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22.07.2013

15:16 Uhr

Zusammenarbeit mit Chinesen

Middelhoff kündigt eigenes Comeback an

Thomas Middelhoffs Ruf ist vor allem durch die Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor angekratzt. Doch der Ex-Chef des Warenhauskonzerns und des Medienhauses Bertelsmann hat eine neue Aufgabe in Aussicht.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff: Ein europäischer Medienkonzern ruft. dpa

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff: Ein europäischer Medienkonzern ruft.

DüsseldorfEin großer europäischer Medienkonzern sollte angeblich die nächste Karrierestation von Thomas Middelhoff werden. „Die Sache ist so gut wie unter Dach und Fach“, sagte der Manager in einem Interview der Süddeutschen Zeitung. Er könne aber noch keine Details nennen. Wenig später berichtete die Financial Times, dass Middelhoff mit dem chinesischen Medienunternehmer Bruno Wu eine gemeinsame Investmentfirma gründen werde: BT Capital. Beide wollten gemeinsam Investments etwa in der Fernseh-, Film- und Internetbranche tätigen. Das Ziel sei es die erste weltweite Medien- und Investmentfirma zu gründen, die ihren Ursprung in China hat. Zunächst sollte vor allem in mittelgroße europäische Unternehmen investiert werden.

Middelhoff war in den vergangenen Jahren vor allem durch juristische Streitereien aufgefallen ist. So klagt er unter anderem gegen die Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim, über die er Millionen in Fonds investiert hatte. Gegen ihn läuft zudem ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit seiner Arbeit bei Arcandor. Er habe private Flüge von der Firma zahlen lassen.

Im Zeitungsinterview verteidigt Middelhoff sich und schiebt etwa die Schuld an der Insolvenz von Arcandor auf seinen Amtsnachfolger und ehemaligen Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. Dieser seit der „Totengräber von Arcandor“. Den Vorwurf, durch ein privates Investment in Karstadt-Immobilien einen Interessenkonflikt geschaffen zu haben, weist Middelhoff ebenfalls von sich. Er habe alle Beteiligungen dem Aufsichtsrat offen gelegt und keinen Einfluss auf die Fonds gehabt, denen die Karstadt-Häuser gehörten.

Der Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch fordert Millionen von Middelhoff vor allem wegen umstrittener Bonuszahlungen, die er ein halbes Jahr vor der Insolvenz des Unternehmens erhalten habe. Ein damaliges Aufsichtsratsmitglied hatte in einem Prozess die Zahlung aber als gerechtfertigt angesehen. Bei der Bewilligung sei zudem eine Insolvenz nicht in Aussicht gewesen.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Middelhoff war in den Jahren 1998 bis 2002 Vorstandschef von Bertelsmann, der Mutter des Fernsehsenders RTL und vieler weiterer Medienunternehmen. In dieser Zeit habe er sich wegen der mittelständischen Prägung des Unternehmens „Risse und Schäden“ zugezogen, sagte Middelhoff im Mai dieses Jahres. Danach habe er eigentlich von Vorstandsjobs abgeschworen, bei Karstadt aber „nicht kneifen wollen“. Dort hatte er von 2005 bis 2009 das Sagen.

Die Karstadt-Quelle-Erbin Madleine Schickedanz sei auch weiterhin gut auf ihn zu sprechen und habe ihn nicht auf Schadenersatz verklagt. Schickedanz hatte mit der Karstadt-Pleite ihr gesamtes Vermögen verloren. Die Erbin hatte bei Geldgeschäften – wie Middelhoff auch – auf den Vermögensverwalter Josef Esch vertraut, der enge Beziehungen zu Sal. Oppenheim pflegte. Esch zu vertrauen sein sein „schwerster Fehler“ gewesen, so Middelhoff.

Der gebürtige Düsseldorfer hat derzeit mehrere Mandate inne. Unter anderem ist er Verwaltungsratsmitglied bei der New York Times und Aufsichtsratschef der Pflegehauskette Marseille-Kliniken.

Von

mdo

Kommentare (18)

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falscheFAEHRTEN

22.07.2013, 10:19 Uhr

denke der steigt bei einer der süddländischen-portugal,spanien- berggruen medienbeteiligungen ein.

würde passen.

zwei lichtgestalten und versprecher auf gemeinsamer trübfischer wasser safari

you shake myday

Kapturak

22.07.2013, 10:56 Uhr

Was hat Middelhoff in der Vergangenheit geleistet, ausser smart auftreten zu können?
Nichts.

hedgehog

22.07.2013, 11:02 Uhr


Er hat mich damals sehr viel Geld gekostet. Bereits zu Middelhoffs Zeiten ist Arcandors Aktienkurs auf - soweit ich mich erinnern kann - rund 2,50 Euro abgestürzt. Nie mehr! Alle Mann in Deckung!

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