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16.10.2016

08:59 Uhr

Wodka im Büro, Chef-Sorgen und Stehpinkler

Bücher für wehleidige Männer, missverstandene Chefs und schlaue Bewerber

VonCarina Kontio

Herbstzeit ist Bücherzeit – endlich wieder mehr Zeit zum gemütlichen lesen. Wir stellen Ihnen einige lohnenswerte Neuerscheinungen vor. Bücher, die zum Mitmachen einladen, die wütend machen und Bücher, die Türen öffnen.

Wir empfehlen Ihnen aktuelle Neuerscheinungen, bei denen Sie klüger und mutiger werden, fiese Fragen in Vorstellungsgesprächen entlarven und den digitalen Wandel mit links meistern können. Getty Images

Unsere Leseempfehlungen für Sie

Wir empfehlen Ihnen aktuelle Neuerscheinungen, bei denen Sie klüger und mutiger werden, fiese Fragen in Vorstellungsgesprächen entlarven und den digitalen Wandel mit links meistern können.

KölnDas einzig Gute daran, dass ich seit bald sieben Jahren ein Nomaden-Dasein als Pendlerin in überfüllten Regionalzügen zwischen Köln und Düsseldorf führe, sind die Bücher. Während für andere Kollegen der Arbeitsstress bereits beginnt, wenn der Wecker klingelt oder sie im Auto sitzen, sind die täglichen drei Stunden im Zug für mich ein zentraler Bestandteil meines Arbeitsalltags geworden. Ich lese (also bin ich!).

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Pro Woche schaffe ein bis zwei Bücher und ich muss sagen, dass mir diese Papiergefährten auf meinem täglichen Arbeitsweg einen wirklichen Mehrwert bieten. Kommt es etwa bei der Deutschen Bahn mal wieder zu technischen Problemen mit Wartezeiten und Verspätungen (auch darüber soll es ja schon Bücher geben), werde ich gar nicht erst nervös, denn ich habe ja immer ein gutes Buch dabei, über das ich dann hier für Sie schreiben darf. So wird aus einem längeren zeitaufwendigen Arbeitsweg – effektive Arbeitszeit. Stressig wird es bei mir erst später, wenn ich im Büro angekommen bin - aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Manche Empfehlung, die ich Ihnen hier präsentiere, mag übrigens vielleicht nicht ganz Ihr Geschmack sein. Nehmen Sie daher einfach das, was Sie gebrauchen können und lassen Sie den Rest weg. Und jetzt wünsche ich Ihnen eine angenehme Lektüre!

Ross McCammon: „Will noch jemand einen Wodka?“

Weder überragende Kompetenz noch unermüdlicher Einsatz führen im Berufsleben nach oben, sagt Ross McCammon und er ist einer, der es wissen muss. Der New Yorker hat selbst mal klein angefangen, ist seit 2005 Redakteur beim Esquire Magazine und leitet dort mittlerweile vier Ressorts. In seinem Buch „Will noch jemand einen Wodka? - So kommen Sie im Büro garantiert gut an“, das bei Goldmann erschienen ist, beschreibt der Autor klug und feinfühlig, welche Fähigkeiten im Berufsleben oft den kleinen Unterschied machen: der perfekte Händedruck, Regeln fürs Geschäftsessen, das richtige Lächeln, unterhaltsamer Smalltalk.

Anzeichen dafür, dass Sie ihre Rolle als Chef hinterfragen sollten

Kein Steuermann

Bei Meetings haben Sie immer öfter das Gefühl, als wären Sie Beobachter und nicht der Steuermann.

Ohne Power

Sie fühlen sich häufig ausgepowert und überfordert.

Schlecht delegiert

Wenn Sie Aufgaben delegiert haben, gibt es haufenweise Rückfragen und das Ergebnis verfehlt das Thema.

Warum ich?

Sie denken häufiger insgeheim: „Wieso muss ich das eigentlich machen, meine Leute können das genauso gut?“

Mitarbeiter schwächeln

Ihre Mitarbeiter denken nicht mit, zeigen Unsicherheit bei den einfachsten Aufgaben und fragen ständig um Rat, wenn sie Entscheidungen treffen sollen. Bedenklich ist auch, wenn Mitarbeiter Ihnen zustimmen, die Aufgabe aber ganz anders als gewünscht erledigen.

Quelle: „Als unser Kunde tot umfiel ...“, Timo Hinrichsen und Boris Palluch, Wien 2012

Mit der richtigen Dosis Humor erläutert Ross die unausgesprochenen Benimmregeln des Arbeitslebens, etwa: „Schweigen ist eine Tugend. Die am meisten unterschätzte Taktik am Arbeitsplatz besteht darin, nichts zu sagen.“ Oder: „Wenn Sie nicht neugierig sind, funktioniert Smalltalk nicht. Also seien Sie neugierig.“ Ein durchaus gelungenes Handbuch für Aufsteiger und alle, die es noch werden wollen.

Austin Kleon: „Show your work! 10 Wege, auf sich aufmerksam zu machen“

Noch ein kluger, frecher Amerikaner, den ich Ihnen ans Herz lege. Austin Kleon wirft in seinem kleinen Büchlein, das bei Mosaik erschienen ist, einen originellen Blick auf das Thema Eigenwerbung: „Show your work“, lautet sein Credo. Dazu muss man so präsent und interessant sein, dass andere die eigene Arbeit gar nicht ignorieren können (was übrigens nicht heißt, dass man das Internet für ein Tagebuch halten und dort alles preisgeben sollte.) Wie man gekonnt auf seine eigenen Ideen aufmerksam macht, demonstriert Kleon in zehn einfachen Regeln.

Wenn Sie jemand sind, der es eigentlich hasst, Werbung für sich selbst zu machen, dann ist dieses Buch genau das richtige für Sie. Und sagen Sie jetzt bitte nicht, Sie hätten keine Zeit dafür! Hören Sie auf Austin Kleon. Der sagt: „Die Zeit ist da - ich nehme sie mir einfach. Zeit schlummert an denselben Orten wie lose Münzen: in den Ecken und Ritzen. Sie steckt zwischen den großen Aufgaben – während der Zugfahrt, in der Mittagspause, in den knappen Stunden, wenn die Kinder endlich im Bett liegen. Vielleicht verpasst du so eine Folge deiner Lieblingsserie oder bekommst eine Stunde weniger Schlaf, aber du findest deine Zeit, wenn du nur danach suchst.“

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