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28.02.2013

10:57 Uhr

Yahoo verbietet Heimarbeit

„Die besten Erkenntnisse entstehen im Flur“

Die Entscheidung von Yahoo-Chefin Mayer, Mitarbeitern nicht mehr das Arbeiten von zu Hause zu gestatten, hat das Silicon Valley in Aufruhr versetzt. Der Finanzvorstand verteidigt den Führungsstil – wenn auch indirekt.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer während eines Fernsehauftritts. AP/dpa

Yahoo-Chefin Marissa Mayer während eines Fernsehauftritts.

DüsseldorfEs war ein Treffen vor Analysten, zu dem Yahoo-Finanzvorstand Ken Goldman am Mittwoch nach San Francisco reiste. Die Investoren interessierten sich vor allem für die Geschäftsentwicklung, doch es habe auch ein anderes Thema in der Luft gehangen, berichtet die Los Angeles Times: das Verbot der Heimarbeit, das Yahoo-Chefin Marissa Mayer jüngst verhängt hatte. Explizit ging Goldman zwar nicht darauf ein. Doch er lobte den Führungsstil Mayers, die im Herbst vergangenen Jahres vom Konkurrenten Google zu Yahoo gewechselt war.

„Leute wollen bei Yahoo arbeiten“, sagte Goldman. Diesen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung habe Mayer erreicht. Unter anderem hatte sie mit der Entscheidung, jeden Mitarbeiter mit einem iPhone auszustatten, für Aufsehen gesorgt. Auch schaffte sie es, die Aufmerksamkeit der Technologie-Branche auf das Unternehmen zu lenken, das einst zu den Ikonen der Branche gehörte, doch mit den Jahren Staub ansetzte und ins Hintertreffen gegenüber Google und Facebook geriet.

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Doch das Anfang der Woche bekannt gewordene Memo der Yahoo-Führungsetage droht an diesem Image zu rütteln, das Goldman aufrecht zu halten versuchte. Denn in deutlichen Worten hatte die 37-Jährige ankündigen lassen: Wer weiter einen Heimarbeitsplatz wolle, sei bei Yahoo nicht richtig aufgehoben. Mayer will die Kreativität im Büro fördern, die durch die Distanz zwischen vielen Beschäftigten entstanden sei. „Geschwindigkeit und Qualität leiden oftmals, wenn wir von Zuhause aus arbeiten“, begründete die Chefetage die neue Richtlinie. „Einige der besten Entscheidungen und Erkenntnisse erwachsen aus Gesprächen auf dem Flur oder in der Cafeteria“.

So binden Unternehmen ihre Mitarbeiter

Platz 6

Stress auf der Arbeit nervt. Deshalb wünschen sich viele Mitarbeiter die Möglichkeit, arbeitsbezogenen Stress zu begrenzen. Gerade Leistungsträger eines Unternehmens finden dies wichtig (Platz vier). Nachwuchstalente hingegen sind offenbar noch stressresistenter - für sie gehört die Möglichkeit nicht zu den zehn Punkten, die sie an ein Unternehmen bindet.

Platz 5

Die Deutschen wollen auch eine gute Atmosphäre im Büro. Das Arbeitsumfeld gehört im Ranking Mitarbeiterbindung zu den Top Fünf. Bei Nachwuchstalenten kommt es sogar auf den vierten Platz.

Platz 4

Mitarbeiter wollen auf ihr Unternehmen Vertrauen können. Daher zählt für sie Vertrauen in das Top-Management (Platz vier). Für Nachwuchskräfte ist dieser Punkt tendenziell wichtiger (Platz drei). Bei Leistungsträgern kommt das Vertrauen gar an erster Stelle.

Platz 3

Wie bei der Mitarbeitergewinnung ist auch bei der Bindung die Sicherheit des Arbeitsplatzes von Bedeutung. Dazu zählen laut Towers Watson zum Beispiel eine verkürzte Probezeit bei einigen Stellen oder Alternativen zum Stellenabbau. Leistungsträger und Nachwuchstalente interessieren diese Punkte dagegen nur wenig: Bei ihnen kommt Sicherheit nur auf den sechsten Platz bzw. nicht in die Top Ten.

Platz 2

Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern zudem Chancen bieten, ihre Karriere voranzutreiben. Für Beschäftigte und Leistungsträger zählen Aufstiegsmöglichkeiten zu den zweitwichtigsten Aspekten in einem Job. Bei den Nachwuchskräften kommen die Karrierechancen sogar auf den ersten Platz.

Platz 1

Wer seine Mitarbeiter binden will, sollte vor allem eins: sie anständig bezahlen. Denn das Grundgehalt schafft es bei den meisten Deutschen auf Platz eins bei der Mitarbeiterbindung. Nachwuchskräfte und Leistungsträger finden den Lohn zwar auch wichtig (Platz zwei und drei), halten es aber nicht für das Hauptargument, einem Unternehmen treu zu bleiben.

Quelle: Towers Watson, Global Workforce Studie 2012

Die Reaktionen auf den Beschluss waren gewaltig. Selbst der britische Milliardär Richard Branson kritisierte in einem Blog-Eintrag die Abkehr von der Telearbeit. Doch noch vor der Aufregung um Yahoo hatte Google-Finanzvorstand Patrick Pichette bei einem Besuch in Australien die Telearbeit schlecht geredet. „Im Büro zu arbeiten ist wirklich wichtig“, sagte er. Denn zu Hause zu arbeiten berge die Gefahr der Isolation von Kollegen, so Pichette.

Yahoo hatte am Dienstag auf die riesige öffentliche Aufmerksamkeit reagiert und in einem Statement mitgeteilt, dass man nicht generell den Effekt von Heimarbeitsplätzen in Abrede stellen wolle. Die Entscheidung sei getroffen worden, weil sie „im Moment richtig ist für Yahoo.“

Personalberater kritisierten die Entscheidung. „Mayer hat einen riesigen Sprung rückwärts gemacht“, urteilt Jody Thomspson von der US-Beratungsfirma CultureRx. Anstatt Talente zu binden, berge der Beschluss die Gefahr, dass Mitarbeiter zum bloßen Zeitabstempeln ins Büro kämen. Brad Harrington vom Boston College Center for Work & Family sagt, dass der geringere Stress bei der Arbeit von zu Hause die Produktivität erhöhe.

Mit Material von Bloomberg.

Von

mdo

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 12:39 Uhr

Diese Konzernlenkerin sieht nicht nur attraktiver aus, sondern sie ist im Gegensatz zum üblichen Blondinenklischee offenbar auch deutlich klüger als 99% der Managerkaste. Sie hat genau den Schwachpunkt der modernen "Bürokonzepte" getroffen, die sowohl die soziale Basis und als auch den Spaß am kreativen Arbeiten ruinieren. Ich hoffe, sie setzt sich durch mit dieser Trendwende und wird nicht von den üblichen Mainstream-Idioten abgesägt, weil sie sich nicht an die gerade modernen Management-"Weisheiten" hält.
Weiter so!

Nachwuchs

28.02.2013, 12:53 Uhr

Arbeit zu Haus? Was ist da mit dem Schutz von Betriebsgeheimnissen?

Wolfi

28.02.2013, 13:28 Uhr

los, sofort alle Mitarbeiter in die Flure schicken.
Wir lieben Dich Marissa Babe !!!

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