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14.01.2001

15:15 Uhr

ap KÖLN. Investment- und Pensionsfonds sowie Versicherungen drehen nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kräftig am Rad der Finanzmärkte. Diese so genannten institutionellen Anleger hantieren mit enormen Summen und haben daher - vor allem in den USA - ganz erheblichen Einfluss auf die Unternehmen, an denen sie beteiligt sind. In Deutschland sei dies - noch - anders.

In den großen OECD-Ländern seien die von institutionellen Investoren verwalteten Mittel zwischen 1990 und 1998 von 13,5 Billionen auf mehr als 30 Billionen Dollar (mehr als 60 Billionen DM) gestiegen. Mehr als die Hälfte davon seien 1998 von amerikanischen Anlageprofis in den von ihnen betreuten Depots investiert worden. Deutschland hinke mit nur 1,5 Billionen Dollar hinterher.

Auf lange Sicht sei wichtig, dass in den Industrienationen immer mehr Geld für die Altersvorsorge zurückgelegt werde. "Viele sparen dabei nicht direkt in Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren, sondern kaufen Kapitallebensversicherungen oder lassen das Geld von Fonds-Experten breit streuen", berichtet das IW.

In den USA, Großbritannien und den Niederlanden spielten zudem Pensionsfonds der betrieblichen Altersvorsorge für das Anlagegeschäft eine zentrale Rolle. "Von ganz anderem Kaliber als in Deutschland sind daher die Einflussmöglichkeiten, die institutionelle Anleger in den Vereinigten Staaten auf die börsennotierten Unternehmen haben."

Die USA und Deutschland spielten hier in zwei unterschiedlichen Klassen: Die institutionellen Anleger jenseits des Atlantiks machten ihr Gewicht als Anteilseigner bei der Unternehmenskontrolle gehörig geltend. "Allein zwei der renommiertesten US-Pensionsfonds, die vorwiegend Gelder von öffentlich Bediensteten anlegen, verwalten zusammen fast 480 Mrd. Dollar", berichtet das IW.



Internationale Anleger haben hiesige Märkte im Visier



Die Fondsmanager erwarteten gute Renditen und sorgten für eine ausgeprägte Shareholder-Value-Orientierung des jeweiligen Unternehmens. Die Geldexperten würden darauf drängen, dass Firmen mit einer schwachen Rendite-Entwicklung sich auf ihr Kerngeschäft konzentrierten und ihre Effizienz durch Umstrukturierung erhöhten.

In Deutschland würden die institutionellen Anleger dagegen - gemessen an den amerikanischen Giganten - nicht nur als Fliegengewichte in den Ring gehen, sondern seien auch noch zurückhaltender, was Unternehmensbeteiligungen angehe. "In den Portfolios deutscher institutioneller Anleger beträgt der Aktienanteil gut ein Fünftel, in den USA sind es 50 % und in Großbritannien 65 %."

Hinzu komme, dass viele große deutsche Investmentfondsgesellschaften als Tochterunternehmen einem Kreditinstitut angehörten. Damit sprächen die Großbanken eine gewichtiges Wort in Sachen Unternehmenskontrolle mit.

Gleichwohl müssten sich die Investmentfonds und Aktiengesellschaften in Deutschland auf rauere Zeiten einstellen: "Internationale institutionelle Anleger strecken ihre Fühler immer weiter auf die hiesigen Märkte aus". Der öffentliche US-Pensionsfonds CalPERS etwa fordere Reformen der deutschen Unternehmenskontrolle. So solle zum Beispiel die Rechnungslegung transparenter und die Überkreuzverflechtung geringer werden.



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