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31.03.2011

12:10 Uhr

Zu viel Teamarbeit

Warum Harmonie im Büro schädlich ist

VonThorsten Giersch

Emotionale Intelligenz, Teamarbeit, Höflichkeit - noch nie wurde Harmonie in Unternehmen mehr wertgeschätzt als in Moment. Doch Kritiker sagen: Das Sich-Zurücknehmen hilft weder den Angestellten noch dem Unternehmen.

Immer schön Lächeln: Teamarbeit und Harmonie werden groß geschrieben. Quelle: Franz Pflueglhb. com

Immer schön Lächeln: Teamarbeit und Harmonie werden groß geschrieben.

Düsseldorf Es gibt viele Parallelen zwischen Fußball und Management, aber das wohl deutlichste Beispiel ist der Streit um den Umgang mit Harmonie. Einige Fußballtrainer schwören auf den "Team-Spirit". Andere halten dagegen, wie wichtig es sei, wenn sich in einem Kader jeder Spieler unter Druck gesetzt fühlt und sich selbst optimal einbringt.

Nun gibt es im Unternehmensalltag seit Jahren eine klare Tendenz hin zur Harmonie: Sich in den anderen hineinversetzen, gut im Team arbeiten, Höflichkeit nicht zuletzt in Meetings. All das ist absolut en vogue.

Thomas Vasek hält in seinem Buch dagegen: Der Titel "Die Weichmacher. Das süße Gift der Harmoniekultur" spricht für sich.

Vasek war jahrelanger in journalistischen Führungspositionen tätig und ist nun Publizist. Der Hobby-Boxer ist kein Freund von Weichmachern, die keinen Standpunkt vertreten würden und für nichts einstünden. Vasek plädiert für den Konflikt. Er will keine "Kuschelteams", sondern Konfrontation, Auseinandersetzung und Gegensatz.

Denn "Harmonie "verblödet". Sie mache "träge, mutlos, unkreativ und schwach". Sein Buch ist ein 200 Seiten langes Pamphlet gegen die Scheinheiligkeit: "Hinter der Konsensfassade blüht die Intrige, und in besonders kuscheliger Atmosphäre herrscht oft auch besondere Brutalität." Dutzende solcher Zitate gibt es. Vaseks Ton ist polemisch, anklagend, bisweilen wütend. Doch hinter den fetzigen Zitaten stecken auch Belege.

Vasek seziert die heutigen Methoden und entlarvt vor allem das Postulat der Teamarbeit als Trugschluss: "Ihr Feindbild ist das Individuum, ihr Ziel die Diktatur des Teams, das dann praktischerweise auch gleich selbst für alles die Verantwortung übernimmt.

Vasek schreibt wie ein Boxer boxt: Mal die krachende Rechte - eine harte, aufrüttelnde These. Dann wieder technisch anspruchsvolle Beinarbeit - wie zum Beispiel ein Ausflug in die Wissenschaft (Funktionsweise des Gehirns), Philosophie (Hobbes, Rousseau) und Psychologie (Freud).

Der Leser lernt, woher dieser Harmonietrieb stammt und warum wir diesen opportunistischen Weg so bereitwillig begehen, indem wir Konflikte am liebsten meiden und stattdessen zum Lügen verdammt sind, damit das Zusammenleben funktioniert.

Die Wissenschaft um die "Emotionale Intelligenz" ist Vasek ein besonderer Graus. "Unzweifelhaft hat der Psycho-Boom in den Unternehmen zu der umgreifenden Misstrauens- und Manipulationskultur beigetragen." Die "Gefühlsroboter" verhielten sich immer angemessen. Das mache sie so Gefährlich: "Man weiß nie, was sie wirklich denken."

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