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11.03.2004

08:10 Uhr

Unternehmer hoffen auf Senkung der Arbeitskosten

Mittelständler sehen Erweiterung mit Skepsis

Europas Mittelständler sehen der Erweiterung der Europäischen Union am 1. Mai mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Zwar erwarten viele Unternehmer eine deutliche Senkung der Arbeitskosten, doch rechnen nur relativ wenig mit verbesserten Absatzchancen.

law DÜSSELDORF. Europas Mittelständler sehen der Erweiterung der Europäischen Union am 1. Mai mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Zwar erwarten viele Unternehmer eine deutliche Senkung der Arbeitskosten, doch rechnen nur relativ wenig mit verbesserten Absatzchancen. Ausgerechnet in Deutschland, das bereits jetzt am stärksten von der Anbindung der Nachbarn im Osten profitiert, zeichnen sich die Unternehmer durch eine skeptische Haltung aus. Das ergab eine repräsentative Umfrage in neun EU-Mitgliedsländern im Auftrag der internationalen Wirtschaftsprüfer-Organisation Grant Thornton, die dem Handelsblatt vorliegt.

Nur ein Zehntel der britischen und ein gutes Drittel der deutschen Mittelständler erwartet demnach steigende Umsätze in den neuen Mitgliedsländern der Union, vor allem in Polen, Tschechien und Ungarn. Optimistischer sind dagegen die Franzosen und Griechen, die mehrheitlich auf bessere Absatzmöglichkeiten setzen. EU-weit rechnen 37 Prozent der Mittelständler mit wachsenden Umsätzen im künftigen europäischem Binnenmarkt, der durch die Beitritt von zehn Ländern immerhin auf 457 Millionen Konsumenten erweiterte wird.

Für deutsche Unternehmer zählen in erster Linie Kostenargumente: 57 Prozent sind hier zu Lande der Ansicht, dass die EU-Erweiterung den Preis der Arbeit verbillige. Europaweit sind dagegen nur 38 Prozent dieser Ansicht. Sogar mehr als zwei Drittel der deutschen Mittelständler erwarten ein größeres Arbeitskräfte-Angebot im eigenen Land durch den Zustrom aus Osteuropa. Einen besseren Zugang zu billigeren Importen erhofft sich gut die Hälfte der Deutschen.

Große Übereinstimmung quer über den Kontinent herrscht bei den Potenzialen der einzelnen Beitrittskandidaten: 60 Prozent der Befragten halten Polen für den aussichtsreichsten Markt - das neue EU-Mitglied mit der größten Volkswirtschaft und der bei weitem größten Bevölkerung. Auf den folgenden Plätzen landen Ungarn, Tschechien sowie die Slowakei. Die deutlich kleineren Länder Slowenien, Litauen, Lettland, Estland, Zypern und Malta spielen kaum eine Rolle.

Auch die Kehrseite der EU-Erweiterung ist den befragten Mittelständlern bewusst: Jeder Dritte erwartet einen Anstieg der Bürokratie und jeder Vierte höhere Steuern. Jeder Vierte rechnet zudem mit einem Rückgang ausländischer Investitionen auf seinem eigenen Markt. Ein Drittel der Mittelständler befürchte außerdem einen zunehmenden Konkurrenzdruck im Heimatmarkt und innerhalb der EU insgesamt. In Deutschland sehen sich sogar 42 Prozent der Mittelständler einem verschärften Wettbewerb gegenüber.

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