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17.04.2012

14:34 Uhr

Zum 75. des Patriarchen

Herzlichen Glückwunsch, Herr Piëch!

VonOliver Stock

Ganz selbstverständlich gratuliert die Nation einem ihrer erfolgreichsten Manager. Warum eigentlich? Versuch einer persönlichen Erklärung.

Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen, Ferdinand Piech. dapd

Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen, Ferdinand Piech.

Ich bin einer von denen, deren erstes Auto ein Käfer war. Eigentlich Generation Golf schlägt mein Herz mitunter fürs Althergebrachte. Deswegen Käfer. Ich habe ihn später eingetauscht gegen ein anderes Modell aus ihrem Hause, Herr Piëch: einen offenen VW-Geländewagen, genannt Kübel, was das Design ausreichend beschrieb. 

Damit bin ich zum Studium des Lebens über die spanische Grenze gerollt. Der Zöllner, den es damals noch gab, guckte skeptisch, ließ mich die hintere Klappe öffnen, um zu kontrollieren, was ich geladen habe. Da war der Motor drin. Der Uniformierte strahlte: "Ah Volkswagen", sagte er. "Ferdinand" fügte er dann hinzu und ließ offen, ob er "Piëch" oder "Porsche" meinte.

Mir war jedenfalls klar, dass der Konstrukteur meiner Kiste Weltruhm genoss, und ein bisschen strahlt so etwas ja ab auf den Fahrer. Und Sie, Herr Piëch, sind ein Konstrukteur, ein genialer ohne Zweifel. Das Bild, wie Sie sich mit ihren Körpermaßen in  VWs Ein-Liter-Auto geklappt haben, ist mir hängen geblieben. Sah verdammt unbequem aus.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Was muss das für ein Mann sein, dachte ich, der seine Ideen mit einer Hartnäckigkeit verfolgt, dass am Ende solche Bilder herauskommen? Bilder, die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten im gleichen Augenblick zeigen.

Offenbar schätzen Sie das Unmögliche so sehr, dass es ihnen nichts ausmacht, dass es auch das Unerreichbare ist. Sie zelebrieren ihr Scheitern und gewinnen damit. Der Bugatti, der auf ihr Geheiß hin, unbedingt 1001 PS haben musste, ist auch so ein verstörendes Werk.

Unzeitgemäß und nicht von dieser Welt - weswegen es gerade fasziniert. An der Zapfsäule muss der Motor abgestellt werden, weil das Benzin sonst nicht nachkommt, dachte ich, als ich ihn mal bei Aral tanken sah. Ich streichelte trotzdem übers Blech, als der Chauffeur gerade ausgiebig zahlte.

Kommentare (3)

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17.04.2012, 15:42 Uhr

"Warum eigentlich?" Äh, weil er erfolgreich ist und viele von ihm abhängig sind? Wie weiland im feudalistischem System die Kurfürsten.
Nicht für ungut - Herzlichen Glückwunsch.

aruba

17.04.2012, 17:34 Uhr

Guten Tag,.... Meine Hochachtung,... und mein Respekt. Er ist etwas problematisch ( um es sehr vornehm zu sagen ) im Umgang mit Untergebenen. Gleichwohl;... Beste Wuensche an diesen Mann, der einer der Wenigen ist;.. die wirklich wissen wovon die reden. Besten Dank

Skeptiker

17.04.2012, 17:57 Uhr

Weiß nicht, ob allein der 75ste es bei diesem Herrn rechtfertigt, überschwängliche Grüße zu formulieren. Hat fast genauso viel am Stecken wie Reuter. Will nun Ducati erwerben. Hat lange noch nicht fertig.
Ist das schon Stoff genug für Legenden?

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