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08.02.2016

17:18 Uhr

Wolfgang Reitzle bei Linde

Der Erfolgsgarant kehrt zurück

Wolfgang Reitzle kehrt zu Linde zurück. Der langjährige Chef des Industriegasekonzerns soll die Leitung des Aufsichtsrats übernehmen. Ein weiteres Amt gibt Reitzle dafür auf.

Der Manager soll neuer Aufsichtsratchef bei Linde werden. dpa

Wolfgang Reitzle

Der Manager soll neuer Aufsichtsratchef bei Linde werden.

MünchenDer langjährige Linde-Chef Wolfgang Reitzle soll seinem unter Druck geratenen Nachfolger Wolfgang Büchele auf die Finger schauen. Der engste Führungszirkel will den 66-Jährigen als Aufsichtsratschef zurück in den Münchner Industriegasekonzern holen, wie Linde am Montag mitteilte. Unmittelbar nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Abkühlphase von zwei Jahren solle die Hauptversammlung den ehemaligen Linde-Chef im Mai in das Kontrollgremium wählen, dessen Vorsitz er anschließend übernehmen solle.

Darauf verständigte sich der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Schneider, der seinen Platz räumen will, mit dem früheren Allianz-Boss Michael Diekmann und dem Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach. Die drei einflussreichen Manager bilden den Nominierungsausschuss des Linde-Aufsichtsrats und wollen diesem einen entsprechenden Wahlvorschlag für die Aktionäre unterbreiten, die sich am 3. Mai in München treffen.

Um Zeit für die neue Aufgabe zu haben, schmeißt Reitzle nach nicht einmal einem Jahr seinen Posten als Verwaltungsratspräsident beim Zementriesen LafargeHolcim hin.

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Wolfgang Reitzle wirkt stets wie der Über-Chef von Linde. Umso wichtiger ist, dass sich Aufsichtsrat und Vorstand über ihre Rollen im Klaren sind. Und vor allem braucht der Konzern eine neue Perspektive. Eine Analyse.

Reitzle war im Mai 2014 nach elf Jahren an der Spitze abgetreten. Mit einer makellosen Erfolgsbilanz: Unter seiner Führung hatte sich der Umsatz verdoppelt und der Gewinn versechsfacht. Reitzle galt viele Jahre als einer der erfolgreichsten Manager Deutschlands.

Nach dem Abschied bei Linde aus Altersgründen baute der bestens verdrahtete Reitzle die Zahl seiner Mandate in anderen Konzernen aus. Der mit der Fernseh-Moderatorin Nina Ruge verheiratete Manager ist Verwaltungsratschef des Zementriesen Lafarge-Holcim und Aufsichtsratschef des Autozulieferers Continental. Er sitzt auch in den Kontrollgremien des Medienkonzerns Axel Springer und des Weinhändlers Hawesko. Im August heuerte er bei der US-Investmentbank Perella Weinberg an. Auch als möglicher Aufsichtsratschef von Volkswagen war der frühere BMW-Vorstand Reitzle zeitweise im Gespräch.

Sein Nachfolger Wolfgang Büchele hatte zwar einen gut aufgestellten Konzern, aber keine leichte Aufgabe übernommen. Der frühere BASF -Manager, der den Linde-Chefposten im Mai 2014 von Reitzle übernommen hatte, enttäuschte die Anteilseigner wiederholt. Zuletzt kippte er im Herbst zum zweiten Mal binnen Jahresfrist seine mittelfristige Geschäftsprognose.

Unerwartet stark trafen den Konzern die weltweit lahmende Industriekonjunktur, schlechtere Preise im Medizingeschäft und die Folgen des niedrigen Ölpreises. Bereits ein Jahr zuvor hatte Büchele den bis 2017 geltenden Ausblick zusammengestrichen, den ihm Reitzle hinterlassen hatte. Seit Bücheles Amtsantritt ist der Aktienkurs von rund 150 Euro auf 120 Euro abgesackt.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Einer von Reitzles engsten Weggefährten kehrte bereits zum Jahreswechsel auf seinen früheren einflussreichen Posten bei Linde zurück: Harry Roegner, der Reitzle viele Jahre als Sprecher begleitet hatte, löste überraschend Bücheles Vertrauten Ulrich Porwollik als Kommunikationschef des Konzerns ab.

Wie zuvor Roegner verlässt nun auch Reitzle LafargeHolcim. Als Nachfolger beim Konzern aus Zürich ist sein gegenwärtiger Vize Beat Hess gesetzt. Der 1949 geborene Schweizer war zuvor unter anderem Chefjurist beim Elektrokonzern ABB und beim Ölmulti Shell.

Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass Reitzle sein Amt bei Lafarge-Holcim nach nicht einmal einem Jahr wieder abgibt. Der Deutsche trete auf der Generalversammlung im Mai nicht mehr zur Wahl an, teilte das Unternehmen mit. Als Nachfolger schlage der Konzern Reitzles gegenwärtigen Vize Beat Hess vor.

Der Rückzug kommt für den Konzern zur Unzeit. Lafarge-Holcim wurde im vergangenen Juli aus der Taufe gehoben, seither rumort es im Konzernhauptsitz in Zürich und die Aktie hat fast die Hälfte an Wert eingebüßt. Reitzle war maßgeblich daran beteiligt, dass die Fusion nicht scheiterte und wurde als Vertreter der ehemaligen Holcim-Eigner in der Spitze des neuen Unternehmens gesehen.

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