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04.06.2000

19:00 Uhr

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US-Autobauer melden stockende Absatzzahlen

In Europa sinken die Absätze der Autohersteller bereits seit Monaten. Jetzt zeigen sich auch in den USA erste Anzeichen für ein Abflauen der Branchenkonjunktur. Zwar ist der Rückgang der Verkaufszahlen noch nicht alarmierend, die hohen Prognosen für das Gesamtjahr werden aber allmählich zurückgenommen.

hus NEW YORK. Noch sind die Verkaufszahlen der amerikanischen Automobilindustrie beeindruckend, doch es bahnt sich eine Trendwende an: Im April verzeichnete die Branche erstmals seit Sommer 1998 einen Rückgang ihrer Verkaufszahlen um 2 %. Mit Sonderrabatten und Verkaufsaktionen versuchen die Autohersteller nun vielerorts ihre Marktanteile zu verteidigen - doch dies schmälert die Gewinne und beeinflusst wiederum die Aktienkurse.

Die Kurse der großen drei US-Autokonzerne haben bereits in den vergangenen Tagen trotz der Kursrally an der Wall Street stagniert oder schwächer als der Markt notiert. Dabei verschlechterten vor allem die mageren Ergebnisse bei General Motors und Daimler-Chrysler die Performance der gesamten Branche. Bei Daimler-Chrysler brach der Absatz um 16,8 % ein, GM meldete ein Minus von 5,8 %.

Zwar erwartet die Branche für das Gesamtjahr 2000 immer noch einen Absatz auf Vorjahresniveau von insgesamt etwa 17,1 Mill. Autos, womit sich die US-Autoverkaufszahlen noch immer auf sehr hohem Niveau bewegen. Im April hatte das Marktforschungsinstitut Ward's Auto Infobank aber noch mit einem Jahresabsatz von 18,3 Mill. Wagen gerechnet, im Februar waren es noch 19,9 Mill. Fahrzeuge. Insgesamt sind die US-Autohersteller aber noch optimistisch gestimmt. "Wenn uns vor vier Jahren jemand gesagt hätte, wir verkaufen heute 16 Mill. Stück, dann hätten wir alle Beifall geklatscht", urteilt der Vorsitzende der Händlerorganisation Asbury Automotive Group, Thomas Gibson, die jüngsten Zahlen.

Als Gründe für die Zurückhaltung der Käufer nannte Chefvolkswirt David Littmann von der Comerica Bank in Detroit die geringere Konsumfreude. In den ersten vier Monaten des Vorjahres hätte auf Grund von Firmenboni, welche die Konzerne ihren Mitarbeitern gezahlt hatten, und nach deutlich höheren Steuerrückzahlungen das Geld der US-Verbraucher noch lockerer gesessen.

Littmann führt den Rückgang der Verkaufszahlen allerdings auch auf volkswirtschaftliche Effekte zurück. "Die Autoindustrie spürt einen Konjunkturrückgang immer sehr früh", bemerkt er. Nur jeder fünfte US-Kunde bezahlt ein neues Auto bar, die meisten nehmen einen Kredit auf. Höhere Zinsen schlagen da sofort zu Buche. Ein Zeichen für eine schwächere Konjunktur sei auch der deutliche Rückgang beim Verkauf von Lkw um 8,4 %, erläutert Littmann.

Der Chefanalyst bei Ward's, Haig Stoddard, ist überzeugt, dass ab sofort die Autokäufe bestenfalls stagnieren werden. Allerdings erwartet er noch einmal eine Belebung der Nachfrage im Juni. "Da müssen die Autohändler nämlich ihre Halden abbauen", erläutert er.

Mit verstärkten Sonderverkaufsaktionen buhlen die Konzerne jetzt schon um Kunden. Daimler-Chrysler hatte im Mai Rabatte gestrichen, prompt sackte der Absatz besonders stark ein. Jetzt hat der Konzern eilends neue Verkaufsaktionen angekündigt. Auch GM geht mit neuen Kampagnen in die Offensive: In seiner bisher größten Internetverkaufsaktion bietet der Autohersteller gestaffelte Rabatte, abhängig davon, wie viele Informationen ein Kunde über sich preis gibt. Preisnachlässe bis zu 750 $ sollen die Online-Käufer zusätzlich zu bereits existierenden Rabatten erhalten.

Die europäischen und asiatischen Autohersteller kommen auf dem US-Markt bislang noch recht gut zurecht. Der Toyota-Konzern etwa verbesserte den Absatz um 2,7 %, und Nissan steigerte die US-Verkaufszahlen gar um 11,5 %. Der Volkswagen-Konzern steigerte den Verkauf um 7,1 %, und auch die Daimler-Chrysler-Tochter Mercedes verzeichnete gegenüber dem Vorjahresmonat ein leichtes Plus von 0,8 %.

Am Aktienmarkt werden die Titel der US-Autokonzerne bereits mit einem Abschlag gehandelt. Am Freitag notierten Ford-Aktien mit 48 $ um 2,3 % schwächer, und General Motors setzten mit-1,7 % ihren tagelangen Abstieg fort und kosteten zum Handelsschluss 69 $. Die Aktien des Daimler-Chrysler-Konzerns legten zwar am Freitag um 1,86 % zu, liegen aber mit 54 5/8 $ noch immer deutlich unter ihrem Stand von Anfang April, als sie 65 $ gekostet hatten.

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