Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2012

08:49 Uhr

Wolfgang Joop

„Bedauern und Melancholie sind mir nicht mehr fremd“

VonTanja Kewes

Manager sollen funktionieren wie Maschinen. Doch es gibt Faktoren, die sich einem rationalen Umgang entziehen. Wolfgang Joop, 67, über schöpferische Kräfte, die Kunst der Konzentration und die Panik vor dem Scheitern.

Der deutsche Modedesigner Wolfgang Joop auf einem Steg am Heiligen See in Potsdam. dpa

Der deutsche Modedesigner Wolfgang Joop auf einem Steg am Heiligen See in Potsdam.

Wer die Villa Wunderkind im feinen Potsdamer Quartier Berliner Vorstadt betritt, der ahnt schnell, dass hier ein Künstler wirkt. Das Haus, das zu Zeiten der sowjetischen Besatzungszone als britische Militärmission gedient hat, gleicht im Inneren teils einem Atelier, teils einem Museum: Fertige, aber auch noch im Prozess des Entstehens befindliche Skulpturen, großflächige Gemälde und Fotoserien, dazu Möbel und Porzellan aus verschiedensten Epochen, ausgestellt meist auf blankem Marmor, sorgen für eine gleichsam schöpferische, aber auch kühle Atmosphäre.

Pralles Leben hauchen dem herrschaftlichen Gebäude am Ufer des Heiliger Sees zunächst Charlotte und Gretchen ein, die in Gestalt eines Dalmatiners und eines Rhodesian Ridgebacks die Gäste umschwärmen - ehe der Hausherr dann endlich und plötzlich in der Tür steht: Wolfgang Joop (67), Maler, Bildhauer, Buchautor und - immer noch - auch Modedesigner.

Diese Profession hat ihn bekannt und wohlhabend gemacht. Und dass er sich weiter auch als großer Couturier sieht, daran lässt er keinen Zweifel. Während des dreistündigen Interviews und der Bildaufnahmen mit dem Handelsblatt wechselte er gleich dreimal sein Erscheinungsbild.

So treiben Sie Ihren Chef auf die Palme

Negativ-Argumente bei Gehaltsverhandlungen

Wer statt seines Gehalts den Blutdruck seines Chefs in die Höhe treiben will, der sollte folgende Negativargumente beherzigen. Alle anderen sollten lieber einen großen Bogen um solche und ähnliche Sätze bei der Gehaltsverhandlung machen.

„Die Raten für mein Häuschen drücken. Jetzt brauch ich mehr Geld!“

Ihr Chef ist kein Schuldenberater, also verschonen Sie ihn besser mit derart privaten Problemen. Außerdem bestätigt ein solches Eingeständnis, dass Sie nicht mit Geld umgehen können. Sie sind ein Risikofaktor für die Firma, die Gehaltserhöhung können Sie vergessen.

„Ich habe erfahren, was der Kollege Walter verdient. Jetzt will ich dasselbe!“

Sie wissen doch genau, dass Ihr Chef es nicht mag, wenn sich seine Angestellten hinter seinem Rücken gegenseitig zuflüstern, was sie verdienen. Er bezahlt nur nach Leistung, das ist sein Gerechtigkeitsbegriff.

„Ich habe zehnjähriges Dienstjubiläum. Höchste Zeit für eine Erhöhung!“

Die Forderung nach einem Sitzfleisch-Bonus wird bei Ihrem Chef auf taube Ohren stoßen.

„Sie haben die Wahl: Mehr Gehalt - oder ich bin weg!“

Mit dieser Art von Erpressung kommen Sie bei Ihrem Chef nicht weiter. Sogar wenn Sie ein guter Mitarbeiter sind und er Sie braucht, wird er nicht auf dieses Angebot eingehen, um sein Gesicht nicht zu verlieren. Er würde nie eingestehen, dass er von jemandem abhängig ist.

„Wo wir gerade in der Sauna sind: Eine dienstliche Frage...“

Ihr Chef wird die Vermischung von Privatem und Beruflichem nicht goutieren. Vielmehr wird er sich fragen, ob Sie sich nur bei ihm eingeschleimt haben, um Kapital daraus zu schlagen.

„Die Kollegen übertreffe ich bei weitem. Das sollte auch für mein Gehalt gelten!“

Ihr Chef wird sich fragen, warum Sie Ihre Kollegen schlecht machen. Er wird Sie auch für einen Sprücheklopfer und Spalter halten, dafür hat keiner eine Gehaltserhöhung bekommen.

„Entweder mehr Geld. Oder ich mache Dienst nach Vorschrift!“

Das klingt für Ihren Chef, als hätten Sie sich innerlich schon von Ihrem Arbeitsplatz verabschiedet. Dafür gibt es nicht mehr Geld, sondern höchstens eine Abmahnung.

„Ich könnte am Markt das Doppelte bekommen - oder sagen wir: ein Drittel mehr!“

Ihr Chef wird Ihnen Realitätsverlust attestieren und Ihnen unter keinen Umständen noch mehr Geld geben, sonst könnten Sie noch vollends abheben. Er wird sich fragen, ob Sie auch in Ihrem Büro-Alltag so leichtfertig mit Fakten umgehen. Sie hätten mit so einem Spruch sein Vertrauen verloren.

Er trägt, macht, braucht die Mode, weil ihm die Kunst allein zu langsam ist. Da fehle ihm schlicht der Druck und Zwang, morgens aufzustehen und, wie für eine neue Kollektion manchmal nötig, bis zum Abend neue Schnittmuster oder Farbkarten zu liefern. Am Donnerstag präsentierte er in Potsdam die neue Winterkollektion seiner Marke Wunderkind.

Handelsblatt: Herr Joop, haben Sie Ihren schöpferischen Höhepunkt eigentlich schon erreicht?

Wolfgang Joop: Eindeutig nein, der liegt noch vor mir, wenn mich die Demenz nicht packt. Denn ich werde immer präziser in meiner Vorstellungskraft. Auch die Erfahrung hat mich ausgebildet. Ich habe aus Fehlern gelernt und überblicke Proportionen und Balancen schneller und besser. Das beschleunigt das Gestalten ungemein. Und die Lust dazu ist ungebrochen. Aber um den Physiker Max Planck zu zitieren: ,Alles, was seine endgültige Größe erreicht hat, implodiert.'

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.05.2012, 12:40 Uhr

Ich-Bezogenheit und Darstellungs-Sucht.

FuckAssholesLikeSayTheTruth

27.05.2012, 12:46 Uhr

Wir brauchen in Deutschland viel mehr fähige Menschen wie Herrn Joop, und dafür viel weniger Versager, Abschaum und Verbrecher wie LaFontaine, Wagenknecht und Gabriel.

Sturmflut

27.05.2012, 13:08 Uhr

"Heute gibt es Hedge-Fonds und Private-Equity-Gruppen, die sich Profit und Risiko teilen wollen, die sich allein nichts trauen. Das ist, als würde ich mir neuen Zahnersatz teilen wollen. Die investieren sogar in ein Gemälde nur mit anderen und teilen es sich dann. Wo ist da noch der wirkliche unternehmerische Aspekt?"

Big!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×