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01.05.2014

11:56 Uhr

Zum 1. Mai

Warum uns Arbeit glücklich macht

VonLisa Hegemann

Nicht alle Menschen freuen sich auf Feiertage und Wochenenden. Manche bekommen sonntags den Blues. Denn Arbeit erfüllt uns, wir identifizieren uns darüber. Doch das heißt nicht, dass wir mehr arbeiten müssen.

Arbeit macht glücklich: Darüber sind sich Experten und Studien einig.

Arbeit macht glücklich: Darüber sind sich Experten und Studien einig.

DüsseldorfEndlich Feiertag? Endlich Wochenende? Von wegen. Besonders an Sonntagen macht sich unter deutschen Akademikern der Blues breit. Sie sind an diesen Tagen laut einer Untersuchung unglücklicher als unter der Woche – weil ihnen die Arbeit fehlt.

Studien und Experten sind sich einig: Arbeit macht glücklich, weil sie Erfüllung und Identität liefert. Besonders bei Akademikern. Sollten wir also mehr arbeiten?

Im vergangenen Jahrhundert ist die Zahl der Arbeitsstunden drastisch gesunken. Bisher hatten Hochschulabsolventen in ihrem Job mehr Freizeit als Abiturienten. Noch 2005 arbeiteten Gebildete acht Stunden in der Woche weniger als geringer Qualifizierte. Doch dieses Verhalten ändert sich langsam.

Eine amerikanische Studie zeigt, dass die Hochschulabsolventen immer mehr arbeiten. Demnach bleiben männliche Graduierte inzwischen durchschnittlich länger im Büro, während die Arbeitsstunden von Menschen ohne Schulabschluss zurückgegangen sind.

Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Meinung bedeutet diese Entwicklung nicht automatisch mehr Stress. Das belegt eine Studie der Universität Stanford. Dort haben die Wissenschaftler die Stresswerte von Führungskräften untersucht. Das Ergebnis: Ausgerechnet die CEOs, die 60 bis 70 Stunden die Wochen schuften, wiesen den geringsten Wert des Stresshormons Cortisol auf. Auch bei Selbstständigen, die im Durchschnitt mehr Arbeit haben und weniger Urlaub machen, sind psychische Erkrankungen seltener.

Was bei der Arbeit stresst

Verantwortung

Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

Stressfrei

Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

Druck von oben

Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

Chefqualitäten

Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

Büroklatsch

Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

Unterbesetzung

Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

Arbeitsbelastung

Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Mehr Arbeit bedeutet demnach auch nicht weniger Zufriedenheit, das zeigt nicht nur die Untersuchung über den Sonntagsblues. Akademiker sind zwar am Wochenende unglücklicher als unter der Woche, aber im Gegensatz zu geringer qualifizierten Menschen sind sie insgesamt zufriedener.

„Arbeit ist identitätsstiftend“, sagt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann. Der Professor der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld erklärt das an einem einfachen Beispiel: Früher habe man sich die Frage gestellt; welche Religion jemand hatte, ob er also katholisch oder evangelisch ist. Heute hingegen wird man beim Kennenlernen auf einer Party gefragt, was man denn beruflich macht.

Anders als in vorindustriellen Zeiten sind die Übergänge zwischen den Berufen dabei fließender. Nicht jeder Bäckerssohn wird ebenfalls Bäcker, nicht jeder Spross eine Bankiersdynastie bleibt in der Finanzbranche. Wie groß die Auswahl bei der Suche eines Berufs ist, entscheidet am Ende der Schulabschluss. Und je besser bezahlt oder gut angesehen ein Job ist, desto zufriedener ist der Arbeitnehmer.

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