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03.01.2014

10:52 Uhr

Xiaomi-Gründer Lei Jun

Der Traum des chinesischen Steve Jobs

VonFinn Mayer-Kuckuk

Apple-Gründer Jobs ist das Vorbild von Lei Jun. Doch jetzt lernt der Gründer des chinesischen Smartphone-Herstellers Xiaomi langsam, zu sich selbst zu stehen. Seine großspurigen Ankündigungen sind ernst zu nehmen.

„Ich habe nie platt Steve Jobs nachgeahmt“, sagt Lei Jun, der Chef des Handyherstellers Xiaomi. „Wer einfach nur nachahmt, hat keine Zukunft.“ Imago

„Ich habe nie platt Steve Jobs nachgeahmt“, sagt Lei Jun, der Chef des Handyherstellers Xiaomi. „Wer einfach nur nachahmt, hat keine Zukunft.“

PekingSeine Ankündigungen klingen immer etwas größenwahnsinnig, doch sie haben durchaus Methode – schließlich lösen sie meist ein riesiges Medienecho aus. Der chinesische Entrepreneur Lei Jun gibt sich indessen locker und cool, ganz so wie sein größtes Vorbild Steve Jobs es gemacht hätte.
Das gilt auch für seinen Vorsatz fürs neue Jahr 2014: „Wir wollen den Absatz diesmal glatt verdoppeln“, sagte der Chef des Handyherstellers Xiaomi am Tag nach Neujahr. Bei 40 Millionen verkauften Mobiltelefonen würde der Marktneuling sogar den Elektro-Giganten Samsung angreifen, der bisher Chinas Handyläden dominiert.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Der Smartphone-Markt wuchs 2013 rasant: Die Hersteller setzten laut dem Marktforscher Gartner 968 Millionen Geräte ab, ein Plus von 42,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verkauften die Unternehmen 1,8 Milliarden Mobiltelefone, also erstmals mehr Smartphones als einfache Handys.

Samsung

Nach Stückzahlen ist inzwischen Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Gartner 300 Millionen Computer-Handys. Damit kam fast jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung, wobei der Marktanteil leicht sank. Insgesamt setzte der Konzern 444 Millionen Handys ab.

Apple

Apple war 2013 mit knapp 151 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei im Smartphone-Markt, der Marktanteil rutschte jedoch auf 15,6 Prozent ab.

LG

Fast gleichauf mit Huawei war LG Electronics. Der südkoreanische Hersteller verkaufte rund 46 Millionen Smartphones und verdoppelte fast damit den Absatz, der Markanteil liegt nun bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 69 Millionen Geräte (3,8 Prozent Marktanteil).

Lenovo

Lenovo ist bislang vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte 2013 knapp 44 Millionen Smartphones (4,5 Prozent Marktanteil). Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern aber den Absatz künftig deutlich steigern.

ZTE

ZTE verkaufte im zweiten Quartal 10,1 Millionen Smartphones, ein deutliches Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei 4,2 Prozent. Insgesamt setzte der chinesische Hersteller 15,3 Millionen Handys ab.

Nokia

Nokia war 2013 mit 250 Millionen Geräten und 13,9 Prozent Marktanteil immer noch der zweitgrößte Handyhersteller, verlor aber weiter an Boden. Im lukrativen Smartphone-Markt läuft das Unternehmen unter „ferner liefen“. Die Gerätesparte übernimmt Microsoft.

Sonstige

Viele Unternehmen mit klangvollen Namen haben derzeit weniger als 4 Prozent Marktanteil, darunter Sony, HTC und Blackberry.

Die Ankündigung ist aber nicht aus der Luft gegriffen, sondern völlig ernst zu nehmen. Im abgelaufenen Jahr hat Xiaomi seinen Umsatz um 150 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro gesteigert und damit die eigenen Prognosen weit hinter sich gelassen. Leis Traum: Das Unternehmen soll einmal so groß und wichtig werden wie Apple. Den Rivalen Samsung will er dabei nebenbei ebenfalls in den Schatten stellen.

Auch wenn der Abstand noch groß ist, so geben Lei seine bisherigen Erfolge Recht. Im Herbstquartal hat das Unternehmen mit den Hasen-Logo in China sogar bereits Geräte abgesetzt als Apple. Das ist auch global gesehen durchaus wichtig, denn das Reich der Mitte ist der größte Handymarkt der Welt. Verblüffend daran: Lei hat die ersten Handys der Marke Xiaomi erst 2012 auf den Markt gebracht. Den Milliardenumsatz hat Lei mit dem Startup praktisch aus dem Stand geschafft.

Vermutlich hat es ihm dabei geholfen, dass er eine klare Richtung hatte. Leis Kompass ist Steve Jobs. Als junger Student hat Lei schon 1987 eine Biographie des inzwischen verstorbenen Apple-Gründers gelesen. Das war sogar noch, bevor Jobs mit iPhone und iPad seine größten Erfolge gefeiert hat. Lei war schon damals ein Träumer. „Auch später hatte er noch eine Neigung zu Gelehrsamkeit und Theorien“, sagt Liu Xiaohui, der bei seinen ersten Karriereschritten bei dem Softwareanbieter Kingsoft mit Lei zusammengearbeitet hat. Doch Lei ist zugleich einer, der seine Träume der Realität aufzwingen kann.

Auch heute noch hat Lei einen Tunnelblick auf die Realität – was ihm aber durchaus zu nützen scheint. Zu den Zielen des 44-jährigen gehört es erklärtermaßen, einmal ein Marken-Image aufzubauen wie Apple. „Es mag verrückt klingen, aber warum sollte ich nicht hoch zielen?“, fragte er. Damit hat er die Messlatte so hoch gehängt, wie sie in der Wirtschaftswelt nur hängen kann. Apple ist immer noch hundertmal größer als Xiaomi. Das US-Unternehmen macht 170 Milliarden Dollar Umsatz.

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