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15.01.2001

15:53 Uhr

Untersuchung der Universität Essen

Studie: Augenkrebs durch häufige Handy-Benutzung?

Untersuchungen der Universität Essen lassen einen entsprechenden Zusammenhang vermuten. Experten bezweifeln jedoch die Aussagekraft der Studie.

dpa/rtr ESSEN. Einen möglichen Zusammenhang zwischen Augenkrebs und der häufigen Benutzung von Handys hat eine Untersuchung an der Universität Essen aufgewiesen. In der Studie seien 118 Krebspatienten der Essener Augenklinik mit einer Kontrollgruppe aus 475 nicht an Augenkrebs leidenden Menschen verglichen worden, teilte die Uni am Montag auf Anfrage mit. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Melanom-Patienten häufiger das Handy benutzten als die Menschen der Kontrollgruppe. Das Ergebnis der Untersuchung wurde in der US- Fachzeitschrift "Epidemiology" (Bd. 12, Januar 2001) veröffentlicht.

Unklar sei bislang noch, wie die elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen Krebs hervorrufen könne. Es sei jedoch bekannt, dass die Wasserbestandteile des Auges die Aufnahme der Strahlung unterstützen, heißt es in der Zeitschrift.

Einer der Autoren der Untersuchung, Andreas Stang von der Universitätsklinik Essen, wies am Montag jedoch zugleich auf die Beschränkungen der Studie hin. Für Hysterie bestehe kein Anlass, sagte Stang der Nachrichtenagentur Reuters. Welcher Menge von Strahlung die Testpersonen ausgesetzt waren, sei von der Studie nicht erfasst worden, sagte Stang. Zudem sei die untersuchte Gruppe relativ klein, was auch daran liege, dass Augenmelanome extrem selten seien. Sie träten pro Jahr nur in einem von 100 000 Fällen auf. Ein Bronchialkarzinom trete beispielsweise mehr als hundert Mal so häufig auf.

Der Professor für Augenheilkunde am Klinikum der Freien Universität Berlin, Michael Foerster, äußerte Zweifel an der Aussagekraft der Studie. "Das Problem mit der Studie ist, dass nicht gemessen wurde, wie viel Strahlung die untersuchten Personen aufgenommen haben", sagte Foerster. "Ohne eine solche detaillierte energetische Untersuchung sind die Ergebnisse biostatistischer Müll." Ein weiteres Problem sei, dass man in der Großstadt größeren Magnetfeldern ausgesetzt sei, als ein Handy sie erzeuge. Deshalb sei es schwierig, zwischen der Wirkung von Handys und den anderen Magnetfeldern zu unterscheiden.

Die Sprecherin des Bundesumweltministeriums, Frauke Stamer, sagte, ihr Ministerium habe die Studie angefordert und werde sie prüfen. Man nehme Hinweise zu möglichen Gesundheitsgefährdungen durch Handys ernst und werde ihnen nachgehen.

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