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24.03.2003

08:27 Uhr

US-Armeezeitung für die Soldaten am Golf wird in Deutschland gedruckt

Stars and Stripes aus Griesheim

VonCarla Plam

In Kuwait bekommt ein GI in diesen Tagen alles, woran er von zu Hause gewöhnt ist: amerikanische Cola, amerikanischen Kaffee und sogar eine Tageszeitung. Seit Anfang März fliegen Militärmaschinen die europäische Ausgabe der US-Armeezeitung "Stars and Stripes" von Deutschland nach Kuwait.

FRANKFURT. Tausende Exemplare der "Pacific and European Edition" rattern dafür jeden Tag in der Zentrale in Griesheim bei Darmstadt zusätzlich aus den Druckmaschinen.

Um nah an den Truppenbewegungen zu sein, haben Reporter der "Stars and Stripes" in Bahrain, der Türkei und auf dem mittlerweile vor Katar liegenden Schiff Kitty Hawk Stellung bezogen. Seit Januar berichten sechs Journalisten aus einem neuen Nachrichtenbüro in Kuwait. Mit Beginn der US-Offensive gegen den Irak produzieren sie vor Ort eine eigenständige Sonderausgabe. "So dicht an die Truppen ran wie möglich", lautet die Order von Editorial Director David Mazzarella, der seine Zeitung nach einer längeren Friedensphase wieder auf Krieg trimmt.

Seit ihrer Gründung im Ersten Weltkrieg gehört "Stars and Stripes" zum Marschgepäck der GIs. Neben Frontberichten und aktuellen Stellungnahmen aus dem Pentagon finden die Soldaten in der Zeitung vor allem eines: Unterhaltung. Sportergebnisse, Hollywood-Klatsch, Kochrezepte und Grüße von Daheimgebliebenen stärken die Moral.

Während viele andere kommerzielle Medien mit Einbußen wegen der Werbeausfälle rechnen, profitierte "Stars and Stripes" bisher immer von den militärischen Konflikten. Als die Operation Desert Storm im Golfkrieg 1991 anlief, verdoppelte sich die Nachfrage binnen weniger Tage. Auch diesmal rechnet die Zentrale in Washington mit einem Boom, vor allem zu Gunsten der europäisch-pazifischen Auflagen, die zuletzt von rund 80 000 auf 60 000 Exemplare fiel.

"Stars and Stripes" rentabel ?

Möglicherweise bleibt aber kaum Gewinn übrig. Denn die Frontsoldaten bekommen "Stars and Stripes" umsonst - und allein die zusätzlichen Druck- und Transportkosten liegen bei mehreren Millionen US-Dollar, schätzt Pressesprecherin Roxanne Cooper. "Wir rechnen so gerade mit einer schwarzen Null." Noch leistet sich "Stars and Stripes" Korrespondentenbüros in Deutschland, Italien, Spanien, Bosnien, Mazedonien und Großbritannien. Angesichts des angedrohten Truppenrückzugs aus Europa ist aber schon zu hören, dass ihre Notwendigkeit geprüft werde.

Finanziert wird "Stars and Stripes" (Copy-Preis 50 Cent) zu zwei Dritteln aus Anzeigen- und Vertriebserlösen. Automobilhersteller, Reiseagenturen sowie lokale Unternehmen gehören weltweit zu den wichtigsten Anzeigenkunden. Das dritte Drittel kommt aus staatlichen Kassen. Die Abhängigkeit von den Subventionen und die Nähe zum Pentagon, das die Inhalte der Militärzeitung in eigener Sache autorisiert, provozieren immer wieder Kritik. Sogar Armeeangehörige beschweren sich in Leserbriefen.

Editorial Director Mazzarella betont zwar, dass "Stars and Stripes" nicht unreflektiert die PR der Regierung übernehme und der freie Informationsfluss wie bei jedem anderen Medium gewährleistet sei. Politische Ereignisse und Regierungsentscheidungen dürfen die Redakteure der Army-Zeitung allerdings nicht kommentieren.

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