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14.06.2000

14:19 Uhr

Unterschriftenaktion zur Versicherung von Atomkraftwerken

Ärzte fordern volle Haftpflicht für deutsche Kernkraftwerke

Zeitgleich zu den Atomkonsensgesprächen in Berlin hat die internationale Ärzteorganisation für die Verhütung eines Atomkrieges IPPNW in Bayern eine bundesweite Unterschriftenaktion zur Versicherung der deutschen Kernkraftwerke gestartet.

ap MÜNCHEN. Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem Bund Naturschutz in Bayern und der Neuen Richtervereinigung fordern sie die Bundesregierung auf, für den Betrieb von Atomkraftwerken eine volle Haftpflichtversicherung vorzuschreiben, wie die Ärzteorganisation am Mittwoch in München mitteilte.

Die derzeitige Versicherungspflicht für Atomkraftwerke deckt nach Angaben von IPPNW-Mitglied Ellis Huber mit einer Mrd. DM nur einen Bruchteil der möglichen Schäden eines Reaktorunfalles. Schließlich sei bei einem Super-GAU, der in Deutschland mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Prozent eintreten könne, nicht nur die Gesundheit bedroht.

Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet im Katastrophenfall laut IPPNW immerhin mit Schäden in Höhe von fünf bis zehn Billionen DM. Eine Entschädigung von Bevölkerung und Unternehmen sei mit der bisherigen Versicherung nicht möglich. Die Ärzteorganisation fordert Betriebshaftpflichtversicherung mit ausreichender Deckung für alle Gesundheits-, Sach- und Vermögensschäden.

Neben dem CDU-Politiker Norbert Blüm unterstützen nach IPPNW-Angaben unter anderem auch die Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt, der SPD-Bundestagsabgeordnete und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, sowie die Katholische Landjugend die Aktion "Sofort volle Haftpflichtversicherung für die deutschen Atomkraftwerke".

Die von der Bundesregierung geplante Erhöhung der von den Betreibern zu tragenden Versicherungssumme von 500 Mill. auf fünf Mrd. DM hält Sebastian Schönauer vom Bund Naturschutz in Bayern für völlig unzureichend. "Welchen Sinn soll es machen, wenn durch die Versicherung statt 0,01 dann 0,1 % der erwarteten Schäden abgedeckt ist?", fragte er.

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