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09.02.2001

10:22 Uhr

Unterschiedliche Grenzen und Begriffe für das Einkommen

Tipps und Tricks bei der staatlichen Bauförderung

VonReiner Reichel

Wer gut verdient und von der staatlichen Bauförderung profitieren möchte, kommt mit einigen Tricks zum Ziel.

Für Clara und Claus Clever aus Schlaudorf wird dieses Jahr ganz besonders turbulent: Sie werden zum zweiten Mal Eltern und wollen ein Haus bauen. Zwar haben die Investmentbankerin und der Netzwerk-Spezialist in den vergangenen Jahren gut verdient - aber eine Finanzspritze täte jetzt trotzdem gut.

Eines ist klar: Wenn ihre Einkünfte zusammen wieder über 330 000 DM liegen werden, können sie Eigenheim-, Öko-Zulage und Baukindergeld vergessen. Ihre Gesamteinkünfte dürfen bei zwei Kindern für dieses und das Vorjahr zusammen 440 000 DM nicht übersteigen. Doch wie sollen sie in diesem Jahr unter 110 000 DM bleiben? Schließlich hat allein Claus vergangenes Jahr schon 110 000 DM verdient und außerdem gibt es noch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (VuV) und aus Kapitalvermögen. Und trotz Babypause wird Clara noch auf 10 000 DM Gehalt kommen. Zusammengerechnet wären dies 130 000 DM.

Doch statt 3 000 DM VuV-Einkünfte aus der vermieteten Eigentumswohnung wird es wohl 1 000 DM Verlust geben. Das Dach muss repariert werden. Außerdem werden sie das Wertpapierdepot plündern. Verkauft wird nur, was mindestens zwölf Monate im Depot lag. Das setzt Eigenmittel für den Hausbau frei und senkt die Kapitaleinkünfte unter den Sparerfreibetrag von 6 200 DM (inkl. Werbungskosten). So fallen 7 000 DM Kapitaleinkünfte weg. Der Gesamtbetrag der Einkünfte schmilzt dadurch auf 119 000 DM, weil nicht nur 10 000 DM Einkünfte verloren gehen, sondern auch noch 1 000 VuV-Verluste abgezogen werden können. Statt sich Überstunden auszahlen zu lassen, wird Claus in diesem Jahr auf jeden Fall Freizeitausgleich nehmen - wodurch die Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit um 12 000 DM abnehmen. Und mit der teuren Fortbildung in Netzwerktechnik, die der Chef partout nicht zahlen will, kommen - Fahrt-, Übernachtungskosten und Verpflegungsmehraufwand eingerechnet - weitere 7 000 DM Werbungskosten zusammen. Die neue Entfernungspauschale bringt Fernpendler Clever sogar 1 000 DM mehr Werbungskosten. Das Ziel ist erreicht: Bei 99 000 DM Gesamtbetrag der Einkünfte ist sogar noch ein Sicherheitspolster zur Einkommensgrenze drin.

Nun kassiert Familie Clever acht Jahre lang jeweils 5 000 DM Eigenheimzulage, 3 000 DM Baukindergeld, 400 DM Öko-Zulage, weil sie ein Niedrigenergiehaus bauen und weitere 500 DM, weil sie Energiespartechnik einbauen - macht zusammen 71 200 DM. Hinzu kommen 3 600 DM Erziehungsgeld für die ersten sechs Lebensmonate des zweiten Kindes. Dass der VuV-Verlust in diesem Fall nicht mitzählt, macht nichts. Mit 100 000 DM als Summe der positiven Einkünfte ist die Einkommensgrenze sogar schon vor Abzug von 27 Prozent Pauschale erreicht. Im nächsten Jahr kann das Einkommen ruhig wieder steigen. Für die Bauförderung spielt es keine Rolle mehr, und die Grenze für weitere Erziehungsgeldzahlungen ist ohnehin unerreichbar.

Doch so schön geht die Rechnung nur in Ausnahmefällen auf. Wenn es mit der Einkommensgrenze für die Bauförderung eng wird, hilft womöglich ein Tipp von Harald Hafer: "Lassen Sie sich getrennt zur Steuer veranlagen." Wenn dann ein Ehepartner die Förderbedingungen erfüllt, gebe es wenigstens 50 Prozent der Fördermittel, erläutert das Vorstandsmitglied im Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine.

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