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29.01.2015

12:02 Uhr

Wladimir Klitschko beim Handelsblatt Deutschland Dinner

„Ich habe Boxen gehasst“

VonChristof Kerkmann

Er ist nicht nur im Ring ein Schwergewicht: Wladimir Klitschko arbeitet an seiner Karriere als Unternehmer. Der Sport war für ihn eine wichtige Schule – dabei mochte er das Boxen früher nicht. Schuld war Bruder Vitali.

Wortgefecht

Kampf und Kopf: Klitschko gegen Steingart

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HamburgSo mancher Profiboxer dürfte sich heute wünschen, dass sich die Gebrüder Klitschko früher nicht gerauft hätten. Wladimir musste in seiner Kindheit für den fünf Jahre älteren Vitali als unterlegener Sparringspartner herhalten. „Ich war der Sandsack, sozusagen“, erinnerte er sich Dienstagabend beim Handelsblatt Deutschland Dinner. „Ich habe Boxen gehasst.“

Das hielt den jüngeren Klitschko jedoch nicht davon ab, den Faustkampf zu erlernen: erst um sein Ego wieder aufzubauen, dann um als Sportler dem tristen Alltag in der Sowjetunion zu entfliehen, wie er im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart erzählte. Der Muskelprotz Arnold Schwarzenegger war eines seiner Vorbilder. Heute ist er selbst ein Hüne – und nicht nur der beste Boxer der Welt, der seine Gegner wie Sandsäcke bearbeitet, sondern auch ein Unternehmer, der bereits das Leben nach dem Sport plant. Faust plus Herz plus Kopf.

Die Klitschko-Brüder wuchsen in der Sowjetunion auf. „Alles war grau und schwarz, es gab keine Farben“, erinnert sich Wladimir. Zur Armut kam die Gleichmacherei. „Der Kommunismus war nicht wie in China heutzutage, alle hatten das Gleiche.“ Kleidung, Essen, Autos – wenn es überhaupt welche gab. Und als 1986 in Tschernobyl der Atomreaktor explodierte, erfuhr die Bevölkerung kaum etwas darüber. Dass etwas nicht stimmte, ahnte der zehnjährige Wladimir jedoch: Sein Vater, ein Armeeoffizier, koordinierte die Rettungsarbeiten in der heutigen Ukraine. 2011 starb er an den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung.

Der Sport eröffnete den Brüdern jedoch einen Ausweg. Vitali durfte 1989 als erfolgreicher Kickboxer in die USA reisen. Die bunten Farben auf den Bildern des Bruders, Coca-Cola und Kaugummi verhießen eine bessere Welt. „Dann habe ich überlegt: Wie komme ich raus?“, sagte Wladimir. Die Aussicht motivierte ihn, im Sportinternat noch härter zu arbeiten. Sein großes Talent dürfte dabei nicht geschadet haben. Nach erfolgreichen Jahren als Amateurboxer samt Olympia-Gold 1996 wechselte er ins lukrative Profigeschäft. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Trotz seiner imposanten Erfolgsstrecke will sich Klitschko aber nicht als besten Boxer aller Zeiten bezeichnen lassen. Der überragende Vertreter sei immer noch Ex-Champion Muhammad Ali. „Muhammad Ali ist "The Greatest" und das wird auch immer so in den Geschichtsbüchern stehen“, sagte der 38-Jährige. Der Amerikaner sei schließlich nicht nur Sportler gewesen: „Er war immer konsequent gegen den Krieg in Vietnam und hat zu seinen Überzeugungen gestanden.“ Ali verlor wegen Wehrdienstverweigerung zwischenzeitlich seine Boxlizenz und musste auch den WM-Titel abgeben.

Vor 300 Handelsblatt-Lesern zeigte der promovierte Sportwissenschaftler Klitschko, dass er auch einen veritablen Motivationstrainer hergibt. „Man muss immer weiterkommen, auch wenn man das Gefühl hat, dass es schwer ist“, beschrieb er seinen Antrieb. Auch wenn er mal keine Lust hat, zu trainieren. Disziplin sei für ihn der Schlüssel – hier könnten Manager viel von Sportlern lernen. Den Zuhörern riet er: „Wenn Sie an irgendwas fest glauben, und jeder in der Familie sagt: Tu es nicht – bitte hören Sie nicht drauf. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, folgen Sie Ihrem Herz.“

Über die wenigen Tiefschläge in seiner Karriere wollte der Superschwergewichtler nicht lange sprechen. Zur Erinnerung: Nachdem Lamon Brewster ihn 2004 ausgeknockt hatte, riet ihm selbst sein Bruder Vitali zum Rücktritt. Gut zehn Jahre später demonstriert Wladimir, dass er die Kunst des positiven Denkens beherrscht. Sein Mentaltrainer sage ihm, dass Niederlagen nicht existierten, erklärte der Boxer dem Handelsblatt-Herausgeber. „Deswegen frage ich dich: Wovon sprichst du?“

Der Knockout machte den jüngeren Klitschko indes zu dem Champion, der er heute ist. „Ich bin froh, dass ich diese Niederlage erlebt habe, erlitten habe“, sagte er. „Ich bin dadurch stärker geworden, mental, physisch und aus jeder Sicht. Ich bin an die Grenzen gegangen, ich weiß, wo die Grenzen sind.“ Rätselhafte Konditionsprobleme, wie er sie im Kampf gegen Brewster zeigte, hatte er danach nie wieder.

Kommentare (1)

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Herr Johnny Ringo

29.01.2015, 13:10 Uhr

Ich hasse diese Klitschkos.

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