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01.02.2011

15:36 Uhr

Wolfgang Dürheimer

Jagd auf die Vorschusslorbeeren

VonMark Christian Schneider

Als neuer Bentley- und Bugatti-Chef hat der ehemalige Porsche-Oberentwickler Wolfgang Dürheimer eine attraktive und fordernde Rolle als Reanimator zweier Traditionsmarken. Entscheidend wird sein, wie stark der 52-Jährige die Briten in die Konzerndisziplin einbauen kann.

Wolfgang Dürheimer (r.) und Vorgänger Franz-Josef Paefgen DAPD

Wolfgang Dürheimer (r.) und Vorgänger Franz-Josef Paefgen

HAMBURG. Der Patriarch von Volkswagen, Ferdinand Piëch, justiert die Steuerung seines wachsenden Autoreichs neu. Diesmal geht es um seine Schätze im Luxussegment: die britische Marke Bentley, die in Personalunion geführte Manufaktur Bugatti und die Entwicklungsabteilung des Familienerbes Porsche.

Und weil allein die Wiederbelebung der legendären Marken Bentley und Bugatti seit 1998 Milliarden verschlang, gibt Piëch sie nicht in irgendjemandes Hände: am heutigen Dienstag tritt in Wolfgang Dürheimer ein erfahrener Autoingenieur die Nachfolge von Franz-Josef Paefgen an, der sich mit 65 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Bei allen Vorschusslorbeeren wird Dürheimer der Patriarch im Nacken sitzen.

Als Dürheimers Meisterstück gilt neben dem Supersportwagen Carrera GT und dem Geländegänger Cayenne vor allem der Hybridflitzer 918 Spyder, den Porsche in einer Manufaktur in Zuffenhausen bauen will. Das Modell mit Elektro- und Verbrennungsmotor ist wichtig für die Zukunft der Marke: So musste Dürheimer erst seine Entwicklungsarbeit am 918 abschließen, bevor Porsches kampfeslustiger Betriebsratschef Uwe Hück ihn ziehen ließ.

Der 52-Jährige beerbt den ehemaligen Audi-Chef Paefgen, der Bentley und Bugatti 2002 übernommen und beide Marken zurück in den automobilen Olymp geführt hatte. Den jährlichen Absatz hatte Paefgen von wenigen 1 000 Autos pro Jahr bis zum Einbruch in der Krise auf gut 10 000 gesteigert.



Den Trend zu Luxusmodellen jenseits der 150 000 Euro sehen die VW-Strategen ungebrochen. Vor allem in China wächst die Nachfrage weiter. Doch automobile Spitzenleistungen dürfen selbst in Piëchs PS-Reich kein Selbstzweck sein, sondern sollen sich rechnen. Deshalb hat die Konzernführung Dürheimer zuvorderst mit auf den Weg gegeben, Bentley profitabel zu machen.

Damit das gelingt, muss er die Briten noch stärker in die Konzerndisziplin einbinden. Die neuen Flaggschiffe sollen auf einem Baukasten des Konzerns aufbauen, um Kosten zu sparen. Diesen sogenannten Standardbaukasten entwickelt Dürheimers bisheriges Team bei Porsche, das ihn mit minutenlangem Beifall verabschiedet hatte.

Ziel der Planspiele ist eine zweistellige Rendite im Luxussegment. Mit VW-Chef Martin Winterkorn verbindet Dürheimer ein unbedingter Perfektionismus, selbst in Detailfragen des Automobilbaus. In Paefgens Nachfolge verantwortet Dürheimer nun auch den Motorsport des Konzerns. Sein Freiraum ist aber enger gesteckt als der seines Vorgängers: Dürheimer muss umsetzen, was Wolfsburg strategisch vorgibt. Paefgen, in Nordengland zum britischen Gentleman gereift, agierte da noch eigenständiger.

Dürheimers bisherige Aufgabe als Chefentwickler von Porsche übernimmt mit Wolfgang Hatz ein Vertrauter des VW-Chefs. Winterkorn nennt Hatz einen "der besten Ingenieure, die wir haben". Er gilt als lebensfreudig und bodenständig. Seine Mission: Der 51-Jährige soll Porsches Komponenten wieder exzellent machen und Markenchef Matthias Müller helfen, Porsche in den VW-Konzern einzubinden.

Die Neujustierung zeigt: Die Verzahnung in Piëchs Reich geht voran.

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