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29.12.2015

10:59 Uhr

Wohlfühl-Klima im Büro

Was eine Feelgood-Managerin macht

Immer mehr Firmen legen Wert auf angenehmes Arbeiten. Ein Münchener Start-up hat jetzt eine Feelgood-Managerin angeheuert. Sie dekoriert, sie kocht, sie hört zu – und die Mitarbeiter fühlen sich wohl.

Eva Muhr ist dafür zuständig, dass sich die Mitarbeiter in der Firma wohlfühlen. Viele Firmen haben längst erkannt, wie wichtig zufriedene Beschäftigte sind. dpa

Feelgood-Managerin in Münchner Start-up

Eva Muhr ist dafür zuständig, dass sich die Mitarbeiter in der Firma wohlfühlen. Viele Firmen haben längst erkannt, wie wichtig zufriedene Beschäftigte sind.

MünchenKürzlich erst hat Eva Muhr Quiche für alle zubereitet, mit Birnen und Kürbis. Dieses Mal riecht es nach Hühnchen und Kartoffeln, auf einem Beistelltisch liegen frische Tomaten. die einst kargen Bürowände zieren geschmückte Äste.

„Ab sofort suchen wir auf Minijobbasis eine/n Feelgood-Manager (m/w)“, heißt es in einer Stellenanzeige, die das Münchner Start-up Adnymics vor rund einem Monat in Umlauf brachte. „Wir wollen die Wohlfühlatmosphäre in unserem Unternehmen ausbauen und unseren Horizont erweitern“, sagt die 28 Jahre alte Sprecherin der Firma, Cathrin Grolig.

Das junge Unternehmen ist spezialisiert auf die Erstellung von personalisierten, individualisierten Paketbeilagen. Mit Kaffeeecke, Sofas und Tischkicker sorgte die Firma schon früher für ein angenehmes Arbeiten. Nun ging sie einen Schritt weiter.

So finden Sie den Spaß im Job wieder!

Tipps vom Ex-Banker

"Keinen Bock mehr?" lautet der Titel des Buches von Klaus Schuster. Der ehemalige Vorstand einer internationalen Bankengruppe gibt Tipps, wie Sie wieder mehr Spaß bei der Arbeit haben. Das Buch ist gerade im Redline Verlag erschienen.

Bullshit-Jobs bekämpfen!

Sie müssen die gleiche Tätigkeit immer wieder erfüllen - ohne, dass sich ein Sinn ergibt: Sprechen Sie mit Ihrem Chef. Ist es zum Beispiel ein Statusbericht, greifen Sie auf den alten zurück und aktualisieren Sie lediglich die Daten. Wenn der Chef dahinterkommt, ist ein Gespräch immer noch möglich. Es ist die Entscheidung zwischen Kadavergehorsam und Emotional Leadership.

Seien Sie nicht die Spaß-Bremse!

Ein langer Konflikt im Vorstand eines Unternehmens. Alle Beteiligten schreiben einen Brandbrief, der zur Klärung auffordert und mit Streik droht. Beteiligen Sie sich daran.

Entscheidungsprozesse optimieren!

Wenn Arbeit keine Freude bereitet, dann liegt das oft daran, dass eine Entscheidung verschleppt wurde. Treffen Sie diese! Wenn Sie nicht zuständig sind, bringen Sie einen übergeordneten Entscheidungsträger auf Trab. Opfer haben wenig Spaß, Spaß haben die Gestalter.

Lassen Sie aus dem Spaß keine Sucht werden!

Kennen Sie den Unterschied? In vielen Führungsjobs gibt es die Gefahr, dass man es mit dem Spaß übertreibt, einfach zu viel davon haben will. Es gibt Gründe, wieso einige Manager zerrüttete Familien haben, Ehefrauen sich scheiden lassen, die Gesundheit leidet und die Kinder verhaltensauffällig sind. Wieso? Weil man sich selbst verarscht. Spaß muss gemanagt werden - bevor man eine Überdosis davon schnupft. Sonst nutzt er nicht.

Erfolg ist keine Sünde, man schämt sich nicht dafür!

Es eröffnet sich für Sie eine Chance, eine potentielle Erfolgsgelegenheit - hadern Sie nicht lange: Treffen Sie die Entscheidung. Sonst zieht sie an Ihnen vorbei. Es gilt: Du bist Manager! Du willst Erfolg! Und für Erfolg schämt man sicht nicht! Diese Imperative sollte man konsequent im Alltag beherzigen und verfolgen. Das ist Emotional Leadership.

Je mehr Offenheit, desto mehr Vertrauen!

Wenn man Ihnen mit beruflichem Misstrauen begegnet, versuchen Sie die Gründe zu finden und reagieren Sie darauf. Sprechen Sie die Person darauf an. Vielleicht können Sie den Spieß sonst umdrehen. Seien Sie in jedem Fall so offen wie möglich - das schafft Vertrauen!

Menschen haben keine Freude an Produkten, sondern an Problemlösungen!

Niemand braucht einen Hammer. Aber viele einen Nagel in der Wand. So weit der Leitspruch. Das sollte man auch im Geschäftsalltag beherzigen. Wenn es um den Verkauf geht zum Beispiel. Eine Schuhverkäuferin sollte es nicht darum gehen, um jeden Preis ein Paar zu verkaufen. Sondern als Emotional Leader auch dem Kunden ein gutes Gefühl mitgeben. Dann kommt er wieder.

Lernen Sie Ihre Präferenzen besser kennen!

Je besser Sie sich selbst kennen, desto mehr Spaß haben Sie an Leben und Arbeit. Es gibt verschiedene Typen: Exra- und Introvertierte, Kopf- und Bauchmenschen, Praktiker und Visionäre, Ordnungsliebende und Spontane. Wenn Sie wissen, welcher Typ Sie selbst sind, können Sie Ihre eigenen Entscheidungen besser einschätzen und wissen, wie Sie damit umgehen sollten.

Bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu!

Es geht um Mohrrüben: Chefetagen halten sie Managern gerne vor die Nase. Sie wollen den Mitarbeitern Anreize geben. Das führt oft dazu, dass man sich zu Falschem verleiten lässt und über das Ziel hinaus schießt. Vermeiden Sie Pyrrhus-Siege, lassen Sie sich nicht aufs Kreuz legen - bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu.

Spaß macht Erfolg!

Sich die Zähne putzen - ob man dabei Spaß hat oder nicht, das Ergebnis ist das gleiche. Anders ist es im Job. Den großen Durchbruch, Quantensprünge im Job dagegen, das ist viel leichter, wenn wir Freude an unserer Arbeit haben.

Freude ist ein Tool. Setzen Sie es verantwortungsvoll ein!

Natürlich ist Freude eine Emotion, aber auch ein Tool. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viel Spaß abgekommen, verhalten Sie sich wie ein Emotional Leader: Ziehen Sie sich selbst aus dem Verkehr und gehen Sie zum Beispiel für drei Tage in eine Therme. Sie sollten die Kontrolle über Ihren eigenen Spaß behalten.

Vertrauen ist Supermotivation!

Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen: Nicht den Dumpfbacken und Lemmingen, wohl aber den selbstständig denkenden und engagierten Kollegen. Setzen Sie mehr kontrolliertes Vertrauen in Ihre Leistungsträger. Als Lohn bekommen Sie Motivation, Engagement, Respekt, Loyalität und Leistung.

Auch als Kopfmensch können Sie Ihr Baugefühl aktivieren!

Zwei junge Leute kommen zu Reinhard, er ist im Vorstand einer Volksbank tätig. Als Bauchmensch will er ihnen eine Freude machen. Damit hilft er dem jungen Paar. Die sind so dankbar, dass sie bald darauf zu ihm kommen und ihr ganzes Geld mitbringen: Sie vertrauen ihm. Er soll alles anlegen. Die größte Freude ist das Vertrauen des Kundens. Es ist mehr wert als Preis, Qualität und Leistung. Deshalb versuchen Sie auch als Kopfmensch Ihr Baugefühl zu aktivieren.

Es zählen nicht nur Zahlen, Umsatz und Preis!

Notieren Sie die Liste mit fünf Kundennamen. Was fällt Ihnen, wenn Sie die Namen durchgehen, bei den Einzelnen auf Anhieb ein. Dem Emotional Leader fällt sofort ein, was dem jeweiligen Geschäftspartner am meisten Spaß im Leben oder im Business bringt. Das ist das Sesam-öffne-dich jeder Verhandlung.

Auf das Stellengesuch meldeten sich etwa 25 Bewerber, drei von ihnen stellten sich persönlich vor. Die Wahl fiel auf die 54 Jahre alte Eva Muhr. Zweimal pro Woche kauft sie seither für die Firma ein, kocht für die gesamte Belegschaft, bringt Farbe in die grauen Räume – oder hört ihren Kollegen einfach nur zu.

„Das ist genau das, was ich gerne mache: Ich tobe mich gerne in der Küche aus – und ich tobe mich gerne kreativ aus, mit Basteleien und Verschönerungen“, sagt Muhr, die zwei Söhne im Alter von 22 und 25 Jahren hat. „Und ich mag es, mich um Leute zu kümmern.“ Die studierte Landschaftsplanerin arbeitete in einem Obst- und Gemüsegeschäft, dann suchte sie eine neue Herausforderung. Schließlich wurde sie auf die Anzeige aufmerksam.

In ihrem Team kam die Wohlfühlbeauftragte sofort gut an. Benjamin Gosse aus dem Vertrieb bezeichnet sie als Puzzlestück und wichtigen Baustein. „Weil du dich nicht mehr kümmern musst: Muss die Küche saubergemacht werden? Oder: Geht die Milch wieder aus?“

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