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04.03.2013

08:26 Uhr

Zwischen Arbeitsamt und Moschee

Muslimin hilft Migranten bei der Jobsuche

Sprachprobleme, veraltete Rollenbilder und unsichere Eltern: Eine Arbeitsagentur bei Stuttgart engagiert eine Muslimin als Berufsberaterin. Die Türkin hat sogar eine Liste mit Firmen, die Frauen mit Kopftuch einstellen.

Die Hemmschwelle für Migranten, in eine Behörde zu kommen, ist oft sehr hoch. dpa

Die Hemmschwelle für Migranten, in eine Behörde zu kommen, ist oft sehr hoch.

WaiblingenWenn Funda Doghan Schüler bei der Berufswahl berät, fluchen die öfters mal auf Türkisch. „Sprache spielt bei der Jobsuche eine wichtige Rolle“, sagt die 28-Jährige. Sie stammt selbst aus der Türkei und ist bei der Arbeitsagentur Waiblingen seit einem Jahr Beraterin speziell für junge Leute mit ausländischen Wurzeln.

Da Doghan an Allah glaubt, hat sie besonders zu Muslimen einen guten Draht. „Ich weiß, welche Regeln es im Islam gibt. Ich weiß, wie es ist, ein Migrant zu sein. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man nicht versteht, was auf Deutsch gesagt wird“, erzählt die junge Frau. „Da kann man offener reden.“

Tipps und Tricks zu Soft Skills

Authentizität

Ratgeber gibt es wie Sand am Meer - lassen Sie sich davon nicht verrückt machen. Die kennen die Personalchefs genauso. Vertrauen Sie stattdessen auf sich selbst und auf das, was in anderen Berufen auch schon geklappt hat.

Recherche

Überlegen Sie sich im Vorfeld gut, was tatsächlich in einer Position gefordert wird. Vielleicht entscheiden Sie sich dann selbst schon gegen eine bestimmte Stelle.

Ehrlichkeit

Überlegen Sie deshalb genau: Bringe ich die Kompetenzen wirklich mit? Rede ich zum Beispiel tatsächlich gerne mit Kunden? Oder reizt mich nur der Name eines bestimmten Unternehmens?

Ruhe

Bleiben Sie trotz Stress und Anspannung im Bewerbungsmarathon ruhig und verkrampfen Sie sich nicht. Zeigen Sie, wie Sie wirklich sind. Dann wissen beide Seiten, worauf sie sich einlassen.

Nachfragen

Nicht nur Bewerber stehen in der Bringschuld, sondern auch die Unternehmen. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch genau, welche Kompetenzen bei einer Stelle gefragt sind und welche Werte im Unternehmen sonst noch wichtig sind.

Stellenausschreibungen

Nicht immer steht in Stellenausschreibungen, was wirklich gefordert ist. Viele Unternehmen verwenden einige Begriffe immer wieder, weil sie einfach gut klingen. Auch da sollten sich Bewerber gut informieren, um für sich selbst die passende Stelle zu finden.

Eindruck

Bewerber müssen natürlich nicht jede Schwäche gestehen. Sie dürfen sich also selbst ruhig in ein gutes Licht rücken – und für vermeintliche Brüche oder Schwachstellen plausible Erklärungen finden.

Zwar haben nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sämtliche Arbeitsagenturen und Jobcenter im Land spezielle Migrationsbeauftragte. Das Modell in Waiblingen ist laut Sprecher Olaf Bentlage aber in Baden-Württemberg einmalig. Doghan geht als Berufsberaterin in Moscheen, zu Elternabenden oder besucht Frauencafés, um mit den Menschen Kontakt aufzunehmen.

Tipps für den Jobwechsel

Aktiv werden, statt frustriert sein

Lassen Sie sich nicht frustrieren. Im Gegensatz zu manch Anderen haben Sie das Glück, noch einen festen Job zu haben. Werden Sie aktiv, nutzen Sie die Zeit lieber, die Fühler nach Alternativen auszustrecken und Businesskontakte aufzubauen.

Den Jobwechsel gut abwägen

Bevor Sie das Handtuch werfen und den Jobwechsel ansteuern, hinterfragen Sie bitte alle Pro- und Contra-Punkte dieser Entscheidung. Haben Sie schon einen neuen Job in Aussicht bzw. wirklich sicher? Wunderbar! Zeichnet sich da noch so ganz und gar keine Alternative ab, harren Sie lieber noch ein wenig aus und nutzen Sie die Zeit dazu, aus gesicherter Position heraus auf Jobsuche zu gehen.

Seien Sie Stratege

Auch wenn Sie innerlich bereits gekündigt haben, lassen Sie sich bitte nicht dazu verleiten, im Team schlechte Stimmung zu verbreiten, den Chef durch den Kakao zu ziehen, nur noch das Notwendigste zu tun oder sich wie auch immer geartet zum Unternehmensfeind Nr. 1 zu machen.

Bewerben Sie sich aus sicherer Position heraus

Bewerben aus gesicherter Position heraus macht nicht nur aus finanzieller Sicht wesentlich entspannter, sondern bringt auch bessere Jobaussichten. Jeder Arbeitssuchende wird Ihnen bestätigen, dass es wesentlich schwerer ist, einen neuen Job zu finden, wenn man bereits ohne Anstellung ist. Gehen Sie deshalb nicht erst auf Jobsuche, wenn Sie bereits gekündigt haben, sondern fangen Sie damit bereits an, wenn Ihnen die ersten Kündigungsgedanken kommen.

Nutzen Sie Ihren Feierabend und das Wochenende – nicht die Arbeitszeit - gezielt dazu, sonst stehen Sie am Ende doch schneller auf der Straße, als gewünscht. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie sich selbständig machen möchten. Starten Sie damit aus gesicherter Position heraus und wagen Sie den Absprung erst, wenn ein gewisses finanzielles Polster und andere Sicherheiten vorhanden sind.

Steigern Sie Ihren Marktwert

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen, den Job zu wechseln, neigt man dazu, träge zu werden und den Joballtag damit zu verbringen, die Zeit totzuschlagen. Seien Sie klüger. Bilden Sie sich aktiv weiter und vertiefen Sie Ihr Wissen. Das erweitert nicht nur Ihre Fachkenntnisse, sondern erhöht zudem Ihren Marktwert. Natürlich gilt auch hier: Bitte nicht während der Arbeitszeit!

Knüpfen Sie ein Netzwerk von guten Kontakten

Nutzen Sie die Zeit im gesicherten Job dazu, aus Ihrer jetzigen Position heraus Kontakte zu knüpfen. An viele offene Stellen kommt man heutzutage über Vitamin B, also gute Beziehungen. Wer da die richtigen Leute kennt und durchschimmern lässt, dass er sich gerade beruflich neuorientiert, kann schneller zu einem neuen Job kommen, als geplant.

Zeigen Sie Präsenz

Nehmen Sie an fachrelevanten Veranstaltungen, regionalen und überregionalen Netzwerktreffen, Karriere- und Existenzgründermessen etc. teil oder tummeln Sie sich in Online Netzwerken wie z.B. Xing. Dabei sind auch private Aktivitäten förderlich. Wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Bekannte ja einen guten Tipp für eine offene Stelle. Wenn Sie eine eigene Firma gründen möchten, bauen Sie schon jetzt Kontakte zu potenziellen Kunden auf.

Luft anhalten und durch

Auch wenn es manchmal schwer fällt - reißen Sie sich am Riemen, atmen Sie beim nächsten Zoff mit den Kollegen lieber einmal mehr durch, anstatt laut zu werden und stehen Sie innerlich lächelnd über den Dingen. Schließlich haben Sie doch noch Größeres vor!

Quelle: www.careerbuilder.de

„Die Hemmschwelle, in eine Behörde zu kommen, ist oft sehr hoch“, sagt der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Jürgen Kurz. „Das ist anders, wenn wir auf die Leute zugehen. Dann sind wir die Gäste und sie in ihrem gewohnten Umfeld.“ Einigen sei auch nicht bewusst, dass die Angebote kostenlos sind. Neben der Sprachkompetenz sei bei Doghan ein Vorteil, dass sich die Sozialpädagogin selbst von der Hauptschule über die Fachoberschule bis zur Uni durchgekämpft hat.

Tipps für Bewerbung und Einstieg

Keine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Wer beim ersten Gespräch unangenehm auffällt, für den gibt es keine zweite Chance. Wir beurteilen Menschen in den ersten drei bis fünf Sekunden- dieser Eindruck bleibt haften. Personalreferenten wissen: Wer schon beim Vorstellungsgespräch ein Gespür dafür hat, was angemessen ist, der wird auch im Job Situationen richtig einschätzen.

Wer ruft wen an?

Das Bewerbungsgespräch ist gut überstanden. Jetzt beginnt die nächste Zitterpartie: Habe ich das Rennen gemacht? Soll ich nachfragen oder abwarten? Wer nicht tagelang das Telefon fixieren möchte, sollte dies schon beim Gespräch klären. Sagen Sie, dass Sie interessiert sind und fragen Sie, wie es weiter geht.

Bewerbungs-Outfit

Wenn Sie nicht gerade in einer Kinderkrippe oder für eine Rockband vorstellen, gilt für die meisten Branchen: Männer tragen Anzug und Frauen ein Kostüm. Bis Sie ein Gefühl dafür haben, wie Ihre Kollegen erscheinen, sollten Sie das beibehalten.

Die ersten Wochen

Nachwuchskräfte aufgepasst! Unsicherheit mit Coolness zu überspielen klappt nicht. Fragen Sie erfahrene Kollegen, lernen Sie die Gepflogenheiten des Unternehmens kennen. Üben Sie sich in Bescheidenheit- das erste große Projekt kommt bestimmt, und dann können Sie Ihrem Übermut freie Fahrt gewähren.

Auch wenn Sie privat andere berühren oder Gespräche aus nächster Nähe führen- kommen Sie Kollegen und Geschäftspartnern nicht zu nahe! Die Distanzzone liegt bei einigen bis zwei Metern.

Wer ist der Neue?

Neue Kollegen bedeuten Stress für alle, denn Ihre Mitarbeiter sorgen sich vielleicht, dass ihre Routine durcheinandergewirbelt wird oder dass ihr Job in Gefahr ist. Sympathiepunkte sammelt man jetzt durch Interesse und Respekt. Tipp: Schmeicheln Sie den neuen Kollegen, und machen Sie Bemerkungen über vergangene Projekte, die Ihnen gefallen haben.

Das gekonnte Selbstmarketing

Der erste Tag ist fast überstanden, dann soll man sich in großer Runde vor allen Kollegen vorstellen. Bereiten Sie sich gut vor. Wichtig ist, Berufserfahrung und Ausbildung sachlich und Knapp auf den Punkt zu bringen. Lenken Sie die Aufmerksamkeit dabei auf Ihre größten Erfolge. Verkaufen Sie nicht mehr, als Sie liefern können.

In der Ruhe liegt die Kraft

Nur wer in Stress- Situationen Höflichkeit und Respekt wahrt, beweist, dass er umgänglich ist. Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie Verärgerung nicht offen zeigen. Eine wutverzerrte Miene wirkt nicht souverän. Hören Sie sich die Argumente Ihres Gegenübers ruhig an. Beschreiben Sie, was Ihnen Probleme macht, ohne Kollegen zu beschuldigen.

Richtiger Umgang mit Mails

Gerade wenn man seinen Ansprechpartner nicht kennt, verfällt man oft in gestelztes Briefdeutsch. Besser ist es, so zu formulieren, wie man es mündlich tun würde. Allerdings sollte ein guter Ton gewahrt bleiben: Verzichten Sie unbedingt auf saloppe Smileys und auf Abkürzungen („MFG“ statt „Mit freundlichen Grüßen“). So viel Zeit sollte sein.

Grundkurs Netikette

Nur weil es eine E-Mail ist, sollten Sie nicht automatisch "Hallo Frau Meyer" oder "Lieber Herr Müller" schreiben. Das "Sehr geehrte Frau Schulze" ist durchaus nicht altmodisch. E-Mails erreichen ihre Adressaten schnell- das heißt aber nicht, dass diese ebenso schnell antworten müssen. Geben Sie ihnen zwei bis drei Tage Zeit, oder vermerken Sie in der E-Mail, dass es eilt. Entgegen allen Gerüchten: Großbuchstaben sind noch nicht aus der Mode. Rechtschreibung und Grammatik sind auch bei E-Mails essenziell.

Ordnung muss sein! Vergessen sie nie eine aussagekräftige Betreffzeile, denn die hilft dem Empfänger, seine E-Mail-Flut zu ordnen. Anlagen sollten Sie in gängigen Dateitypen verschicken und darauf achten, dass Sie mit großen Datenmengen nicht das Postfach des Adressaten verstopfen.

Entspannungsphase

Im Meetingraum, beim Geschäftsessen oder bei offiziellen Anlässen dürfen Sie Ihr Jackett oder ihre Kostümjacke erst ablegen, wenn die Gastgeber Sie dazu auffordern oder es vormachen. Stoßen sie zu einer Gruppe, die sich bereits "entspannt", fragen Sie erst. Werden Ihnen Getränke angeboten, sollten Sie annehmen. So geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, ein guter Gastgeber zu sein. Mit exotischen Wünschen (Bananensaft, Brennnessel-Tee) bringen Sie Ihren Gastgeber allerdings in Verlegenheit.

Quelle: www.trust-wi.de

In den Gesprächen bekommt Doghan zu spüren, dass bei Migranten traditionelle Strukturen stärker verankert sind. „Damit ist auch das Rollenbild viel ausgeprägter“, berichtet sie. So wollten Mädchen oft Erzieherin werden und hätten Probleme, den Wunsch nach einem technischen Beruf zu äußern. „Dann kann ich sagen, dass auch im Koran berufliche Selbstverwirklichung gewollt ist.“

Jungen legten Wert auf möglichst repräsentative Jobs bei möglichst großen Namen. „Das ändert sich jetzt langsam, weil die Kulturen miteinander verwachsen.“ Dennoch gebe es spezifische Probleme. Sie habe beispielsweise eine Liste angefertigt mit Unternehmen, die Frauen mit Kopftuch anstellen.

Ein weiteres Manko: Viele Jugendliche kennen nur wenige Jobs wie Mechatroniker oder Kaufmann, sagt Geschäftsführer Kurz. „Dabei gibt es knapp 350 anerkannte Ausbildungsberufe.“ Mit rund 13 Prozent ist der Ausländeranteil im Einzugsgebiet der Waiblinger Arbeitsagentur nach deren Angaben überdurchschnittlich hoch. Bundesweit liege er bei neun Prozent.

Doghan legt bei ihrer Arbeit auch viel Wert auf die Eltern der jobsuchenden Schüler. Diese seien oft unsicher, weil sie das deutsche Ausbildungssystem mit Möglichkeiten wie dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nicht kennen oder Sprachprobleme haben. Da helfen schon Kleinigkeiten wie ein Kalender in Doghans Büro mit türkischen und arabischen Feiertagen. „Ich werde als Teil der Community akzeptiert.“

Rund 120 Ratsuchenden hat das Projekt in Waiblingen, das erstmal bis Ende des Jahres befristet ist, bereits geholfen. Eine allgemeine Bewertung will Agenturchef Kurz noch nicht vornehmen. „Für jeden Jugendlichen, den wir zusätzlich, früher und besser in die Ausbildung bringen konnten, hat das was gebracht.“

Von

dpa

Kommentare (11)

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eksom

04.03.2013, 09:14 Uhr

Im KORAN gibt es kein Kopftuch! Dieses Stück Stoff ist nur ein Symbol für bestimmt islamische SEKTEN!

Das "islamische Kopftuch" ist ursprünglich sicherlich eine soziale Konvention gewesen, wie sie heute auch noch in gewissen Teilen Europas fortbesteht. Dessen Islamisierung ist vielleicht einem Prozess der islamischen Sittengeschichte zuzuschreiben. Eine diesbezügliche religiöse Vorschrift lässt sich aber durch den koranischen Text in keiner Weise begründen. Was aber die sonstigen Koranpassagen angeht, auf die man sich insoweit beruft, so sind sie noch weniger aussagekräftig. Ihre Erörterung wird einer weiteren philologischen Analyse vorbehalten.

Quelle: Christoph Luxenburg: Der Koran zum "islamischen Kopftuch". Zu Sure 24:31. In: imprimatur 2/2004. www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur, Stand 28.6.2005.

Account gelöscht!

04.03.2013, 09:21 Uhr

Hilft das wirklich der Integration der Muslime? Sie wollen in Deutschland leben. Also sollten sie sich auch mit den deutschen Gepflogenheiten befassen.
Sie werden nicht ständig jemand an der Seite haben, der ihnen alles in ihrer Heimatsprache verständlich macht.

Übrigens, ich dachte mal gelesen zu haben, daß beispielsweise in der Türkei Kirche und Staat getrennt sind, weshalb das Tragen eines Kopftuches dort in den Behörden untersagt sei. Wenn dies dort so ist, sollte das nicht auch bei uns gelten dürfen?

Sarina

04.03.2013, 09:42 Uhr

„Die Hemmschwelle, in eine Behörde zu kommen, ist oft sehr hoch“, sagt der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Jürgen Kurz.
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Deshalb erscheinen sie auf deutschen Behörden auch immer gleich im Pulk - mit allen Brüdern. Und deshalb mussten die meisten Behörden externe Sicherheitskräfte einstellen, damit die lieben Migranten (sic!) auch nicht in ihre anatolischen Sitten verfallen ......

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