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23.01.2008

19:42 Uhr

US-Außenministerin sieht keinen Grund zur Panik

Rice: US-Wirtschaft ist belastbar

Nachdem es in den vergangenen 25 Jahren nur zwei relativ milde Rezessionen in den USA gegeben hat, darf nunmehr das Schlimmste befürchtet werden. Die Märkte reagieren trotz Not-Zinssenkung der Fed weiter panisch. Umso erstaunlicher erscheint da die Gelassenheit, die US-Außenministerin Condoleezza Rice beim Weltwirtschaftsforum in Davos an den Tag legt.

Condoleezza Rice: 'US-Wirtschaft belastbar und auf lange Sicht gesund.' Foto: Reuters

Condoleezza Rice: 'US-Wirtschaft belastbar und auf lange Sicht gesund.' Foto: Reuters

HB/saf DAVOS. US-Außenministerin Condoleezza Rice hat Bedenken über eine grundsätzliche Schwächung der amerikanischen Wirtschaft zurückgewiesen. "Die amerikanische Wirtschaft ist belastbar, ihre Struktur ist gesund, und ihre langfristig gesehenen wirtschaftlichen Fundamente sind gesund", sagte Rice zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums ins Davos.

"Unsere Wirtschaft wird ein treibender Motor weltweiten Wirtschaftswachstums bleiben." Die USA begrüßten weiterhin ausländische Investitionen und den freien Handel. "Wir sollten also Vertrauen in die grundlegende Stärke der weltweiten Wirtschaft haben", sagte die Außenministerin.

Das sehen meisten Ökonomen und Manager anders. Sie befürchten, dass, dass Amerika vor schweren Zeiten steht. "Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleitet", sagte Joseph Stiglitz, amerikanischer Wirtschafts-Nobelpreisträger dem Handelsblatt. Daran könne auch das von US-Präsident George W. Bush angekündigte Konjunkturprogramm nichts ändern.

Unter dem Motto "Die Kraft gemeinsamer Erneuerung" begann am Mittwoch in Davos das 38. Weltwirtschaftsforum. Bis zum Wochenende werden rund 2 500 Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur über die jüngsten globalen Entwicklungen diskutieren. Der weltweite Einbruch an den Finanzmärkten hat sich dabei über Nacht zum alles überragenden Thema in den Schweizer Bergen entwickelt. Zwar hoffen die vielen angereisten Manager, in den nächsten Tagen die Ursachen für das Ausmaß der Finanzkrise besser verstehen zu können, doch an eine vollständige Beantwortung aller Fragen glaubt so recht niemand. "Klar ist nur eins: Die Zukunft ist extrem unsicher geworden", sagte ein Vorstandsmitglied einer deutschen Bank dem Handelsblatt.

Das Weltwirtschaftsforum beschäftigte sich gleich auf mehreren Veranstaltungen mit den Auswirkungen der US-Finanzkrise. Der Befund war überraschend eindeutig: Die globalen Risiken haben deutlich zugenommen, die meisten Experten schätzen die Ansteckungsgefahren der US-Finanzkrise für den Rest der Welt als ausgesprochen hoch ein. Die alte Ökonomenregel, dass die Welt einen Schnupfen bekommt, wenn die USA husten, scheint unverändert Gültigkeit zu besitzen. "Wenn die US-Konjunktur lahmt, spürt das auch die Weltwirtschaft", sagte Michael Klein, Vize-Chef der US-Bank Citigroup, die erst kürzlich einen weiteren Abschreibungsbedarf auf Subprime-Kredite in Höhe von 18 Mrd. US-Dollar verkraften musste.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Finanzkrise das Wachstum der Weltwirtschaft dieses Jahr kräftig bremsen. Eine "deutliche Abschwächung" sei in diesem Jahr unvermeidlich, sagte IWF-Sprecher Masood Ahmed. Es werde sich als komplexe und langwierige Angelegenheit erweisen, die Stabilität an den Märkten wiederherzustellen. Die Leitzinssenkung in den USA um 75 Basispunkte auf nunmehr 3,5 Prozent sei in diesem Zusammenhang hilfreich gewesen.

Die US-Notenbank Fed, deren reguläre Sitzung erst in der kommenden Woche ansteht, hatte mit diesem Schritt am Dienstag auf die zunehmende Angst vor einer Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft reagiert. Dies konnte jedoch weitere Kurseinbrüche nicht verhindern. Der deutsche Leitindex Dax verlor am Mittwoch knapp 4,9 Prozent, auch die Aktienmärkte in den USA notierten deutlich im Minus.

Der IWF-Sprecher äußerte sich überzeugt, dass die Fed auch künftig ohne Zögern handeln werde, sollte es die Lage erfordern. Aber auch die Politik sei aufgefordert, mit "gezielten und zeitnahen" fiskalischen Maßnahmen die Nachfrage in den USA kurzfristig zu unterstützen. Am Freitag will der Fonds einen Bericht zur Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte vorlegen. Bisher geht der IWF von einem Wachstum von 4,8 Prozent der Weltwirtschaft aus. Diesen Wert dürfte der Fonds jetzt nach unten korrigieren.

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