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13.01.2003

08:20 Uhr

US-Anbieter für das laufende Jahr optimistisch

Unterhaltungselektronik auf dem Digi-Trip

VonAxel Postinett

Die US-Anbieter von Unterhaltungselektronik wollen 2003 einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Dollar erzielen. Dabei soll das Digitalgeschäft die Einbrüche bei Analoggeräten überkompensieren.

LAS VEGAS. Die amerikanische Unterhaltungselektronikbranche sieht das laufende Jahr mit großem Optimismus. Nachdem schon das Krisenjahr 2002 mit einem Umsatzplus von 3,7 % auf 66,2 Mrd. $ abgeschlossen werden konnte, wird für das laufende Jahr der Sprung über die magische 100 Mrd. $-Marke in Angriff genommen. Das anspringende Digitalgeschäft soll die immer stärker werdenden Einbrüche im Geschäft mit klassischen Analoggeräten überkompensieren. Wie im Vorjahr werden Videospielkonsolen und Spielesoftware als die "großen Gewinner" aus dem Markt gehen, erklärte der amerikanische Branchenverband Consumers Electronics Association (CEA), auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

Der CEA rechnet mit "konservativ" geschätzten 99,5 Mrd. $ Umsatz für 2003. Vom Handelsblatt befragte Branchenexperten prognostizieren Umsatzsteigerungen von bis zu sieben Prozent. "Wir sind für 2003 sehr optimistisch", erklärte etwa Executive Vice President Gottfried Dutiné vom Branchenriesen Philips. Philips setzt weltweit rund 9 Mrd. $ mit Unterhaltungselektronik um, davon knapp zwei Milliarden in den USA.

Dutiné rechnet mit 3 bis 6 Prozent Marktwachstum in den USA, Philips selber will dabei deutlich stärker wachsen, also Marktanteile gewinnen.Der enorme Boom bei DVD-Rekordern soll dabei helfen: Bei DVD+ RW-Rekordern hat Philips schon jetzt nach eigenen Angaben 60 % Marktanteil in den USA (Europa 82 %). Tendenz steigend. Vice President Robert Greenberg von Panasonic USA hält sogar "7 bis 8 Prozent Marktwachstum" für möglich. Die Wachstumsträger sollen dabei Groß-TV-Geräte im Sog des DVD-Booms sein sowie digitale Photoapparate.

Im abgelaufenen Jahr hatten nach Angaben des Branchenverbandes CEA aber speziell auch massive Umsatzsteigerungen bei Videospielkonsolen und Software die Bilanz gerettet. Ein sattes Plus von 15 % auf den Rekordwert von 11,5 Mrd. $ glich den gleichzeitigen Preisverfall bei alter Technik wie etwa Videorekordern aus.

Greenberg: "VHS-Video-Recorder verkaufen wir heute für 39 bis 49 $ ab." Zu verdienen sei da nichts mehr. Tom Edwards, Senior-Analyst beim Marktforscher NPD Group zeigte sich im Rahmen einer CES-Veranstaltung ebenfalls besorgt über den Margenverfall: "Im US-Weihnachtsgeschäft profitierten die Kunden von niedrigen Preisen und die Unternehmen von hohen verkauften Stückzahlen - allerdings zu Lasten der Margen." Die Branche hofft jetzt, dass die Verkäufe alter Technik zunehmend durch Verkäufe neuer, margenstärkerer Digitalgeräte ersetzt werden. Philips-Mann Dutiné: "Schon letztes Jahr ist unser Digitalgeschäft um 140 % gewachsen." Als problematisch erachten Experten mittlerweile die Situation in der "klassischen" HI-Fi-Audio-Technik. Frank Sadowski, Vice President bei Amazon.com zum Weihnachtsgeschäft: "Der Hi-Fi-Markt wie wir ihn kennen ist praktisch tot."Konsequenzen daraus hat zumindest schon Sony gezogen. Der Konzern sieht sich im margenstarken, wachsenden Digitalmarkt gut aufgestellt und will bald sein "Cocoon" (Connected Communities Network) auf den US-Markt bringen, ein Audio/Video-basiertes Heimnetzwerk, das alle Sony-Consumerelektronikprodukte zusammenbringen soll.

Der gute alte Fernseher soll dabei eine fulminante Wiedergeburt erleben. Er wird jedenfalls laut Kunitake Ando, President und COO von Sony Mittelpunkt des Systems. In seiner CES-Keynote widersprach Ando - nicht gerade unerwartet - seinem Vorredener und PC-Verfechter Bill Gates. Ando sieht das TV-Gerät als natürliche Multimediazentrale in einem Heimnetz, in dem der PC-Laptop nur noch gleichberechtigt neben anderen Geräten eingebunden ist, wie etwa der Spielekonsole Playstation 2, mit der Sony einsam den Videokonsolenmarkt vor Nintendo und Microsoft anführt.

Auch im Videobereich setzt Sony Trends: Auf der CES wurde unter anderem ein Camcorder vorgestellt, der direkt auf DVD aufzeichnet. Zudem präsentiert das Unternehmen zusammen mit Kooperationspartner SanDisk den Memory Stick Pro mit einer Kapazität von 1 GByte. Der Stick soll im März zu einem Preis von 880 $ auf den Markt kommen.

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