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05.06.2000

14:41 Uhr

Untersuchung überschattet Börsengang

Monti nimmt Telia wegen möglichem Machtmissbrauchs ins Visier

Die schwedische Telefongesellschaft Telia AB, Stockholm, ist ins Visier von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti geraten.

vwd BRÜSSEL. Er verdächtige das Unternehmen, seine marktbeherrschende Stellung im Bereich Breitbandkabel auszunutzen, sagte dessen Sprecher am Montag und bestätigte damit einen Bericht der schwedischen Wirtschaftszeitung "Dagens Industri".

Anlass sei eine Beschwerde eines schwedischen Breitbandanbieters, wonach das Noch-Staatsunternehmen den Zugang zu dem liberalisierten Markt absperre. Die Beschwerde liege der EU-Kommission schon seit Oktober 1999 vor. "Wir sammeln derzeit Informationen", so Montis Sprecher in Brüssel.

Die Untersuchung der EU-Wettbewerbshüter könnten den Börsengang von Telia überschatten. Die Gesellschaft soll am 13. Juni an der Börse in Stockholm erstnotiert werden. Das schwedische Parlament hatte die Regierung Mitte Mai ermächtigt, bis zu 49 % der Anteile zu verkaufen. Telia hatte Anfang Mai mitgeteilt, dass die Nachfrage nach Internet- und Breitbandzugängen stark zunehme. Das Engagement in diesem Sektor solle die Marktposition und das langfristige Wachstum stärken, so Telia. Der Beschwerdeführer werfe dem Monopolisten vor, den Marktzugang zu Haushalten, etwa über die Preisgestaltung, künstlich abzuschotten, so der Sprecher Montis.

Die Untersuchung ist nach dessen Worten in einem Zwischenstadium. Sowohl Telia als auch der Beschwerdeführer würden derzeit gehört. Für Schlussfolgerungen sei es daher noch zu früh, ergänzte er. Die EU-Kartellbestimmungen sehen vor, dass am Ende einer Untersuchung ein formelles Verfahren stehen kann. Sollten sich die Vorwürfe der EU-Wettbewerbshüter dann als gerechtfertigt herausstellen, droht dem Unternehmen ein empfindliches Bußgeld, das bis zu zehn Prozent des Umsatzes betragen kann. Die Kommission hat diesen Rahmen jedoch noch nie auch nur annäherend ausgenutzt. "Dagens Industri" berichtete, Telia verstecke dieses Risiko "in den Tiefen ihres Börsenprospekts".

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