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28.05.2013

21:04 Uhr

Zhengrong Liu

Der deutsche Chinese hat Vorstandschancen

VonChristoph Kapalschinski, Katrin Terpitz

Lanxess-Personalchef Zhengrong Liu wechselt zu Beiersdorf und hat dort gute Chancen auf einen Vorstandsposten. Liu wurde als Student vom Chemiekonzern Bayer beim Chinesisch-Unterricht entdeckt.

Zhengrong Liu: „Ein bisschen mehr China würde Deutschland gut tun“. Lanxcess

Zhengrong Liu: „Ein bisschen mehr China würde Deutschland gut tun“.

DüsseldorfEr gilt als Vorzeige-Chinese der deutschen Wirtschaft, obwohl er seit einigen Jahren einen deutschen Pass hat: Zhengrong Liu. Nach zehn Jahren als globaler Personalchef beim Spezialchemiekonzern Lanxess hatte Liu kürzlich zum 30. Juni gekündigt – mit unbekanntem Ziel. Wie das Handelsblatt nun aus Unternehmenskreisen erfuhr, wechselt Liu vom Rhein an die Elbe. Bei Beiersdorf läuft sich der 44-Jährige mit dem Meckischnitt für den Posten des Personalvorstands warm.

Spätestens im Herbst soll Liu beim Konsumgüterhersteller in Hamburg direkt unter Finanzvorstand Ulrich Schmidt arbeiten, der derzeit auch Arbeitsdirektor ist. Das bestätigte ein Aufsichtsrat von Beiersdorf dem Handelsblatt. Es sei jedoch gut möglich, dass Liu später in den Vorstand aufsteige. Der smarte Asiat soll auch bei den Arbeitnehmer-Vertretern auf große Zustimmung gestoßen sein. Offiziell wollte Beiersdorf die Personalie nicht kommentieren. Der Konzern äußere sich nicht zu Personalspekulationen, sagte ein Sprecher.

Mit 22 Jahren kam Liu 1989, dem Jahr der Studentenunruhen, aus Schanghai ins Rheinland – mit 300 D-Mark in der Tasche und ohne Deutschkenntnisse. Der Student verdiente sich ein Zubrot mit Chinesisch-Unterricht für Manager von Bayer. Dort fielen Lius Talent und Redegewandtheit schnell auf. 1998 ging der Geisteswissenschaftler für Bayer nach China. Schnell machte der Sympathieträger, der längst fließend Deutsch spricht, im Chemiekonzern Karriere. Der heutige Lanxess-Chef Axel Heitmann entdeckte Liu und holte ihn 2004 als Personalchef zu Lanxess nach Leverkusen, als die Firma frisch von Bayer abgespalten war. Für den Härteposten musste Heitmann Liu regelrecht überreden, heißt es.

Denn schon ein Jahr später ging Lanxess an die Börse, von 21.000 Mitarbeitern mussten Tausende gehen. Mit asiatischem Charme, Hartnäckigkeit und Tempo gelang Liu der schwierige Umbau. Mit seinem Credo „ein bisschen mehr China würde Deutschland gut tun“, eckte er zunächst bei Arbeitnehmervertretern an. Diese beschreiben ihn als „knallhart, aber fair“. Konsequent baute Liu bei Lanxess Hierarchien ab, gab Managern mehr Verantwortung bei der Boniverteilung. Mentor Heitmann äußerte sich bedauernd über Lius Weggang. Aber Liu sah wohl keine Chance, in nächster Zeit Personalvorstand Rainier van Roessel zu beerben, munkelt man bei Lanxess. Heitmann bescheinigte Liu „hervorragende Arbeit“ und eine „innovative Personalpolitik“. Liu habe signifikant zum Erfolg des Unternehmens beigetragen.

Bei Beiersdorf herrscht beim Thema Personal durchaus Handlungsbedarf, meint ein Vertreter der Arbeitnehmer. Im Vergleich zu Wettbewerbern sind die Hamburger recht deutsch geprägt. Kosmopolit Liu könnte die Internationalisierung im Management vorantreiben. Gerade im wichtigen Markt China schreibt Beiersdorf seit Jahren rote Zahlen. Der neue Vorstandschef Stefan Heidenreich hat die Sanierung des China-Geschäfts zum persönlichen Anliegen erklärt. Dass Liu nicht sofort als Personalvorstand einsteigt, verwundert, mag aber an den schlechten Erfahrungen mit James C. Wei liegen, dem ersten Beiersdorf-Vorstand mit chinesischen Wurzeln. Nach Misserfolgen musste der China-Vorstand Ende 2011 gehen.

Kommentare (2)

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Spiegel

29.05.2013, 06:24 Uhr

"Deutsche Chinese hat Vorstandschancen"
Es gibt keine deutschen Chinesen.

Hagbard_Celine

29.05.2013, 10:19 Uhr

Die Chinesen sind wirtschaftlich gesehen die erfolgreichste Gruppe von Einwanderern in Deutschland, ebenso positiv fallen sie in der Kriminalstatistik auf.


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