Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2007

15:11 Uhr

Zufriedenheit im Unternehmen

B-Noten von den Mitarbeitern

VonLars Reppesgard

Personalbefragungen liegen im Trend. Bei der Deutschen Bank beispielsweise wird die Zufriedenheit der Mitarbeiter sogar im Geschäftsbericht veröffentlicht Doch die richtigen Fragen zu stellen und aus den Antworten Konsequenzen zu ziehen, ist gar nicht so einfach.

Ob Mitarbeiter im Unternehmen zufrieden sind, kann eine Befragung zeigen. Foto: dpa Quelle: dpa

Ob Mitarbeiter im Unternehmen zufrieden sind, kann eine Befragung zeigen. Foto: dpa

„Ich empfehle unser Unternehmen, ohne zu zögern, einem Freund, der eine Anstellung sucht.“ Auf einer Fünf-Punkte-Skala konnten die 9 300 Mitarbeiter von Coca-Cola Deutschland bewerten, wie eng sie sich ihrem Unternehmen verbunden fühlen. Dies war nur eine Frage von vielen, die der Abfüller im April an 65 Standorten stellte. Eine Premiere. „Vier Wochen dauerte es, bis die Fragebögen per Mail oder Brief zurückkamen“, erzählt Cornelia Hulla, Personalvorstand in Berlin.

Mit dem Wunsch zu erfahren, was die eigenen Mitarbeiter über die Firma, ihre Arbeit, die Chefs und Kollegen denken, liegt Coca-Cola im Trend. Das Instrument der Mitarbeiterbefragung wird in Deutschland von Jahr zu Jahr beliebter. Zwei von drei Firmen beleuchten heute zumindest alle zwei Jahre ihr Innerstes. Dies belegt eine Umfrage der auf Personalfragen spezialisierten Managementberatung Hewitt Associates zusammen mit der Personalberatung Kienbaum. Sie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Interessant: In sechs von zehn Fällen kommt der Auftrag für eine Mitarbeiterbefragung von ganz oben und nicht mehr von der Personalabteilung. „Das Instrument Mitarbeiterbefragung hat enorm an Akzeptanz und strategischer Bedeutung gewonnen“, meint Andrea Hartl, Teamleiterin für Mitarbeiterbefragungen bei Hewitt.

Doch aus den Antworten, die die Berater aus Gesprächen mit 90 Managern zusammengetragen haben, wird auch deutlich: Bei Mitarbeiterbefragungen steckt oft der Teufel im Detail. Viele Firmen fragen schlichtweg das Falsche: Fast 95 Prozent wollen von ihren Mitarbeitern etwa wissen, wie zufrieden sie sind. „Das heißt aber nicht, dass ich mich tatsächlich für das Unternehmen engagiere“, warnt Paul Kötter, Mitglied der Kienbaum-Geschäftsleitung. „Wer glaubt, daran ablesen zu können, wo etwas gut oder schlecht läuft, liegt oft falsch.“ Nur 55 Prozent gehen einen wichtigen Schritt weiter: Sie messen die Bereitschaft für besonderes Engagement ihrer Leute. Etwa mit der Antwortvorgabe: „Mein Unternehmen motiviert mich, dass ich mich über die normale Erfüllung meiner Aufgaben hinaus einbringe.“

Diesen Ansatz verfolgt auch die Deutsche Bank. Martin Möhrle, zuständig für Personalentwicklung und globale Mitarbeiterbefragungen, betont: „Das Engagement der Mitarbeiter ist ganz wesentlich für uns. Denn 50 Prozent haben Kontakt mit Kunden, und 70 Prozent der Kosten bei den Banken generiert das Personal.“ Seit 1999 setzt die Deutsche Bank auf einen global einheitlichen Satz von rund 100 Fragen. Die Bank gilt hier zu Lande unter Personalexperten als Vorreiter in Sachen Mitarbeiterbefragung. Etwa um zu erfahren, wie engagiert Mitarbeiter sind, wo Arbeitsabläufe verbessert, Einzelnen neue Karrierewege aufgezeigt, Fortbildungen angeboten oder Führungsprobleme gelöst werden müssen. „Selbst schlechte Nachrichten sind für uns gute Nachrichten, da sie eine Chance bieten, das Unternehmen weiterzuentwickeln“, betont Möhrle. Die große Kunst dabei ist allerdings, das Wichtige aus dem Gewirr der Daten herauszulesen. Noch immer lassen sich viele Manager auf falsche Fährten locken, warnt Personalstratege Kötter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×