Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2000

19:00 Uhr

US-Aktien verzeichnen zurzeit die höchsten Kursausschläge seit 15 Jahren

Die Achterbahnfahrt geht weiter

Experten prognostizieren bis Jahresende weitere Kurskorrekturen. Anleger würden bei Biotech- und Internetwerten selektiver.

su NEW YORK. Den Wertpapierhändlern in den USA steht eine kurze Woche bevor: Am Dienstag, dem Nationalfeiertag des Landes, sind die Börsen geschlossen, und am Montag ist bereits Mittags Schluss. Das lange Wochenende machte sich am vergangenen Freitag schon bemerkbar: Das an diesem Tag an der New Yorker Börse gehandelte Volumen lag weit unter dem normalen von rund 800 000 Aktien.



Der wichtigste Impuls für die US-Börsen kam in der vergangenen Woche von der Zinsentscheidung der US-Notenbank. Am Mittwoch gab Fed-Chef Alan Greenspan bekannt, dass die Leitzinsen vorerst nicht erhöht würden.



"Die letzte Erhöhung um 50 Basispunkte war ein Wendepunkt", sagt Timothy Ghriskey, Portfolio-Manager bei Dreyfus, über die Zinserhöhung am 16. Mai. Das nächste Treffen des Offenmarkt-Ausschusses steht nun im August an. "Die Zinserhöhung im Mai war die letzte in absehbarer Zukunft", glaubt Merrill Lynch-Ökonom Gerald Cohen. Die Inflationsgefahr, die möglicherweise aus den hohen Benzinpreisen erwachsen könne, hält er für vorübergehend. "Die Konjunktur wird weiter abkühlen." Andere Analysten sind der Ansicht, dass die hohen Spritpreise die Konjunktur verlangsamen könnten, weil das Geld für andere Ausgaben fehle.



Am Freitag ging auch die erste Hälfte des Handelsjahres zu Ende. Die ersten sechs Monate waren gekennzeichnet von starken Schwankungen vor allem bei kleinen und mittleren Werten und deutlichen Korrekturen bei den Technologie-Aktien. Nur die Marktführer unter den Technologiewerten konnten sich wirklich wieder erholen, sagt L. Keith Mullins, Analyst beim Investmenthaus Salomon Smith Barney. "Wir glauben, auch in der zweiten Hälfte des Jahres wird die Volatilität hoch bleiben, weil sich die Korrekturen im Markt fortsetzen", führt Mullins weiter aus. "Wir haben die höchsten Schwankungen seit 15 Jahren."



Einige der stärksten Bewegungen gab es in den Sektoren Biotechnologie und Internet. Die Biotechnologie-Werte gehörten Anfang des Jahres zu den Lieblingen der Anleger, angestachelt unter anderem durch Meldungen, dass das menschliche Erbgut noch in diesem Jahr entziffert werde. Doch die Blase platzte zunächst im März: Der Biotech-Index der American Stock Exchange, der sich bis Mitte März verdoppelt hatte, büßte sämtliche Gewinne innerhalb von fünf Wochen wieder ein. Seitdem hat er sich jedoch wieder erholt und in zehn Wochen um fast zwei Drittel zugelegt.





Auch Marktführer brechen an der Börse ein



Ähnliche Achterbahnfahrten haben Internet-Aktien hinter sich. Selbst Marktführer wie Amazon und Yahoo waren in den ersten sechs Monaten nicht vor starken Einbrüchen sicher. Amazon beendete das erste Halbjahr bei gut 36$, nachdem der Wert vor Weihnachten für rund 70$ mehr gehandelt wurde. Von der Umschichtung der Anlagen hat vor allem der Gesundheitssektor profitiert, angefangen bei den Versicherern bis hin zu den Arzneimittelherstellern. Hinzu kamen Immobilienfonds, Energiekonzerne und Halbleiterhersteller.



Mullins erwartet jedoch nicht, dass die Anleger den beiden für die Zukunft sehr attraktiven Sektoren Biotech und Internet ganz den Rücken kehren werden. "Investoren werden in nächster Zeit wohl ein wenig selektiver vorgehen", erläutert der Experte, "und sich Unternehmen mit guten Gewinnaussichten, adäquater Finanzierung und Führungspositionen in ihrer Branche aussuchen." Möglicherweise ende der Abwärtstrend bis zum Jahresende, und kleine und mittlere Werte würden wieder attraktiv.



Aufpassen müsse aber auch, wer auf die Bewertung der Aktien achtet. Diese sei im Durchschnitt nach wie vor über ihrem historischen Mittelwert, sagt Mullins. Das deute auf einen möglichen Einbruch hin.



Die drei in der Öffentlichkeit meistbeachteten Indizes haben im ersten Halbjahr verloren. Der Index der 30 wichtigsten US-Industrieunternehmen, der Dow Jones, gab seit Jahresbeginn fast ein Zehntel ab; der breiter gefasste S&P 500 verlor mehr als ein Prozent und der Index der technologielastigen Nasdaq gab um knapp drei Prozent nach.

Für das zweite Halbjahr erwartet Mullins "die Vollendung der gegenwärtigen Korrekturen, geringere Bewertungen der Aktien und einen Rückgang bei den Börsengängen". Aktien von Dienstleistern und führenden Technologieunternehmen würden in den kommenden Monaten jedoch gute Gewinne bringen.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×