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22.01.2004

11:23 Uhr

Zweiter Tag im Mannesmann-Prozess

Ackermann: „Wo ist das Problem?“

Mit ersten Stellungnahmen der Angeklagten ist am Donnerstag der Mannesmann-Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht fortgesetzt worden. Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Joachim Funk, bezeichnete den Beschluss über die Ausschüttung der umstrittenen Prämien als "rechtlich in Ordnung". Ex-Vorstandschef Klaus Esser warf den Ermittlungsbehörden vor, seine Vorverurteilung betrieben zu haben.

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, im Innenhof des Düsseldorfer Landgerichts, Foto: dpa

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, im Innenhof des Düsseldorfer Landgerichts, Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Der wegen Beihilfe zur Untreue angeklagte Esser, der nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone einschließlich Pensionszahlungen gut 30 Mill. Euro erhalten hatte, verteidigte die Zahlungen. Der Bonus von 15,9 Mill. Euro war Belohnung für die Leistung, die aus der Sicht der Aktionäre einen großen Erfolg gebracht hat", sagte er in seiner Stellungnahme vor Gericht.

Zur Erklärung des Gerichts, es teile den Vorwurf der Käuflichkeit gegen Esser nicht, sagte der frühere Mannesmann-Chef: "Das Kartenhaus der Anklage hat durch das Herausnehmen einzelner Karten heute etwas Unwirkliches bekommen - es steht nicht mehr." Esser brauchte den ganzen Nachmittag für seine Ausführungen und wird sie nächste Woche fortsetzen.

Auch der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, dem schwere Untreue vorgeworfen wird, ist sich keiner Schuld bewusst. Er habe sich nicht bereichert und nach Wirtschaftsrecht richtig gehandelt. "Ich weiss nicht, wo strafrechtlich ein Problem liegen soll", betonte der Manager, der zur Zeit der Übernahme Mannesmanns durch Vodafone vor vier Jahren Mitglied des Mannesmann-Aufsichtsrates war

Esser und dessen Team hätten eine außerordentliche Zahlung für eine außerordentliche Leistung erhalten, sagte er mit Blick auf die Beträge in Millionenhöhe, die im Zusammenhang mit der Übernahme des Düsseldorfer Traditionsunternehmens durch Vodafone vor vier Jahren geflossen waren.

"Wir haben vernünftige unternehmerische Entscheidungen getroffen, wir haben keine Formfehler begangen und nichts überstürzt oder verheimlicht", betonte Ackermann. Das Unternehmensinteresse sei durch die Zahlungen an Vorstände und Pensionäre nicht geschädigt worden. Es sei Esser gelungen, den Börsenwert von Mannesmann zwischen 1994 bis 1999 von 7,5 auf 75 Mrd. Euro zu steigern. Zuletzt sei das Unternehmen mit rund 160 Mrd. Euro an der Börse bewertet worden. Beziehe man Essers Prämie auf den Börsenwert, so betrage sie nur 0,01 Prozent dieses Wertes, sagte der Chef der Deutschen Bank.

Beim Erwerb von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren sei es hektisch zugegangen, erklärte Ex-Aufsichtsratschef Funk: "Eine feindliche Übernahme ist kein von Muße geprägter Spaziergang durch einen Park." Manche Entscheidungen seien in Eile getroffen worden. "Die Situation glich einem Schlachtfeld", so Funk.

In dem spektakulären Verfahren geht es um Prämien und Pensionen an Mannesmann-Vorstände und Pensionäre von rund 57 Mill. Euro. Angeklagt wegen Untreue oder Beihilfe sind neben Funk, Ackermann und Esser auch der ehemalige Mannesmann-Personalvorstand Dieter Droste, Ex-Aufsichtsrat Jürgen Ladberg und der ehemalige Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel.

Der Gewerkschafter äußerte sein Unverständnis über die Anklage. Nach 50 Jahren Arbeit habe er sich viel vorstellen können, aber "niemals, dass ich eines Tages wegen Veruntreuung angeklagt sein könnte", sagte Zwickel. Alle Entscheidungen, an denen er beteiligt gewesen sei, waren nach seiner Überzeugung aktienrechtlich korrekt.

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