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25.03.2013

13:24 Uhr

Zahlungssystem für Europa

Der Handel muss bei Sepa nachsitzen

VonLara Sogorski

Ab Februar 2014 werden Zahlungen in der EU fast nur noch über Sepa abgewickelt. Damit kommen auf Handelsfirmen hohe Kosten zu. Viele von ihnen unterschätzen den Aufwand und schieben die nötigen Umstellungen vor sich her.

Schuhkauf im Onlineshop: Die Umstellung des Bezahlsystems auf Sepa könnte viele Händler eiskalt erwischen. dpa

Schuhkauf im Onlineshop: Die Umstellung des Bezahlsystems auf Sepa könnte viele Händler eiskalt erwischen.

Dem Versandhändler und führenden deutschen Teleshopping-Anbieter QVC Deutschland sitzt die Zeit im Nacken. Bis zum 1. Februar 2014 müssen alle Systeme auf das Zahlungsverfahren Sepa umgestellt sein, mit dem der Geldverkehr in der EU vereinheitlicht wird. Ab dann soll es keine anderen nationalen Zahlungssysteme mehr geben.

Es scheint, als wäre bis dahin noch viel Zeit. Tatsächlich aber ist die Umstellung knapp kalkuliert: „Wir werden voraussichtlich erst zum spätmöglichsten Zeitpunkt Sepa-fähig sein“, sagt QVC-Sprecherin Irmgard Jarosch. Ein Grund dafür seien wichtige  Systemumstellungen für alle SAP-Prozesse und die Software für das Kundenmanagement (CRM). Die zweite Herausforderung liege darin, dass viele verschiedene Abteilungen betroffen seien – von der Personalstelle über das Call-Center bis zur Logistik.

Erfolgsfaktoren für Web-Shops

Front-End und Back-End

Sie müssen nahtlos miteinander integriert sein. Das heißt, wenn der Besucher im Shop eine Bestellung auslöst, muss dieser Prozess in den nachgelagerten Warenwirtschafts-, Kundenwirtschafts- und Produktmanagementsystemen sauber abgebildet werden.

Multi- und Cross-Channel

"In Zukunft wird es immer wichtiger sein, mehrere Kanäle gleichzeitig zu bedienen und diese gut miteinander zu vernetzen", so Reupert. Beispielsweise können integrierte Prozesse in den Webshops von Einzelhändlern eine Funktion bieten, über die der Besucher herausfindet, ob ein Artikel in einer bestimmten Filiale vorrätig ist. "Denn nach wie vor informieren sich viele Kunden im Internet und kaufen dann doch im stationären Handel."

Mobile Enablement

Der Trend zum Smartphone hält an und darum ist es für Shop-Betreiber elementar, den Shop-Content auch mobil zur Verfügung zu stellen, um Kunden nicht an technisch fortschrittlichere Konkurrenten zu verlieren.

Produktdatenqualität

Studien haben gezeigt, dass rund ein Drittel der Kaufabbrüche in einem Web-Shop auf der Produktdetailseite erfolgen. Daher ist die Qualität von Produktbeschreibungen und Produktbildern elementar wichtig. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, rät Reupert: Besser als die Mitbewerber über Produkte informieren, bessere Usability und effektive Suchmaschinenoptimierung.

Quelle: Achim Reupert, Experte des Dienstleisters Nionex, auf Mittelstandsmanager.de

Erst die technischen Updates, dann die Anpassung und Abläufe – so steht es bei vielen Handelsunternehmen auf der Agenda. Für viele von ihnen ist die Sepa-Umstellung ein Kraftakt. Doch ein großer Teil der Anbieter scheint die Herausforderung noch zu unterschätzen.

Laut Handelsverband Deutschland (HDE) haben sich viele Unternehmen bisher noch gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt und wollen erst im vierten Quartal dieses Jahres damit beginnen – gerade dann also, wenn das Weihnachtsgeschäft anläuft.

Optimierungstipps: Mehr Wert im Warenkorb

Zusätzlichen Bedarf wecken

Der Nutzer muss das Bedürfnis haben, weitere Produkte in den Warenkorb zu legen. „Ein wichtiger Anreiz sind definitiv personalisierte Empfehlungen“, sagt Schneider. Hierbei nutzt man die konkret über einen Besucher gewonnenen Informationen wie Käufe, Suchen, angesehene Kategorien und betrachtete Artikel, um ihm individuell Passendes zu empfehlen. „Alternativ kann man einem Besucher auch auf Basis der allgemeinen Nutzungsdaten weitere interessante Artikel empfehlen“, so Schneider. Ein Paradebeispiel ist hier Amazon mit seiner Funktion „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“.

Höherpreisige Alternativen anbieten

Der wichtigste Erfolgsfaktorbei diesem Hebel ist die differenzierte Produktdarstellung. „Es geht darum, den Mehrwert des höherpreisigen Produkts visuell zu kommunizieren“, so Schneider. „Beispielsweise eine besondere Qualität oder Leistung visuell hervorzuheben oder die Produkte in ihrer Darstellung zu priorisieren.“ Sehr erfolgreich bei der differenzierten Produktdarstellung agiert etwa Zalando.

Höhere Stückzahlen verkaufen

In diesem Zusammenhang bieten sich Rabattaktionen, beispielsweise Mengenrabatte, Staffelpreise oder Bundles an. „Wichtig ist es, diese Optionen nicht nur im Angebot zu haben, sondern sie auch sehr deutlich und transparent zu kommunizieren. Machen Sie Ihren Kunden die Erhöhung der Anzahl so leicht wie möglich.“

Künstliche Verknappung als Kaufanreiz

„Besucher lassen sich häufiger zum Kauf animieren, wenn sie den Eindruck haben, sie würden andernfalls etwas verpassen und hätten keine Gelegenheit mehr, diese einmalige Chance zu nutzen“, weiß Schneider. Künstliche Verknappung lässt sich sowohl zeitlich (dieses Special gilt nur noch einen Tag) als auch mengentechnisch (nur noch zwei Stück verfügbar) umsetzen.

Die drei bestimmenden Umsatzgrößen

Traffic, Conversion und Warenkorbhöhe sind die drei bestimmenden Größen für den Umsatz im E-Commerce. Der Warenkorb kommt chronologisch erst an dritter Stelle. Er sollte aber nicht stiefmütterlich behandelt werden, betont Florian Schneider, Creative Director bei der E-Commerce-Agentur netz98. Der Experte gibt Tipps, um den Warenkorbwert zu optimieren. Aber: „Nicht für jede E-Commerce-Präsenz ist die Optimierung des Warenkorbwerts wirklich sinnvoll“. In der Regel gilt: Erst wenn Traffic und Conversion ein gutes Niveau erreicht haben, sollte der Betreiber das Thema Warenkorb angehen. Denn nur sichtbare Produkte werden auch gekauft. Die Warenkorbhöhe zu optimieren, ist vor allem für Shops mit breitem oder spitzem Sortiment sinnvoll, jedoch weniger für Shops mit nur geringem Produktspektrum.

Quelle: Mittelstandsmanager.de

Viele glauben, dass es reicht, auf die internationalen Kontonummern und Bankleitzahlen, kurz Iban und Bic, umzustellen. „Sepa heißt aber noch viel mehr“, sagt Ulrich Binnebößel, Bereichsleiter Zahlungsverkehr beim HDE. „Wir befürchten, dass nicht alle bis zum Februar mit der Umstellung fertig sind.“

Bei der Technik für die Warenwirtschaftssysteme wartet schon die erste große Hürde. Damit Sepa funktioniert, braucht die Software in der Regel ein Update vom Hersteller. Eine Reihe von Unternehmen im Handel dürfte das aber nur schwer bekommen. Der Grund: In der Vergangenheit gab es kaum auf die Branche zugeschnittene IT-Lösungen – Unternehmen mussten die Systeme zum Teil mithilfe eigener Programmierer verändern und anpassen.

Kommentare (4)

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mittelstaendler

25.03.2013, 14:00 Uhr

SEPA ist wieder so ein Beispiel dafür, daß unsere Plotik in Deutschland bewährte und erprobte Verfahren zu Lasten einer Verallgemeinerung a la Brüssel einfach so aufgibt.
Dabei wird übersehen, daß die Einführungsfristen viel zu kurz gewählt sind und die betroffenen Unternehmen auch quasi allein gelassen werden.
Wenn überhaupt nutzt SEPA nur Großunternehmen, die sich aber auch anders helfen können. Für den normalen Mittelständler bleiben nur Kosten und Ärger übrig.

Account gelöscht!

25.03.2013, 14:38 Uhr

Titel: den Zahlmeister gängeln - geht ja man gar nicht!

Ach wäre es schön, wenn wir endlich mal so reagieren, wie die Mittelmeerländer: unsinnige Vorschriften (wie SEPA) der EU einfach ignorieren. Und gut ist.

Es ist einfach nur ein Bsp dafür, dass wir 2nd Hand Politiker nach Brüssel wegloben, die uns dann mit keiner will sie / keiner braucht sie Vorschriften das Leben schwer machen - und wir als Zahlmeister dieser EU auch noch so blöde sind das einzuhalten. Als eines der wenigen Länder. Derjenige Politiker, der hier mal mit der Hand auf den Tisch haut - der kann sich ganz gefährlichen Zulaufes erfreuen. Und im schlimmsten Fall einer Wiederholung der Zustände hervorrufen - ausgelöst durch EU Eurokraten, die Unsinn zusammenregieren und so Feuer ins Öl gießen...

hermann.12

25.03.2013, 16:55 Uhr

Die Sepa Umstellung ist ein bürokratisches Monster, da viel zu viele Einzelregelungen zum nur nationalen Befindlichkeiten geschuldet, den Aufwand aufblasen.
Die deutsche Umstellung leidet zu dem zusätzlich darunter, dass alte Lastschriftvereinbarungen nicht einfach fortgelten.
Begründet wird das mit Verbraucherschutz, aber man muss schon ein Fachidiot sein, um zu glauben, dass dies irgenwie die Verbraucher schützen, statt sie mit Bürokratie zu belasten.
Falls es um Rechtssicherheit geht, gilt das Gleiche, die sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Da muss sich keiner wundern, warum die Akzeptanz gegenüber Europa abnimmt, bei soviel Unfähigkeit die Dinge zu vereinfachen.

H.

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