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02.09.2015

08:42 Uhr

Yahoo-Chefin Mayer erwartet Zwillinge

Der Tag der Edel-Mommys

VonAxel Postinett, Astrid Dörner

Yahoo-Chefin Marissa Mayer bekommt Zwillinge und das Silicon Valley ist aus dem Häuschen. Doch beginnt mit der Schwangerschafts-Nachricht für Millionen Frauen in den USA oft der soziale Abstieg.

Für Nobel-Mütter wie Yahoo-Chefin Marissa Mayer ist eine Schwangerschaft finanziell kein Problem. ap

Marissa Mayer

Für Nobel-Mütter wie Yahoo-Chefin Marissa Mayer ist eine Schwangerschaft finanziell kein Problem.

San Francisco/New YorkWas haben Papua Neuguinea und die USA gemeinsam? Sie sind laut Vereinten Nationen die einzigen Staaten der Welt, die Müttern keinen einzigen Tag bezahlten Mutterschaftsurlaub garantieren. Nicht nur Comedy-Stars wie John Oliver ätzen gegen die mütterfeindliche US-Gesellschaft mit ihrer gleichzeitig unfassbar peinlichen kommerziellen Ausbeutung des „Muttertags“. Auch Präsident Barack Obama hat die Lage der Mütter in den USA mehr als einmal scharf kritisiert. Aber geändert hat er nichts.

In der größten Volkswirtschaft der Welt gibt es maximal zwölf Wochen unbezahlten Urlaub, aber auch nur, wenn es sich um Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern handelt und strikte Bedingungen erfüllt werden. Frauen in kleinen Unternehmen und Teilzeitkräfte gehen im reichsten Land der Erde leer aus. Einzige Ausnahmen: Kalifornien, Rhode Island und New Jersey.

In der Wirtschaft selbst gehen nur wenige Unternehmen mit gutem Beispiel voran. So wie die Investmentgesellschaft KKR, die ihren jungen Müttern ein Kindermädchen mit auf die Geschäftsreise schickt und bezahlt. Video-Online-Pionier Netflix gewährt bis zu einem Jahr bezahlten Urlaub und das soziale Netzwerk Facebook gibt wenigsten 4000 Dollar „Baby-Prämie“. Auch bei Yahoo gibt es bis zu 16 Wochen Mutterurlaub und Geld für Kinderkleidung und Ähnliches. Grundsätzlich gilt: Je höher die Position und je mehr in die Frau „investiert“ wurde, desto größer die Chance, dass es Hilfe gibt. Eine reine Kosten-Nutzenrechnung.

Die Vita von Marissa Mayer

Geburt

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Washington geboren.

Studium

Mayer studierte Informatik an der Stanford University. Nach dem Studium begann sie ihre Karriere beim Research Lab der Großbank UBS in der Schweiz.

Ihre Zeit bei Google

Anfang 1999 fing Mayer bei Google an. Dort wurde sie als Technikerin eingestellt und leitete das für die Webserver verantwortliche Team. Später war Mayer für die Erstellung neuer Google-Produkte zuständig. 2008 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt gezählt.

Ehrendoktorwürde

2009 erhielt Mayer vom Institute of Technology aus Illinois die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Programmierung.

Der Wechsel zu Yahoo

Am 16. Juli 2012 wechselte Mayer von Google zum Konkurrenten Yahoo. Dort wurde sie zur Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt.

Sanierungsprogramm

Beim kriselnden Internetriesen Yahoo startete Mayer sofort ein Sanierungsprogramm. Als erstes wurde im Februar 2013 das Home-Office abgeschafft. „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit,
die nur in unseren Büros möglich ist,“ erklärte sie damals.

Einkünfte

Der Job bei Yahoo zahlt sich für Mayer aus. Ihr Gehalt im ersten halben Jahr bei Yahoo betrug fast 37 Millionen US-Dollar. Ihr Privatvermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Privatleben

Mayer, die nach einer mehrjährigen Beziehung mit Google-Gründer Larry Page den Investmentbanker Zachary Bogue heiratete, brachte Anfang Oktober 2012 ihr erstes Kind, einen Jungen, zur Welt.

Ansonsten ist die Ankunft eines oder gar zwei neuer US-Bürger eine massive Bürde für jede Familie. Die zusätzlichen Kosten, das fängt bei der Vorsorge und Entbindung an. Im Landesdurchschnitt sind das bei einer Krankenhausgeburt ohne jede Komplikation zwischen 9000 und 11.000 Dollar. Ein Kaiserschnitt mit Komplikationen erreicht laut U.S. Agency for Healthcare Research and Quality schnell eine Rechnung von 23.000 Dollar oder mehr. Viele Versicherungen übernehmen davon nichts oder wenig. Eine Schwangerschaft ist ja keine „Krankheit“.

Solche Ausgaben stürzen selbst Mittelstandsfamilien schnell ins finanzielle Chaos. Vor allem, wenn ein Einkommen wegfällt, die Hypotheken drücken oder unerwartete Komplikationen entstehen. „Wir haben die familienfeindlichsten Gesetze der entwickelten Welt“, kritisiert Jura-Professorin Joan Williams von der University of California, die bereits seit 25 Jahren die Debatte über Mütter am Arbeitsplatz mit vorantreibt. „In den USA ist die vorherrschende Meinung, dass Kinderkriegen ein rein privates Vergnügen ist.“

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In den USA müssen Frauen oft bis zum Tag der Geburt arbeiten – und danach schnell wieder einsteigen, um ihren Job nicht zu gefährden. Nur wenige Firmen gehen mit gutem Beispiel voran. Eine Revolution gab es bei Netflix.

Für die Nobel-Mütter wie Yahoo-Chefin Marissa Mayer oder Sheryl Sandberg von Facebook ist das allerdings kein Problem. Für sie bleiben die Probleme beschränkt auf die tatsächlichen physischen und psychischen Risiken einer Geburt, die alle Frauen dieser Welt gleichermaßen teilen.

Wenn man davon absieht, dass die einen die besten Krankenhäuser des Landes besuchen und andere nur die Notfallaufnahme, wenn es gar nicht mehr anders geht. Die Krankenhäuser müssen Notfälle annehmen, auch wenn die Betroffenen nicht bezahlen können.

Marissa Mayer kann dagegen nicht nur auf ein beruhigendes, privates Milliardenvermögen zurückgreifen. Noch dazu macht sie sich ihre Regeln selbst: Während sie ihren Mitarbeitern - egal ob Mann oder Frau; gar werdenden Mütter - vor drei Jahren die Arbeit im Homeoffice untersagte, ließ sie sich ein eigenes Kinderzimmer neben ihr Chefinnen-Büro bauen. Damit hatte sie ihr Kind und Kindermädchen immer fest im Blick. Ein Vorgehen, das ihr, nicht unerwartet, viel Kritik eingebracht hat.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

02.09.2015, 09:12 Uhr

Die Dame hat vor Ihrer Schwangerschaft nicht performt, warum sollte das nun anders werden? Top ist die Dame nur in Sachen Eigenvermarktung, und da liegt auch sicher ihr Fokus in Zukunft, evt. Mutter-Kind-Story bei People o.ä.

Herr K. P.

02.09.2015, 09:32 Uhr

Wenn ich das schön höre/lese ! "der mögliche soziale Abstieg der Yahoo Chefin"
zig Millionen am Konto und dann vom sozialen Abstieg schreiben - mit so viel Geld steigt man nie ab ! da kann man nur sagen : "völlig die Bodenhaftung verloren" liebes Handelsblatt

Herr Fred Meisenkaiser

02.09.2015, 09:33 Uhr

Wie kann es auch sein, dass man den Gewinn des Unternehmens durch eine Schwangerschaft schmälert? Die Rendite ist mies, rechnet sich nie!
Ohne Kinder würden Frauen dem Unternehmen länger zur Verfügung stehen!

Wird Zeit das TTIP kommt, und diese Verhältnisse auch in Europa gelten.

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