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06.09.2012

18:42 Uhr

Zeitschriftenverlag

Buchholz verliert Chefposten bei Gruner + Jahr

Es hatte sich angedeutet, doch letztlich ging es nun ganz schnell: Bernd Buchholz scheidet als Chef beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr aus. Der Druck der Konzernmutter Bertelsmann hat ihm den Posten gekostet.

Bernd Buchholz ist nicht mehr Vorstandsvorsitzender bei Gruner + Jahr. dpa

Bernd Buchholz ist nicht mehr Vorstandsvorsitzender bei Gruner + Jahr.

HamburgDer Vorstandsvorsitzende des Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, verliert seinen Job: Buchholz scheide „einvernehmlich aus dem Unternehmen aus“, teilte der Verlag am Donnerstag mit. Der Manager hatte vor einer Woche sein Amt als Vorstandsmitglied der Muttergesellschaft Bertelsmann fristlos niedergelegt. Nach Medienberichten reagiert Buchholz damit auf steigenden Druck des Medienkonzerns auf höhere Renditen und andere Einflussversuche aus der Gütersloher Zentrale. Er bedanke sich für viele Jahre der Zusammenarbeit, die er als großes Privileg empfunden habe, erklärte Buchholz zum Abschied.

Neu in den Vorstand berufen wurde die langjährige Gruner + Jahr-Managerin Julia Jäkel, die in Zukunft für das Zeitschriften- und Digitalgeschäft des Verlags in Deutschland zuständig sein wird und damit für das Kerngeschäft. Gruner + Jahr verlegt unter anderem die Magazine „Stern“, „Geo“ und „Brigitte“ sowie die Tageszeitung „Financial Times Deutschland“. Jäkel wird gemeinsam mit Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein (48) und Finanzvorstand Achim Twardy (52) gleichberechtigt die Geschäfte führen. Die Position des Vorstandsvorsitzenden, die Buchholz innegehabt hatte, sieht die neue Führungskonstellation nicht vor.

Jäkel war bislang Verlagsgeschäftsführerin der Verlagsgruppe „G+J LIFE“. In ihrer neuen Position soll sich die Ehefrau des langjährigen „Tagesthemen“-Moderators Ulrich Wickert um das Zeitschriften- und Digitalgeschäft von Gruner+Jahr in Deutschland kümmern. Mit ihr habe man eine hervorragende Managerin mit hoher verlegerischer Kompetenz gefunden, erklärte Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Gruner+Jahr AG.

Das Unternehmen sei nun bestens aufgestellt, um seine starke Position im europäischen und internationalen Mediengeschäft auszubauen und insbesondere die Digitalisierung von Inhalten und Marken voranzutreiben. Zugleich bedankte sich Rabe bei Buchholz für dessen „erfolgreiche und engagierte Arbeit in den vergangenen Jahren, auf die der neu zusammengesetzte Vorstand nun gesamtverantwortlich aufbauen wird“.

Während Buchholz die Geschehnisse am Hamburger Baumwall künftig nur noch aus der Ferne betrachten kann, ist Jäkel die neue starke Frau am Firmensitz an der Elbe. Sie freue sich auf die Aufgabe, erklärte Jäkel. „Gruner + Jahr Deutschland steht für Marken von großer publizistischer Tradition und für eine Vielzahl junger, erfolgreicher Medienprodukte.“

Weniger gut ist die Stimmung derzeit in Teilen der Belegschaft. In einem offenen Brief drückte der Betriebsrat am Donnerstag seine Sorge über die künftige Ausrichtung des Verlagshauses aus und bat die Gesellschaftler um Stellungnahme. In dem Schreiben heißt es, dass intern angeblich über den Abbau von 400 Stellen gesprochen werde.

Bertelsmann wird den Verlagskonzern womöglich künftig allein beherrschen, da die Jahr-Familie ihren 25,1- Prozent-Anteil gegen eine Beteiligung am Medienriesen tauschen möchte. Bei Gruner + Jahr fürchten viele Mitarbeiter Stellenabbau und einen Wechsel an der Unternehmensspitze.

Buchholz, seit 2009 Gruner + Jahr-Chef, war in Gütersloh umstritten. Eine fehlende Digitalstrategie, zu wenige Innovationen im Printgeschäft und das zu lange Festhalten an der „Financial Times Deutschland“, die seit zehn Jahren defizitär ist, warf man ihm vor.

Buchholz, dessen Vertrag erst im Jahr 2011 um fünf Jahre verlängert wurde, gilt als leidenschaftlicher Verleger, scheiterte aber immer wieder am Veto aus Gütersloh: In den vergangenen zehn Jahren schüttete Gruner + Jahr mehr als zwei Milliarden Euro an Bertelsmann und die Jahr-Familie aus. Axel Springer investierte im gleichen Zeitraum 1,8 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Digitalgeschäfte. Buchholz blieb Ähnliches verwehrt.

Das Druck- und Verlagshaus Gruner+Jahr hat nach eigenen Angaben weltweit rund 11 800 Mitarbeiter und erreicht Leser und Nutzer in mehr als 30 Ländern.

Kommentare (4)

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SocialPunk

06.09.2012, 17:25 Uhr

Wir sind gespannt, wie es insbesondere mit den verlustreichen Wirtschaftsmedien weitergeht. Bleiben FTD, Börse Online und Co. in ihrer jetzigen Form erhalten? Wir haben in einer Infografik dargestellt, wie die FTD gegen das Handelsblatt abschneidet. Zu finden unter http://tinyurl.com/d9hjnog

Account gelöscht!

06.09.2012, 22:55 Uhr

Da dürfte noch das Capital in der Liste der Gauner und Spar Blätter fehlen.

Keine Frage, das Handelsblatt ist besser und seriöser als die FTD.

Account gelöscht!

06.09.2012, 23:03 Uhr

das kommt davon wenn man sich mit den freimaurern anlegt.

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