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02.01.2011

12:04 Uhr

Zukunft der Arbeit

Der angestellte Selbstständige

VonMarkus Fasse, Axel Höpner

Die Wirtschaft wird bald um Arbeitskräfte buhlen. Auch Ältere bekommen eine neue Chance. Allerdings: Der Angestellte von morgen muss denken und handeln wie der Selbstständige von heute. Davon versprechen sich die Unternehmen hohe Flexibilität und Kreativität.

Ein Laptop und ein Internetanschluss reichen vielen Kreativen. Quelle: ap

Ein Laptop und ein Internetanschluss reichen vielen Kreativen.

MÜNCHEN. Als Michael Diekmann vor 23 Jahren bei der Allianz angefangen hat, war all das noch kein Thema. „Wir haben uns keine Gedanken gemacht über Demografie“, sagt der Allianz-Chef heute. Lediglich bei Lebensversicherungen musste die Allianz wissen, wie lange die Kunden statistisch lebten.

Heute ist das anders, denn die Demografie trifft die Allianz auch als Arbeitgeber mit voller Wucht. Erstmals, sagt Diekmann, kämen weniger neue Arbeitskräfte in den Markt, als in den Ruhestand gehen: „Der Kampf um die Talente kommt auf uns zu.“ Diekmann meint einen Trend, der nicht nur Deutschland stark prägen wird. Erstmals seit Beginn der Industrialisierung kippt der Arbeitsmarkt strukturell. Immer weniger Arbeitskräfte stehen für immer komplexere Aufgaben zur Verfügung. Die Arbeitslosigkeit wird ihren Schrecken verlieren. Stattdessen wird die Wirtschaft Fachleute wie Mathematiker, Ingenieure, Ärzte und Pflegepersonal händeringend suchen.

Doch nicht nur die Demografie setzt die Unternehmen unter Zugzwang: Der rasante Technologiewandel und neue Kommunikationsformen verändern Strukturen und Hierarchien. Die deutsche Wirtschaft rüstet sich für den Umbruch.

Schon heute wird gegengesteuert: Eine Folge ist die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. In vielen Unternehmen ist das bereits greifbar. Bei Audi und BMW steigt jetzt schon das Alter der Beschäftigten in der Produktion rasant. So ist bei Audi in fünf Jahren jeder dritte Beschäftigte über 50. „Wir wissen, dass der demografische Wandel gnadenlos bei uns zuschlägt“, sagt BMW-Personalchef Harald Krüger.

Bei BMW wird in Modellprojekten die Alterstruktur des Jahres 2017 simuliert. Der Boden in den Werkhallen wurde besser gefedert, die Schriften an den Bildschirmen wurden vergrößert, Lupen an den Werkzeugschränken angebracht. Außerdem überwachen Gesundheitsmanager die Arbeitsabläufe und halten die Beschäftigten zu ergonomischen Bewegungsabläufen an.

Der Versicherungskonzern Allianz hat sich des Themas so intensiv angenommen wie kaum ein anderer. Herausgekommen ist das „Strategic Workforce Planning“. Für einzelne Abteilungen, Tochtergesellschaften oder für den Gesamtkonzern kann sich das Unternehmen eine Alterspyramide der Beschäftigten anzeigen lassen – und in die Zukunft projizieren. „Das gibt uns noch keine Antworten, aber es schafft Transparenz“, sagt Vorstandschef Diekmann. Reißt der Ruhestand einer Spitzenkraft eine große Lücke, wird ihm nach seiner Pensionierung ein Beratervertrag angeboten. „Silver Liner“ heißt das Konzept.

Kommentare (6)

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Hansi

02.01.2011, 16:30 Uhr

Die neue Arbeitswelt der selbstständigen Kreativlinge und Experten bedeutet doch für die Unternehmen vorallem eines - Kostenersparnis. Kein Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Krankengeld, Tarfiverhandlungen. Hire and fire, Anstellung für drei Tage, das ist doch leider schon die Normalität.
Die wolkigen Worte der Personaler sollen uns doch nur einlullen.

ralf

02.01.2011, 17:20 Uhr

es wird vergessen wie wertvoll langjährig Angestellte sein können, wenn es darum geht die richtigen Dinge fürs Unternehmen zu tun. All die "karrieregeilen" Manager, oder externen Dienstleister denken nur an den eigenen Vorteil.
Dadurch werden auch die Unternehmen austauscgbar und verkieren an Kreativität und Know How.

Bastian

02.01.2011, 20:18 Uhr

Wäre doch schön wenn die Unternehmen schon so weit wären. Selbständig arbeiten und immer neue Herausforderungen: was will man mehr? Momentan ist es doch eher so, dass gerade die großen Konzerne mit dieser schönen neuen Arbeitswelt nicht umgehen können. Dort wird doch Arbeit noch immer anhand ihrem Zeitaufwand beurteilt und bezahlung ist abhängig von der Anwesenheit. Die Arbeitnehmer sind schon längst soweit, die Unternehmen noch nicht!

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