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13.06.2013

12:36 Uhr

Zum Rückzug gedrängt

Britanniens Blessing tritt ab

VonSebastian Ertinger

Ganz wie Commerzbank-Chef Martin Blessing versucht Stephen Hester, eine Bank in teilweisem Staatsbesitz gesund zu schrumpfen. Doch der Verwaltungsrat setzt den Boss der Royal Bank of Scotland jetzt vor die Tür.

Stephen Hester, Chef der Royal Bank of Scotland, macht Platz für einen Neuanfang. dpa

Stephen Hester, Chef der Royal Bank of Scotland, macht Platz für einen Neuanfang.

DüsseldorfStephen Hester ist so etwas wie der Martin Blessing Großbritanniens. Beide sind Chefs teilverstaatlichter Institute: der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Commerzbank. Beide ringen damit, die Beteiligung der Öffentlichen Hand loszuwerden. Und beide halten in ihren Ländern als Prügelknaben für Politik und Medien her. Hester steht in Großbritannien wegen seines Gehalts in der Kritik, Blessing hat das auch schon hinter sich. Aber auch die Strategie wird immer wieder angezweifelt.

Doch während Blessing sich auch dank der Rückendeckung von Aufsichtsratschef Peter Müller halten kann, drängt das Kontrollgremium der RBS Hester nun zum Rücktritt. Ende des Jahres soll der 52-Jährige Platz machen für einen Nachfolger. Der soll dann die Privatisierung des Instituts einfädeln. Hester steht sein 2008 an der Spitze der RBS, nachdem sie mit rund 45 Milliarden Pfund durch die Steuerzahler gerettet werden musste. Die britische Regierung hielt 81 Prozent der Anteile.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

In einem weiteren Punkt unterscheiden sich die beiden: Commerzbank-Chef Blessing zog sich mit seinem Sanierungskurs und wegen mehrerer Kapitalerhöhungen den Unmut der Anleger zu. Hester kassierte dagegen von Investoren, Regierung und Analysten viel Lob für die Restrukturierung der angeschlagenen RBS. „Hester ist hoch angesehen und hat erwiesenermaßen unter den widrigen Umständen seinen Job so gut wie möglich gemacht, wenn man die politischen und regulatorischen Hintergründe bedenkt und den Druck von außen, der oft auf der Bank gelastet hat“, sagte Citi-Analyst Andrew Coombs.

Im Krisenjahr 2008 wies die Bank eine der größten Bilanzsummen auf. Dies war Teil des Problems. Hester trennte sich deshalb in großem Stil von risikoreichen Vermögenswerten und drückte die Kosten. Er selbst sprach von der „größten Sanierung der Wirtschaftsgeschichte“.

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