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11.01.2007

19:43 Uhr

Wolfgang Bernhard im Profil

Porträt: Der harte Sanierer gibt auf

Der bei seinem Antritt als Chef der wichtigen Markengruppe Volkswagen vor zwei Jahren noch gefeierte Jungmanager gibt auf, weil die neue VW-Konzernstruktur für ihn mit einem Machtverlust verbunden wäre. Bernhard scheidet damit bereits zum zweiten Mal vorzeitig bei einem großen Automobilkonzern aus.

HB HAMBURG. Bei Daimler-Chrysler stand er kurz vor dem Sprung an die Spitze von Mercedes, musste 2004 dann aber seinen Hut nehmen. Bernhard hatte es gewagt, seinem Ziehvater Konzernchef Jürgen Schrempp zu widersprechen und bei Mercedes Sanierungsbedarf anzumelden. Dies stärkte Bernhards Ruf eines kompromisslosen Sanierers. Als solchen holte ihn der frühere VW-Chef Bernd Pischetsrieder Anfang 2005 zu Volkswagen, wo Bernhard schon bald auch als dessen möglicher Nachfolger gehandelt wurde.

In Wolfsburg begann Bernhard rasch mit seinen Aufräumarbeiten. Er schaffte es, das mittlere Management für seinen Kurs zu gewinnen. In Produktklausuren brachte er die an neuen Modellen beteiligten Abteilungen an einen Tisch und setzte so Einsparungen von mehreren Tausend Euro je Fahrzeug durch. Bis dahin hatte Doppelarbeit für hohe Kosten gesorgt. Ebenso verfuhr er mit den Zulieferern, denen er schmerzhafte Zugeständnisse abrang.

Am VW-Stammsitz im eher betulichen Wolfsburg wurde Bernhards Tempo von Anfang an als atemraubend empfunden. „Normal kann der gar nicht, der rennt immer“, charakterisierte ein Mitarbeiter den Arbeitsstil des heute 46-Jährigen.

Plädoyer für „echte Volkswagen“

Marathonläufer Bernhard prangert an, dass Volkswagen seine Autos viel zu teuer produziere. „Wenn wir die Kosten nicht senken, ist Ende mit Exportweltmeister. Wir aus Wolfsburg müssen Autos herstellen, die echte Volkswagen sind. Das heißt, durchschnittliche Bürger müssen sich dies Fahrzeug leisten können“, forderte der Wirtschaftsingenieur, der sich während des Studiums ein paar Mark mit Straßenmusik hinzuverdiente.

Mit seinem forschen Auftreten eckte Bernhard aber auch an. Arbeitnehmervertreter nahmen ihm übel, dass er mit der Verlagerung von Produktion beim Massenmodell Golf aus dem Stammwerk gedroht hatte, um die Belegschaft gefügig zu machen. Nach einem kurzen Schlagabtausch kamen beide Seiten aber zusammen. Volkswagen vereinbarte mit der mächtigen IG Metall einen Sanierungstarifvertrag, mit dem sich der Autobauer von der Vier-Tage-Woche verabschiedet.

Karriere im Eilschritt

Schon bei seinem früheren Arbeitgeber Daimler-Chrysler absolvierte der gebürtige Allgäuer seine Karriere im Eilschritt. Er leitete bereits früh den Produktionsanlauf der für Mercedes wichtigen S-Klasse, später brachte er die Tuning-Tochter AMG in Schwung. Danach sanierte er zusammen mit Dieter Zetsche die damals schon angeschlagene US-Tochter Chrysler. Die angebliche Freundschaft zum heutigen Daimler-Chrysler-Chef Zetsche aus Chrysler-Zeiten sorgte anfangs für Spekulationen, Bernhard könne Volkswagen wieder in Richtung Stuttgart verlassen. Das ist inzwischen wohl vom Tisch. Für einen Manager, für den es angeblich nie schnell genug in der Karriere gehen konnte, gilt ein zweimaliger vorzeitiger Abgang ohnehin nicht als Pluspunkt. Deshalb wird eher ein Wechsel in eine andere Branche vermutet.

So war Bernhard im Markt bereits als möglicher Tui-Sanierer ins Spiel gebracht worden. Tui-Sprecher Kuzey Esener wies dies am Donnerstag auf Nachfrage zurück: „Das ist absoluter Nonsens.“

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