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29.11.2012

13:28 Uhr

Zahl der Insolvenzen

Deutschland droht eine Pleitewelle

VonSebastian Ertinger

Schlecker, Neckermann sowie Werften und Solarfirmen – große Traditionsbetriebe rutschten in die Insolvenz. Die Schäden gehen in die Milliarden. Experten warnen nun: Nächstes Jahr wird die Zahl der Firmenpleiten steigen.

„Bin grad pleite“ – im nächsten Jahr dürfte die Zahl der Insolvenzen steigen. dpa

„Bin grad pleite“ – im nächsten Jahr dürfte die Zahl der Insolvenzen steigen.

DüsseldorfDie deutsche Wirtschaft muss sich auch 2013 auf eine Pleitewelle einstellen. „Die deutsche Volkswirtschaft gerät zunehmend in den Sog der europäischen Staatsschuldenkrise“, sagte der Vorstand der Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform, Helmut Rödl. Die Gesamtzahl der Insolvenzen dürfte demnach von 156.200 im laufenden Jahr auf etwa 160.500 steigen, darunter geschätzte 30.500 Firmenpleiten. Grund ist nach Ansicht der Experten von der Wirtschaftsauskunftei die sich ausweitende Schuldenkrise in Europa.

Die Zahl der Firmenpleiten ist in diesem Jahr zwar noch leicht rückläufig. Die Creditreform rechnet für das Gesamtjahr mit 29.500 Unternehmensinsolvenzen. Im Vorjahr waren es noch 30.120. Allerdings werten die Experten den Rückgang nicht als positiv. Die Entspannung sei nicht mehr ganz so stark ausgefallen wie noch im Zuge der wirtschaftlichen Erholungsphase in den Jahren 2010 und 2011.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Deutlich höher fällt dagegen der durch Pleiten angerichtete Verlust aus. In diesem Jahr entstehen Schäden in Höhe von 38,5 Milliarden Euro. Das sind 17 Milliarden Euro mehr aus als ein Jahr zuvor. Grund für den eklatanten Anstieg ist die Insolvenz namhafter Firmen wie Schlecker und Neckermann sowie von Autozulieferern und Solarfirmen. Dies habe die Gläubiger besonders stark betroffen, erklärte die Auskunftei.

Entsprechend stieg auch die Zahl der Arbeitsplätze, die aufgrund der Pleiten verloren gehen oder bedroht sind. Sie beläuft sich aktuell auf 346.000 Betroffene. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres hat die Zahl der drohenden Jobverluste um 46,6 Prozent zugenommen. Immerhin liegt die Zahl noch unter dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre von 450.000. Für nächstes Jahr prognostizieren die Insolvenzexperten 350.000 bedrohte Jobs - vor allem in kleineren und mittleren Betrieben.

Auch die Zahl der Insolvenzen von Privatverbrauchern ging der Creditreform zufolge 2012 um 1,7 Prozent auf 101.500 zurück. „Das ist nur die Spitze des Eisberges“, warnt aber Helmut Rödl von der Creditreform. „Insgesamt gesehen hat die Überschuldung der Verbraucher in Deutschland zugenommen.“ 6,6 Millionen Erwachsene bundesweit seien nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Besonders die Entwicklung bei jungen Leuten sei besorgniserregend.

Kommentare (54)

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Account gelöscht!

29.11.2012, 14:04 Uhr

Wenn jetzt schon die Ratingagenturen einen Maulkorb verpaßt bekommen, weil sie frühzeitig auf Mißstände, politische Unfähigkeit und Vertuschungstakitk hinweisen, dann muss eben der einzelne freie Bürger diese Aufgabe übernehmen.
Nicht nur Deutschland droht eine Pleitewelle, viel schlimmer - Deutschland hilft dabei, daß diese Pleitewelle auch ganz Europa überschwemmt. Dadurch daß nachhaltig an EURO und fruchtloser Schuldenpolitik festgehalten wird, werden ganze Wirtschaftssysteme vor die Wand gefahren.

Rettungswahnsinn

29.11.2012, 14:15 Uhr

Deutschland muss den Euro aufgeben und zur D-Mark zurückkehren, dieser Schritt ist alternativlos und würde die jetzige Dauerkrise sofort beenden!
Schluß mit der Volksverarschung.

Joker1

29.11.2012, 14:57 Uhr

@Rettungswahnsinn
Sie schreiben mir aus der Seele.
Die Auflösung der Eurozone ist überfällig!
Rücktauschkurs: 1 Euro=2neue DM, dann stimmts auch mit
der Kaufkraft wieder.
Wenn die Politkaste nicht endlich "Nägel mit Köpfen" macht,
wirds ihr ganz dreckig ergehen.

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