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23.07.2015

06:40 Uhr

Young Professionals

Ich bin dann mal weg

VonCarina Kontio

Ist die Stimmung mies, fackeln immer mehr junge Mitarbeiter nicht lange und kündigen ihren Job. Eine Umfrage zeigt jetzt, dass es oft schon an ganz trivialen Dingen scheitern kann. Was Chefs tun können.

Was Bewerber in Bewerbungsverfahren und im Umgang mit Recruitern erleben, beeinflusst nicht nur ihre Sicht auf Arbeitgeber. Auch der Blick auf das Unternehmen insgesamt, seine Produkte oder Dienstleistungen ist davon betroffen. Getty Images

Was Bewerber in Bewerbungsverfahren und im Umgang mit Recruitern erleben, beeinflusst nicht nur ihre Sicht auf Arbeitgeber. Auch der Blick auf das Unternehmen insgesamt, seine Produkte oder Dienstleistungen ist davon betroffen.

DüsseldorfVor einer Woche haben wir uns noch damit beschäftigt, was an Horror-Kollegen besonders nervt, um unseren Arbeitsalltag irgendwie etwas erträglicher zu machen. Aber wir alle wissen: Irgendwann reicht es einfach. Man muss schließlich nicht alles ertragen und je nachdem, wo die persönliche Schmerzgrenze liegt, ist es dann an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Schließlich macht vor allem ein schlechtes Arbeitsklima auf Dauer krank.

Und wer hat schon Spaß an endlosem Internet-Gebrauch oder daran, nur noch Dienst nach Vorschrift zu schieben? Sie kennen doch alle die alte Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!“ Das ist schlau.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Galt die Kündigung bislang jedoch immer – für beide Seiten – als der letzte Schritt, sind wohl immer mehr Menschen schon viel früher bereit, das Weite zu suchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Personalberatung Page Personnel. Stimmt die Chemie nicht, wird nicht mehr lange gefackelt: so hängen 17 Prozent der befragten Fachkräfte und Young Professionals den Job an den Nagel, wenn die Stimmung im Haus insgesamt schlecht ist und für zwölf Prozent ist ein Kündigungsgrund gegeben, wenn es mit Kollegen (Fräulein Fauch) und dem Chef (Käpt'n Cholerik) nicht richtig rund läuft.

Dass die Stimmung einen großen Anteil daran hat, wie lange ein Mitarbeiter im Unternehmen bleibt, spielt sogar schon in der Rekrutierungsphase eine wichtige Rolle. Hier zeigt die Erfahrung der Personalberater, dass die Arbeitsvermittlung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber oft schon an Kleinigkeiten scheitert.

So kommt es beispielsweise auch darauf an, dass nicht nur der Jobsuchende, sondern auch der Arbeitgeber gut vorbereitet und interessiert ist. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, in der Realität aber doch nicht immer der Fall und es gibt Bewerber, die sitzen Geschäftsführern gegenüber, die beim Gespräch ständig auf ihrem Smartphone tippten, telefonieren, unaufmerksam und unfreundlich sind.

Dabei gilt eine gute Unternehmenskultur als der genetische Code der Zusammenarbeit. Er entscheidet darüber, wie Menschen im Job miteinander umgehen, ob sie sich wohlfühlen und letztlich auch darüber, ob sie im Unternehmen bleiben.

Kommentare (3)

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Herr Friedemann Beck

23.07.2015, 10:04 Uhr

Schade, hier geht es nur um Young Professionals. Wir älteren müssen alles ertragen. Dafür sorgt schon das grundsätzliche Desinteresse der Arbeitgeber.

Herr Heinz Rüdiger

23.07.2015, 12:03 Uhr

Um den Unsinn des Arbeitslebens besser ertragen zu können habe ich mich selbstständig gemacht. In nahezu jedem Projekt in welches ich komme herrscht Dauerfluktuation. Mann ist quasi nur noch damit beschäftigt sich in irgendwas einzuarbeiten. Sobald man eine gewisse Erfahrung hat wird man auch schon wieder auf eine andere Baustelle geschickt. Identifikation mit der Sache und Qualität = Fehlanzeige. Das Management will es so. Früher hätte man das 'unprofessionell' genannt, heute nennt man es 'agil'. Dabei kommt es gerade im IT Bereich darauf an die Leute möglichst lange zu halten da ansonsten die Komplexität der Systeme nicht mehr beherrschbar ist.

Frau Annette Bollmohr

24.07.2015, 15:01 Uhr

"Ich bin dann mal weg"

Nach der Devise bin ich auch schon mal vorgegangen.

Und das, obwohl meine einzige Alternative zum Kündigungszeitpunkt die Zusage einer Zeitarbeitsfirma für einen Job als Küchenhilfe war (ich kann wg. hochgr. Schwerhörigkeit nicht telefonieren; O-Ton überall "Wie konntest Du nur, in Deiner Situation! War mir aber echt sowas von egal). Glücklicherweise habe ich nach kurzer Suche eine viel besseren Job gefunden als den, den ich gekündigt hatte).

Meine Überlegung damals: Einen schlecht bezahlen Sch...Job finde ich auch anderswo, aber da brauche ich mich wenigstens nicht den ganzen Tag zu ärgern.

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