“ ist lediglich eine Aussage. Zu Wissen wird diese Information erst, wenn man die Erfahrung gemacht hat, dass es bei zehn Grad unter Null sehr kalt ist und man sich deshalb warme Kleidung anziehen sollte. Wissen beruht auf Verstehen, das durch die Einordnung der Informationen in einen Zusammenhang oder Kontext erfolgt. Das Wissensmanagement wiederum umfasst die systematische Identifikation, Aufbereitung, Implementierung und Anwendung von Wissen.

Prinzipiell ist Wissensmanagement nichts Neues, denn schon seit Jahrhunderten vermitteln zum Beispiel Handwerkermeister ihr Können an ihre Lehrlinge und tauschen Berufstätige bei ihrer Arbeit Ideen und Know-how aus. Da die Bedeutung des "Produktionsfaktors" Wissen für den Erfolg von Unternehmen aber stark zugenommen hat, wird der Zwang größer, das Wissen im Unternehmen systematisch zu managen. Die zunehmende Vernetzung von Computern und die fortschreitende Informationstechnologie ermöglicht es darüber hinaus, Wissen als Information zu speichern, auszutauschen und gemeinsam zu nutzen.

Wie wichtig ist Wissensmanagement?

Beim Fraunhofer IAO (Institut Arbeitswirtschaft und Organisation) hat man die Erfahrung gemacht, dass die Unternehmen die Bedeutung von Knowledgemanagement für ihr Überleben erkannt haben. Der Bedarf, das Wissen in den Griff zu bekommen, ist sehr groß, wie eine Studie des Fraunhofer IAO belegt. Gründe für diese Nachfrage und Dringlichkeit seien unter anderem in den gewachsenen Internetauftritten oder Intranetangeboten und deren organisatorischer Ablaufstrukturen zu finden. In vielen Fällen sei ein kleiner Personenkreis, z.B. ein Webmaster, noch Dreh- und Angelpunkt für die Aufbereitung, Aktualisierung und Bereitstellung der Informationen im Web. In anderen Fällen arbeiten externe Dienstleister als verlängerter Arm der Marketingabteilungen, um dem Unternehmen einen attraktiven und dem Image angemessenen Internetauftritt zu verschaffen. Leider bilde die Ressource Mensch den entscheidenden Engpass, weshalb viele Änderungen und Neuerungen regelmäßig mit Zeitverzug online gehen.

Weiterer Motivator das Wissen zu managen, sei die wachsende strategische Relevanz des Internets beziehungsweise der Austausch von Content über das Internet. In vielen Unternehmen sei der eigene Auftritt lange aus dem Versuchsstadium entwachsen und bilde heute mit wertvollen Informationen den wichtigsten und schnellsten Kommunikationskanal zu Partnern und Kunden. Der Ausbau und die ständige Weiterentwicklung von interaktiven und funktionsreichen Web-Applikationen verbunden mit der Integration bestehender DV-Systeme sei längst zum erklärten Ziel der Geschäftsführung definiert worden, hat man beim Fraunhofer IAO festgestellt.

Erfahrungsaustausch tut not

„Auch die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) interessieren sich für Wissensmanagement und tragen sich mit dem Gedanken, es in ihr Unternehmen zu implementieren“, so Peter Ohlhausen vom IAO. Jedoch bestehe der Wunsch nach regem Austausch, da bei vielen Unternehmen bezüglich der Umsetzung von Wissensmanagement-Konzepten wenig Erfahrungen vorlägen. Deshalb fällt am 1. Oktober 2000 der Startschuss für ein neues WissensManagement-Centrum in Stuttgart. Ziel dieses Forums ist es, Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, ein auf ihre Erfordernisse zugeschnittenes Wissensmanagement in die betriebliche Praxis umzusetzen. Dabei unterstützen erfahrene Mitarbeiter des Fraunhofer IAO die Beteiligten in allen Phasen von der Konzeption bis hin zur unternehmensspezifischen Implementierung. „Im Vordergrund steht neben der praktischen Umsetzung des Wissensmanagements im Unternehmen die Schaffung einer Plattform für den intensiven Erfahrungsaustausch der am WissensManagement-Centrum beteiligten Firmen“, erläutert Ohlhausen.

Wissensmanagement bleibt akut

Auch Dr.-Ing. Wolfgang Sturz, Herausgeber der Zeitschrift wissensmanagement und Gründer des Übersetzungsunternehmens transline Deutschland GmbH und der doculine Verlags-Gruppe, misst dem Wissensmanagement große Bedeutung bei: „Ich bin überzeugt, dass sich das Thema Wissensmanagement im Gegensatz zu Reengineering, Lean Management und den vielen anderen Managementtheorien nicht totlaufen wird. Es wird höchstens einmal einen anderen Namen bekommen. Die Aufgabe, Wissen zu managen, also Informationen zu erfassen und so aufzubereiten, dass sie schnell und sinnvoll wieder verwertet werden können, wird die Herausforderung unseres noch jungen Jahrhunderts sein und bleiben.“

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