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27.09.2014

17:14 Uhr

Work-Life-Balance

Elternzeit ist eine Frage des Geldes

Väter wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder. Doch in der Realität haben sie die selten – nur wenige Väter nehmen mehr als zwei Monate Elternzeit oder nutzen Teilzeitmodelle. Chefs müssen umdenken, fordern Experten.

Väter haben Angst vor einem Karriereknick: So gaben in einer Studie von A.T. Kearney mehr als ein Viertel der befragten Väter an, sie hätten kein Vertrauen, mit ihrem Arbeitgeber über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sprechen. dpa

Väter haben Angst vor einem Karriereknick: So gaben in einer Studie von A.T. Kearney mehr als ein Viertel der befragten Väter an, sie hätten kein Vertrauen, mit ihrem Arbeitgeber über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sprechen.

München/FrankfurtDer Spagat zwischen Beruf und Familie stellt auch viele Väter vor Probleme. Sie wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und an der Erziehung teilhaben - aber nur wenige gönnen sich mehr als die zwei „Partnermonate“ der Elternzeit.

Ihre Rolle als Familienernährer haben die meisten Väter nämlich noch nicht abstreifen können. Hinzu kommt die Sorge, dass eine längere Aus- oder Teilzeit beim Chef oft nicht gut ankommt. Dabei sollten Führungskräfte ihren Mitarbeitern lieber Mut machen, rät Martin Sonnenschein von der Unternehmensberatung A.T. Kearney: „Elternzeit sollte ein Karriere-Turbo sein.“

Die Wirklichkeit sieht aber häufig noch anders aus. So gaben in einer Studie von A.T. Kearney mehr als ein Viertel der befragten Väter an, sie hätten kein Vertrauen, mit ihrem Arbeitgeber über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sprechen.

Umgekehrt glaubt nur gut ein Drittel der Männer, das Thema sei im eigenen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn es zahlreiche Programme gebe und viel Geld ausgegeben werde - entscheidend sei, dass Familienfreundlichkeit auch wirklich fest in der Unternehmenskultur verankert wird, sagt Sonnenschein.

Als Vorbild sieht er beispielsweise den Technikkonzern Bosch, der seinen Mitarbeitern Familienzeiten als Karrierepunkte anrechnet. Ein ähnliches Modell hat auch der Automobilzulieferer ZF in Friedrichshafen. Beim Elektrokonzern Siemens wird die Elternzeit auch von Vätern rege genutzt: 3277 Mitarbeiter gingen dort im vergangenen Geschäftsjahr in Elternzeit, davon 71 Prozent Männer.

„Wir stehen am Anfang eines guten Weges“, sagt deshalb Iris Becker, Ressortleiterin für Frauen- und Gleichstellungspolitik beim Vorstand der IG Metall. Auch mit anderen Bausteinen wie familienfreundlichen Sitzungsterminen oder Arbeitsmöglichkeiten von zu Hause aus könnten Firmen ihren Mitarbeitern entgegenkommen. Es gelte, die lange eingeschliffene „Verfügbarkeitskultur“ aufzubrechen, erklärt Becker.

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