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08.02.2015

08:26 Uhr

Work-Drinking-Balance

Alkohol als Stress-Bewältigung

VonThorsten Giersch

Work-Drinking-Balance statt Work-Life-Balance: Alkohol dient gerade Managern als tagtäglicher Ausweg aus der Stresshölle. Das Trinken kann sogar karrierefördernd sein. Doch die langfristigen Folgen werden verniedlicht.

Alkoholsucht bleibt ein Leben lang ein Begleiter. dpa

Alkoholsucht bleibt ein Leben lang ein Begleiter.

DüsseldorfNur selten erfährt man, wie derjenige Tag im Leben eines Trinkers ist, an dem er der Droge abschwört. Wie es zu dem Moment kommt, dem Alkohol zu entsagen. Abschied zu nehmen „von der großen Liebe meines Lebens“. So bezeichnet Daniel Schreiber den Stoff, der ihm unzählige schöne Momente brachte, ihm aber vorübergehend auch die Kontrolle über sein Leben nahm. An diesem Tag, auf der Pferderennbahn in Berlin-Hoppegarten, erkannte er, dass da durch Alkohol „nichts mehr kommen konnte“. Dass dieser Tag an diesem Ort ein schöner Zeitpunkt wäre, um Abschied zu nehmen.

Diese Passage ist die Pointe des aufregenden kleinen Buches mit dem Titel „Nüchtern – über das Trinken und das Glück“. Daniel Schreiber – Journalist, Jahrgang 1977 – hatte zwar in seinen Trinkerjahren nicht den Ansprüchen eines Topmanagers gerecht zu werden, aber funktionieren musste er dennoch. Insofern sind seine Berichte und Vergleiche schon sehr ernst zu nehmen.

Der Autor erklärt unangenehm genau, welche Folgen der übertriebene Alkoholkonsum hat. Und zwar nicht nur die gesundheitlichen, die man auch in der „Apotheken-Umschau“ zu lesen bekommen. Und auch nicht nur die „Spitze des Eisbergs“, also das Trinker oft unberechenbar, gereizt und überkompensierend sind. Sondern auch, dass das Trinken den beruflichen Aufstieg durchaus erleichtern kann – eine Zeit lang zumindest.

Das Kontrollbedürfnis, die Selbstüberschätzung und das laxe Verhältnis zur Wahrheit können vorübergehend karrierefördernd wirken. „Die Verbindung zwischen Arbeit und Trinken ist enger, als viele von uns meinen“, schreibt der Autor. Dabei gelte das Motto: Work hard, play hard. Also auf Deutsch: Wer arbeiten kann, der kann auch feiern. Wenn es schon mit der Work-Life-Balance nicht funktioniert, dann muss wenigstens eine Work-Drinking-Balance her.

Die größten fünf Weinhändler

1. Hawesko

Die Hawesko Holding AG mit Sitz in Hamburg  ist einer der größten Weinhändler Europas. Die Aktie ist im SDax gelistet. Bedeutend sind drei Vertriebswege:  Das Hanseatische Wein- und Sekt-Kontor (Hawesko) ist Deutschlands führender Weinversandhändler und erzielte 2011 per Katalog und Internet einen Umsatz von 94 Millionen Euro. Jacques' Wein-Depot  ist der größte inländische Weinfacheinzelhändler und Wein Wolf, CWD Champagner- und Wein-Distributionsgesellschaft sind führende Weingroßhändler. Insgesamt erzielte der Hawesko-Konzern 2012 über diese drei Vertriebswege mit 847 Mitarbeitern einen Umsatz von 449 Millionen Euro.

Quelle: Macrom-Studie und eigene Recherche

2. Wein und Vinos

Wein & Vinos ist der größte Online-Fachhändler für qualitativ hochwertige spanische Weine in Deutschland. 2011 erzielte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 20 Millionen Euro. Als Berliner Unternehmen hat es eine starke Präsenz in der Hauptstadt mit sechs Filialen. Dazu kommt eine Filiale in München. Ende 2011 hat Hawesko Wein und Vinos übernommen.

3. Delinat

Delinat ist ein Schweizer Versandhandelsunternehmen, das insbesondere auf den Vertrieb von europäischen Weinen aus kontrolliert biologischem Anbau spezialisiert ist. Im Jahr 1991 erweiterte sich das Unternehmen um die auf den deutschen Markt ausgerichtete Tochter Delinat GmbH mit Sitz in Weil am Rhein. In den Märkten Schweiz, Deutschland und Österreich verkauft Delinat nach eigenen Angaben mittlerweile jährlich über drei Millionen Flaschen Wein.

4. Tesdorpf

Die Firma Carl Tesdorpf in Lübeck ist Deutschlands älteste Weinhandlung. Sie wurde 1678 von dem späteren Lübecker Bürgermeister Peter Hinrich Tesdorpf in Lübeck gegründet und ist seither bekannt für den Import hochwertiger Weine aus dem Bordelais und aus Burgund. Daneben werden französische Rotweine seit altersher zu Lübecker Rotspon verschnitten. Die Firma gehört heute zur SDax-notierten Unternehmensgruppe Hawesko, wird aber immer noch von einem Abkömmling des Gründers geführt.

5. Ebrosia

Das Unternehmen wurde nach eigenen Angaben 1997 in der heimischen Garage gegründet und entwickelte sich als einer der ersten Internethändler Deutschlands. Weiterhin gibt es auch den Ebrosia-Katalog, der einmal im Jahr mit den besten Empfehlungen des Sommeliers erscheint. Bei Ebrosia bietet ein Sortiment von rund 1.000 Weinen aus aller Welt mit dem Schwerpunkt Italien, Frankreich und Deutschland sowie Weine aus der sogenannten Neuen Welt wie zum Beispiel aus Südafrika, Australien oder Neuseeland.

Schreiber hat die Erfahrung gemacht, dass gerade in Deutschland der „funktionierende Alkoholiker“ von seinem Team mitgetragen wird: „Er kann sich gut verstecken und sieht sich oft noch nicht einmal der Notwendigkeit ausgesetzt, sein Verhalten als ein Problem anzuerkennen.“ Der Zustand des Rausches sei keinesfalls das Wesentliche, dass die Menschen suchen: „Es hält die Phantasien des Egos aufrecht“, sagt Schreiber. Trinken helfe dabei, die Realität so weit auszublenden, dass man sie ihr ohne größere Schwierigkeiten anpassen könne. Oder anders gesagt: „Die meisten Menschen trinken, um sich zu entspannen.“

Entsprechend sei Stresstrinken nicht die Ausnahme, sondern die Regel des gängigen Trinkverhaltens. Entsprechend unangenehm ist, dass das Abhängigkeitspotenzial von Alkohol erheblich steigt, wenn er als Mittel zu Stressreduktion verwendet wird. Wenn der berufliche Erfolg immer mehr darüber entscheidet, wie viel Anerkennung man als Mensch bekommt, dann hilft Trinken bisweilen entscheidend, um die eigenen Ängste an den Rand des Bewusstseins zu schieben.

So hat es Schreiber auch nicht verwundert, dass fast alle abstinent gewordenen Künstler, Musiker und Autoren in seinem Umfeld in erhebliche Schaffenskrisen stolperten, als sie mit dem Trinken aufhörten. Jedoch arbeiteten sie sich auch alle aus diesen heraus und erreichten nach ein paar Monaten eine Ebene, „die sie nicht für möglich gehalten hätten“.

Kommentare (1)

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Herr D. Dino54

09.02.2015, 09:11 Uhr

Krank, einfach nur krank unsere Arbeitswelt.
Betrifft nicht nur Manager. Quer durchs Gefüge !!!
Wer sich in seinem Umfeld interessiert umsieht, hört und erkennt nach kurzer Zeit, das die Ursachen dafür beschämend sind.
Dank der kranken Lobby-Politik !

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